Zurzeit kein Thema

In einem Interview wunderte sich ein ehemaliger General, dass die Anhänger der Grünen früher eher Pazifisten waren und sich jetzt fast schon zu Bellizisten gewandelt hätten. Ich denke, dass sich das einfach erklären lässt.

Die deutsche Vergangenheitsbewältigung hat dazu geführt, dass sich viele Menschen heute für die Verbrechen der Nazizeit verantwortlich fühlen. Sie fühlen sich als Nachfahren von Verbrechern und sehen sich in der Pflicht, immer moralisch zu handeln. Durch diese Generation ist die Politik in Deutschland moralisch geworden.

In den 80er Jahren stand man als Pazifist auf der moralisch richtigen Seite. Man hatte aus der Geschichte gelernt und war jetzt ein Teil der Guten.

Als man dann doch Belgrad bombardieren wollte, musste eine tragfähige moralische Begründung her. Dazu diente J. Fischers «Nie wieder Auschwitz!». Man warf zwar Bomben, aber das war jetzt moralisch gerechtfertigt.

Im Ukraine-Krieg sagt die «konventionelle Weisheit», dass die Sache sehr einfach ist: hier die Guten und dort die Bösen (siehe M. Lanz im Gespräch mit D. Precht). Wenn man jetzt Waffen in Spannungsgebiete liefert, was bisher von den Grünen ausgeschlossen wurde, dann steht man jetzt wieder auf der moralisch richtigen Seite.

Nur ist die Welt nicht so einfach. Moralisches Handeln führt häufig in ein Dilemma. Z. B. will Deutschland kein Gas mehr aus Russland kaufen. Da der Markt aber nicht mehr Gas (in Form von LNG) hergibt, kaufen wir ärmeren Ländern das LNG vor der Nase weg. Es nützt den ärmeren Ländern nichts, dass sie sich durch Verträge das LNG bereits gesichert haben. Wir bieten den Verkäufern einfach mehr Geld und übernehmen auch gleich die Vertragsstrafen.

Bangldesh bekommt bereits kein Gas mehr. Mit unserem moralischen Handeln stoßen wir Bangladesh zurück in die Armut. Wie löst man dieses moralische Problem? Gar nicht. Man spricht einfach nicht darüber.

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