Zum Abgewöhnen

Ich habe gestern Abend wieder einmal eine Talkshow gesehen. Die Phoenix-Runde. Zum Abgewöhnen.

Aber eines war interessant. Eine Bauingenieurin hatte ein paar Zahlen. Es gibt 8 Millionen Gebäude in Deutschland. Ein Viertel (wenn ich das richtig verstanden habe) gehört Rentnern. Sie habe gerade mit einem Rentnerehepaar eine Kalkulation der Sanierung ihres Hauses vorgenommen. Die Kosten betragen 180’000 Euro. Das kann sich das Rentnerehepaar nicht leisten. Ausweg: staatliche Förderung.

Damit war der Punkt abgehakt. Woher das Geld für die staatliche Förderung kommt und ob die zurückgezahlt werden muss, war keine diskussionswürdige Frage.

Zurzeit werden weniger als 1% der Häuser pro Jahr thermisch saniert. Gefordert werden bis zu 4%. Dass man dann 5mal so viele Handwerker braucht, die man aber nicht hat, wurde zwar erwähnt, aber nicht als ein Problem betrachtet. Die Zeit war auch nicht dafür da, weil uns Frau Neubauer nochmal in Erinnerung rufen musste, dass sie Welt sonst bald untergeht.

Besonders der Anstieg des Meeresspiegels sei ein großes Problem. Wenn alle beim Häusersanieren sind und niemand mehr Zeit hat, sich um die Deiche zu kümmern, dann hat sie wohl recht.

Man weiß beim Anschauen nicht, ab man mehr Lachen oder Weinen soll.

Meine Entscheidung: die nächste Talkshow wird erst 2024 angeschaut.

Zweck heiligt die Mittel?

Das Wort «Sprachregelung» wurde während der NS-Zeit erfunden (vielleicht von Goebbels?) und die Sprachregelung wurde auch praktiziert. Sie diente zum einem dazu, zu erkennen, ob man einen Freund oder Feind vor sich hatte. Zum anderen hatte Goebbels erkannt, dass man damit das Denken beeinflussen konnte.

Die Sprachregelung verschwand auch nach der NS-Zeit nicht. Wer in den 70er Jahren BRD sagte, konnte kaum Lehrer werden. Wenn jemand Atomkraft statt Kernkraft sagte, wusste man, was er darüber dachte.

Heute führen viele Universitäten Sprachregelungen ein und es wird diskutiert, ob man schlechter benotet wird, wenn man sich nicht daranhält. Gemeint ist «Gendern». Auch hier soll mit einer Sprachregelung das Denken beeinflusst werden. Natürlich in eine ganze andere Richtung als bei Goebbels.

Rechtfertigen die Ziele den Einsatz von Methoden, die auf die NS-Zeit zurückgehen?

Falls man Zweifel hat, gibt es Alternativen. Man könnte versuchen, das Denken durch gute Argumente zu beeinflussen. Aber es ist mühsamer und vielleicht weniger erfolgreich.

Veraltet?

Grundlast ist ein statistisches Phänomen.

Solange es eine gemeinsame Quelle gibt, aus der alle versorgt werden, kommt es niemals vor, dass alle Stromverbraucher gleichzeitig abgeschaltet werden. Selbst wenn der Bereich nicht sehr viele Verbraucher enthält, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering. Bei Millionen Verbrauchern ist sie praktisch null.

Wenn es jetzt im Bundestag heißt, dass Grundlast ein überholtes Konzept ist und die Zukunft angebotsorientiert ist, dann verschwindet die Grundlast nicht. Auch wenn versucht wird, die Nachfrage über den Preis zu steuern, wird dies nicht funktionieren, weil es etliche Verbraucher gibt, die keine Alternative haben z. B. Krankenhäuser.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten die Grundlast zu beseitigen.

Man kann den Strom bewirtschaften. Je nach vorhandener Stromerzeugung werden Verbraucher an- und abgeschaltet. Dies funktioniert aber nur in Entwicklungsländern und Kriegsgebieten, nicht in einer Industriegesellschaft.

Die andere Möglichkeit ist, dass es gar keine gemeinsame Quelle, d.h. ein Stromnetz gibt. Jeder Verbraucher ist autark und macht sich seinen Strom selbst. Diese Konzepte sind aber bisher immer gescheitert.

Panik wg. Umfragen?

Update (26.4.2021) siehe am Ende des Textes

Mal wieder was zur Energiewende, was ich nicht verstehe.

Die Bundesregierung hat heute beschlossen, dass 2022 zusätzliche Windenergieanlagen mit 4 Gigawatt Leistung installiert werden sollen. Das bedeutet eine Verdoppelung der bisher geplanten Menge. Wann vergibt die Bundesregierung die Bauaufträge und wo wird gebaut?

Die Bundesregierung vergibt natürlich gar keine Aufträge und wo gebaut wird, weiss heute auch keiner. Die Bundesnetzagentur erhöht nur die ausgeschriebene Menge. Firmen („Projektentwickler“) müssen sich Orte suchen, an denen noch Windturbinen aufgestellt werden dürfen, müssen sich um eine Genehmigung bemühen, müssen die Finanzierung beschaffen, etc. Wenn sie die Genehmigung haben, können sie sich an der Auktion der Bundesnetzagentur beteiligen und wenn sie den Zuschlag bekommen, können sie die Anlagen bauen. Wo ist das Problem? Die zugeteilte Menge wird nur gebaut, wenn zu mindestens die gleiche Menge geboten wird. Wie sah es den bei bisherigen Auktionen aus? Hier ein Diagramm aus den offiziellen Zahlen der Bundesnetzagentur:

Wie man sieht, war die letzte Auktion überzeichnet, aber die sechs Auktionen davor waren unterzeichnet. Die gesamte nicht vergebene Leistung betrug 1,2 Gigawatt.

Damit bei einer Unterzeichnung die gebotenen Preise nicht in die Höhe schnellen, gibt es eine Obergrenze für die Gebote. Sind aber die Auktionen immer unterzeichnet, wäre jeder Bieter dumm, wenn er nicht mit der Obergrenze anbieten würde. Einige taten es trotzdem. Bei ständiger Unterzeichnung findet daher kein Wettbewerb mehr statt.

Um dieses zu verhindern, hat man im EEG 2021 (verabschiedet kurz vor Weihnachten) eine sogenannte endogen Mengensteuerung eingebaut. Wenn nicht ausreichend neue Genehmigungen vergeben wurden und die letzte Ausschreibung bereits unterzeichnet war, muss die Bundesnetzagentur die ausgeschriebene Menge reduzieren. Wenn dieser Mechanismus funktioniert (was einige Ökonomen bezweifeln), dann wird die ausgeschriebene Menge bestimmt durch die Menge der Genehmigungen und die Angebote. Dies ist durch Gesetz geregelt.

Der Beschluss der Bundesregierung ist nur eine Festsetzung der Obergrenze, die eventuell nie erreicht wird.

Die letzte Ausschreibung war am 1. Februar 2021. Bisher (22.4.2021) sind keine Ergebnisse veröffentlicht worden. Bei anderen Ausschreibungen waren die Ergebnisse zu diesem Zeitpunkt längst bekannt. Bei dieser Ausschreibung war die Obergrenze von bisher 6,2 ct/kWh auf 6,0 ct/kWh gesenkt worden. Ausserdem war mit 1500 Megawatt eine sehr grosse Menge ausgeschrieben.

Ich tippe auf eine Unterzeichnung der Ausschreibung.

Update (26.4.2020):

Die Ergebnisse der Auktion vom 1. Februar wurden noch nicht veröffentlicht mit folgender Begründung:

Die nach § 105 Absatz 1 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vorgesehene beihilferechtliche Genehmigung durch die Europäische Kommission liegt derzeit noch nicht vor. Sobald die Genehmigung der Europäische Kommission vorliegt, können die Zuschläge erteilt werden.

Die nächste Auktion findet man 1. Mai 2021 statt . Die Bundesnetzagentur hat die Ausschreibungsmenge um ca. 20% reduziert, weil auf Grund fehlender Genehmigungen mit einer Unterzeichnung zu rechnen ist.

Wie schön war es, als es noch Kinderarbeit gab…

Ich kenne noch die Landwirtschaft, wie sie früher einmal war (60er Jahre). Wenn ich heute Forderungen höre, die industrielle Landwirtschaft abzuschaffen, kommt mir folgendes in den Sinn:

Wie schön war es doch in der guten alten Zeit,

-als der Bauer im Märzen die Rösslein anspannte,

-als es noch keine lärmenden Maschinen gab, weil sich die für die kleinen Flächen nicht lohnten

-als noch alles mit der Hand gemacht wurde und niemand mit 88 Jahren an Corona starb, weil niemand so alt wurde

-als die Kinder im Herbst nicht zur Schule gingen, wenn die Kartoffeln gesucht wurden und niemand über Kinderarbeit schimpfte

-als die Kinder noch Schwielen an den Händen hatten

-als noch neben jeder Haustür ein Misthaufen war und Mücken und Fliegen nur einen kurzen Flug bis in die Küche hatten

als es auf dem Land noch überall dreckig war und die Insekten sich grossartig vermehrten.

Lieferkette

Es soll jetzt in Deutschland das sogenannte Lieferkettengesetz eingeführt werden. Damit soll der Käufer, soweit er auch ein Verkäufer ist, verpflichtet werden, dass er dafür sorgt, dass sein Lieferant gewisse gesetzliche und soziale Standards einhält.

Der TÜV ist begeistert, was nicht überrascht, denn hier eröffnet sich ein neues Geschäftsfeld für ihn.

Ein Beispiel: Ritter-Sport produziert Schokolade unter anderem aus Kakao (Schokolade nur aus Kakao ist für Franzosen eine Delikatesse, aber in Deutschland keine Schokolade). Es besteht der Verdacht, dass beim Ernten des Kakaos auch Kinder eingesetzt werden. Ritter-Sport hat also künftig dafür zu sorgen, dass keine Kinderarbeit auf der Plantage stattfindet. Hier kommt jetzt der TÜV ins Spiel. Er wird anbieten, die Plantage als kinderarbeitsfrei zertifizieren. In der Realität wird es wohl so aussehen, dass die Kinder in die Schule solange der TÜV-Mensch da ist.

Als Käufer der Ritter-Sport-Schokolade muss ich mich nicht darum kümmern.

Kinderarbeit ist praktisch in jedem Land der Welt verboten. Die Überwachung der Einhaltung der Gesetze ist eine staatliche Aufgabe. Mit dem Liederkettengesetz zwingen wir also unsere Unternehmen dazu, in fremden Ländern für die Einhaltung der Gesetze zu sorgen.

Vielleicht gibt es andere Wege dies zu erreichen.

Als ich zur Volksschule ging, fragte eines Tages der Lehrer, wer die nächsten zwei Wochen nicht zur Schule komme, weil der bei der Kartoffelernte helfen muss. Kinderarbeit war in der Landwirtschaft der Normalfall. Erst mit der Industrialisierung der Landwirtschaft verschwand diese (hoffentlich).

Wenn heute eine Abschaffung der industriellen Landwirtschaft und die Wiedereinführung kleiner Höfe gefordert wird, dann befürchte ich die Wiedereinführung der Kinderarbeit.

Aber vielleicht wird Lidl und Aldi dies dann verhindern, weil wir ja das Lieferkettengesetz haben. Denn die Polizei und die Jugendämter sind mit Wichtigerem beschäftigt.

Determinismus?

Die meisten Philosophen und wohl auch Physiker sind vom Determinismus überzeugt. Vereinfacht gesagt, bedeutet dies, dass der Lauf der Welt vorbestimmt ist und der freie Wille eine Illusion ist.

Dies ist eine Frage, die mich von Zeit zu Zeit immer wieder beschäftigt.

1. Wenn alles vorbestimmt, dann muss das doch zu einem Fatalismus führen, ist oft die erste Reaktion.

Warum sollte ich etwas tun, wenn sich dadurch doch nichts ändert?

Dies ist jedoch ein Denkfehler. Denn der Entschluss zum Fatalismus setzt einen freien Willen voraus.

2. Der Determinismus hat seltsame Folgerungen. Es ist ja noch verständlich, dass es durch die Naturgesetze vorbestimmt ist, dass ich heute Abend zu viel Wein trinken werde. Aber wieso legen die Naturgesetze fest, dass ich es morgen bereuen werde? Zu mindestens wäre dies ein Hinweis darauf, dass hinter den Naturgesetzen kein intelligentes Design steckt.

Tut mir leid. Keine Wahl.

Die meisten Philosophen und wohl auch Physiker sind vom Determinismus überzeugt. Vereinfacht gesagt, bedeutet dies, dass der Lauf der Welt vorbestimmt ist und der freie Wille eine Illusion ist.

Dies ist eine Frage, die mich von Zeit zu Zeit immer wieder beschäftigt.

1. Wenn alles vorbestimmt, dann muss das doch zu einem Fatalismus führen, ist oft die erste Reaktion.

Warum sollte ich etwas tun, wenn sich dadurch doch nichts ändert?

Dies ist jedoch ein Denkfehler. Denn der Entschluss zum Fatalismus setzt einen freien Willen voraus. Wenn ich keinen freien Willen, kann ich mich auch nicht dazu entscheiden, Fatalist zu werden. Ich bleibe, wer und was ich bin.

2. Der Determinismus hat seltsame Folgerungen. Es ist ja noch verständlich, dass es durch die Naturgesetze vorbestimmt ist, dass ich heute Abend zu viel Wein trinken werde. Aber wieso legen die Naturgesetze fest, dass ich es morgen bereuen werde? Zu mindestens wäre dies ein Hinweis darauf, dass hinter den Naturgesetzen kein intelligentes Design steckt.

Ungleichgewicht der Guten

Im kalten Krieg galt die Doktrin Frieden durch Abschreckung („Gleichgewicht des Schreckens“). Sie besagt, dass beide Seiten keinen Krieg beginnen, wenn die Gegenseite immer noch die Möglichkeit zum Gegenschlag hat. Wer zuschlägt, hat also das Risiko der Gefährdung der eigenen Soldaten bzw. Zivilisten.

Dieses wurde zwar kritisiert, aber von allen Militärs und Militärexperten für richtig gehalten.

Zurzeit wird die Anschaffung von Drohnen für die Bundeswehr diskutiert. Die Befürworter (Militärexperten) argumentieren, dass mit Drohnen die eigenen Soldaten nicht in Gefahr gebracht werden. Nach der Abschreckungsdoktrin wären Drohnen daher eine gute Angriffswaffe.

Nur gut, dass wir die Guten sind und nicht angreifen wollen.