Das zunehmende Nichtsein…

Ich bin Gasthörer in Philosophie. In der letzten Woche haben wir für die ersten drei Sätze aus David Humes «Traktat über die menschliche Natur» 90 Minuten gebraucht. Man lernt wirklich Sätze sehr genau zu lesen.

Heute lese ich im Spiegel etwas von «zunehmenden Überflutungen unserer Städte». Grund für die zunehmenden Überflutungen ist der kommende Klimawandel.

Wenn etwas zunehmen soll, muss es zuerst existieren. Etwas das nicht existiert, kann nicht zunehmen.

Werden unsere Küstenstädte denn bereits regelmässig vom Meerwasser überflutet? Mir ist das nicht bekannt. Manchmal gibt es schwere Gewitter mit Starkregen, so dass das Wasser erstmal auf der Straße stehen bleibt. Aber das gab es auch zu meiner Jugend schon.

Abgeregelt…

Die Bundesregierung hat in ihrem Klimaschutzprogramm angegeben, welche Beiträge die erneuerbaren Energien 2030 zur Stromerzeugung erbringen sollen. Wenn man die erzeugte Strommenge mit der Menge von 2018 vergleicht, könnte man die neuen installierten Leistungen berechnen.

Wind an Land soll um den Faktor 1.62, Wind auf See um den Faktor 4.40 und Solarenergie um den Faktor 2.20 erhöht werden. Biomasse und Wasserkraft sollen etwa gleichbleiben.

Wenn man die Stromerzeugung von 2018 stundenweise mit diesen Faktoren erhöht und noch dazu annimmt, dass aus Stabilitätsgründen 7 GW konventionelle Anlagen nötig sind, so stellt man fest, dass in 2800 Stunden (= 32%) die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen die Last überschreitet. Es muss ca. 10% der erzeugten Strommenge abgeregelt werden. Man könnte auf die Idee kommen, einfach 10% mehr zu installieren. Mit mehr installierter Leistung steigt aber auch die abgeregelte Menge. Um die im Klimaschutzprogramm vorgesehene Energie zu erreichen, muss die installierte Leistung um weitere 35% erhöht werden. Damit müssen erhöht werden gegenüber heute: Wind an Land um den Faktor 2.15, Wind auf See um den Faktor 5.85 und Solarenergie um den Faktor 2.93.

Für Wind an Land bedeutet das einen Zubau von 6000 MW pro Jahr. Bisher wurden maximal 5000 MW in einem Jahr (2017) installiert. Für Wind auf See sind es 3500 MW pro Jahr und es wurden bisher maximal 1270 installiert. Die Solarenergie müsste jedes Jahr um 9300 MW wachsen. Bisher war der maximale Wert 7900 MW im Jahr 2011. Nichts ist unmöglich, aber vieles ist nicht wahrscheinlich.

Wird es so ausgeführt, dann wird Deutschland in über 50% der Zeit, abgesehen von den 7 GW, nur von den erneuerbaren Energien versorgt. Leider müssen 23% der Energie abgeregelt oder ins Ausland verschenkt werden. Es handelt sich um 112 TWh, die bei einem Strompreis von 6.2 ct/kWh (Wind an Land), einen Wert von ca. 7 Mrd. Euro haben.

Diese 7 Mrd. Euro müssen auf jeden Fall bezahlt werden. Sollte man das EEG ändern, dass der Überschussstrom nicht mehr bezahlt wird, müssen die Betreiber der Anlagen notgedrungen das Geld auf die bezahlten Stunden umlegen.

Diese Überlegungen berücksichtigen keine Speicher (da ich nicht daran glaube, dass bis 2030 diese zur Verfügung stehen). Ausserdem wird davon ausgegangen, dass der Stromverbrauch nicht zunimmt. Ich glaube nicht daran, aber es macht die Rechnung einfacher und die Bundesregierung glaubt daran.

Die Erde ist flach! :)

Ob ich das behaupten wolle, hat mich ein Philosophie-Professor im letzten Semester gefragt, als ich bemerkte, dass man in der Naturwissenschaft nichts beweisen kann.

Durch Zufall bin ich darauf gestossen, dass in den Klimamodellen die Erde als eine flache Scheibe modelliert wird.

Im Vergleich zum Erdradius ist unsere Atmosphäre aber sehr dünn, so dass der Rechenfehler vermutlich nicht sehr groß ist. Im Vergleich zur unvermeidlichen Ungenauigkeit der Modelle fällt er wohl kaum ins Gewicht.

Dramatisch, dramatischer, Klimawandel

Bis vor kurzem konnte man auf SPON Artikel zum Klimawandel vom Diplom-Geologen Axel Bojanowsky lesen. Jetzt schreibt die Artikel eine promovierte Historikerin.

Heute war es mal wieder sehr dramatisch.

Zitat:» Der Meeresspiegel steigt noch schneller, die Eismassen schmelzen dramatisch ab»

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/sonderbericht-des-weltklimarats-land-unter-a-1288496.html

Dazu das Bild eines Jungen, der bis zum Hals im Wasser steht.

Das dramatische Ansteigen des Meeresspiegels kann man z. B. hier sehen.

Im Artikel wird erwähnt, um wie viel das Eis in der Antarktis jedes Jahr abnimmt (3mal der Bodensee).

Es wird nicht erwähnt, wie viel Eis es in der Antarktis gibt.

Laut Wikipedia nimmt das Eisvolumen in der Antarktis jedes Jahr um 1 Hunderttausendstel ab. Wenn der Prozess also linear verläuft (was sicherlich nicht der Fall ist), dauert es etwa 100’000 Jahre bis die Antarktis abgeschmolzen ist.

Als Physiker frage ich mich, wie man etwas so genau messen kann. Das Eis in der Antarktis ist etwa 2000 m dick. Es schmelzen im Jahr daher etwa 2 cm ab. Laut Artikel haben sich diese 2 cm um etwa 5% erhöht. Es sind jetzt 2.1 cm, also 1 mm mehr. Damit das Messergebnis signifikant ist, muss die Messgenauigkeit noch geringer sein. Man kann also die mittlere Eisdicke in der Antarktis auf weniger als einen 1mm genau bestimmen. Hört sich formidabel an, nur mir fehlt der Glaube.

Meiner Meinung nach ist das Dramatisieren in der Klimawandelproblematik kontraproduktiv. Es verhindert jede sachliche Diskussion. Am Ende stehen sich alle mit geschlossenem Visier gegenüber und nichts passiert.

Sitzen zwei Touristen («Landratten») bei auflaufendem Wasser auf einer Bank auf dem Deich. «Schau mal wie der Meeresspiegel steigt! So dramatisch hatte ich mir das gar nicht vorgestellt!»

Auch Du, mein Bruder

Greta Thunberg sagt, dass man ihre Kindheit gestohlen hat.

Nichts was ich in meinem Leben getan habe, habe ich getan, um den Klimawandel zu stoppen. Ich fahre zwar wenig Auto und auch nur ein kleines Auto, aber nicht wegen des Klimawandels. Habe daher auch ich ihre Kindheit gestohlen?

Vor kurzem las ich von einem Psychologen, dass man die Psyche von Kindern beschädigt, wenn man ihnen Angst macht. Greta Thunberg wurde ihre Kindheit gestohlen, weil sie in Angst lebt. Die Ursache ihrer Angst ist der Klimawandel.

Jetzt haben die meisten Kinder aber keine Angst vor dem Klimawandel. Vielleicht weil ihre Eltern ihnen keine Angst vor dem Klimawandel machen. Vielleicht hat Greta Thunberg ja Angst, weil ihre Eltern Aktivisten sind und ihr Angst vor dem Klimawandel gemacht haben.

Greta Thunberg lebt in Schweden. Schweden ist eins der Länder, das vom Klimawandel profitieren wird.

Schmerz, lass nach!

Wenn man, wie ich, 25 Jahre als Marathonläufer verbringt, dann stellt man sich irgendwann die Frage, ob man unter Masochismus leidet. Es heißt ja auch, das Schönste am Marathon sei das Nachlassen des Schmerzes. Ein wenig Masochismus gibt es wohl in jedem.

Wenn alle, die Angst vor dem Klimawandel haben, etwas dagegen tun wollten, könnten sie es.

Man darf seine Zimmertemperatur beliebig weit absenken (in Mietshäusern gibt es für innenliegende Wohnungen vielleicht eine Begrenzung). Man darf den Kühlschrank verschrotten. Man darf nur noch kalt duschen und hauptsächlich Rohkost essen. Man darf alles Geld, das man nicht zum Überleben braucht, in eine Wärmepumpe und Solaranlagen investieren.

Auch das Klimapaket der Bundesregierung verbietet nichts davon. Wenn zu mindestens die 41% der Bevölkerung, die Angst vor dem Klimawandel haben, ihren CO2-Ausstoss um 80% reduzieren, sollten die deutschen Klimaziele in greifbare Nähe gelangen.

Wenn Deutschland den Vorreiter macht und die Welt dann folgt, warum sollte es dann nicht auch innerhalb Deutschlands funktionieren? 41% machen den Vorreiter und die anderen folgen.

Aber nein, so geht es nicht. Wir wollen, dass die Bundesregierung uns so mit der CO2-Steuer quält, dass wir laut aufschreien und sofort die Wärmepumpe bestellen und uns schon darauf freuen, wie der Schmerz nachlässt, wenn sie geliefert wird.

Steigen oder Sinken?

Die indonesische Regierung überlegt den Regierungssitz aus Jakarta weg zu verlegen, weil die Stadt zum Teil im Meer versinkt.

In Spiegel-Online muss das als Warnung vor dem Klimawandel und dem Meeresspiegelanstieg dienen.

Der Meeresspiegel steigt um 3 mm im Jahr und deshalb versinkt die Stadt im Meer?

Die NZZ hat einen genauen Bericht geliefert (https://www.nzz.ch/international/indonesien-hauptstadt-jakarta-droht-im-meer-zu-versinken-ld.1399833) .

Jakarta ist auf einem instabilen Untergrund gebaut und es gibt keine ausreichende Wasserversorgung. Deshalb wir ein Großteil des Trinkwassers aus illegalen Brunnen gefördert. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel ab und der Boden schrumpft. Der Boden sinkt im Durchschnitt 60 mm im Jahr, also 20-mal mehr als dass der Meeresspiegel steigt.

Das bringt mich zu der Frage, wie man den Meeresspiegelanstieg misst. Wie kann man unterscheiden ob sich der Meeresspiegel hebt oder ob der Pegel sinkt?

Weltweit steigt der Meeresspiegel um 3.3 mm/Jahr, aber in der Nordsee nur um 1.5 mm. Hebt sich die Nordsee immer noch an, weil die Gletscher der letzten Eiszeit geschmolzen sind?

Wie teuer wird’s eigentlich?

Im letzten Sachstandsbericht hat sich der Weltklimarat auch dazu geäussert, wie hoch die Schäden sein werden, wenn sich die globale mittlere Temperatur um 2°C erhöht. Natürlich ist es sehr schwierig so etwas vorherzusagen, wie immer bei Vorhersagen über die Zukunft. Aber man bekommt aber zu mindestens einen Eindruck von der Größenordnung. Hier der Text:

“the incomplete estimates of global annual economic losses for additional temperature increases of ~2°C are between 0.2 and 2.0% of income (±1 standard deviation around the mean) (medium evidence, medium agreement).

Mit income ist hier das Bruttoinlandsprodukt gemeint. Maximal 2% des BIP. Die Zahl kommt einem irgendwie bekannt vor. 2% des BIP sind die geforderten Militärausgeben innerhalb der NATO.

Wir hören jetzt jeden Tag, dass die Welt durch den Klimawandel untergeht. Wieder sorgt der Weltklimarat im Kapitel 10 des fünften Sachstandsberichts für Verwirrung:

“For most economic sectors, the impact of climate change will be small relative to the impacts of other drivers (medium evidence, high agreement). Changes in population, age, income, technology, relative prices, lifestyle, regulation, governance, and many other aspects of socioeconomic development will have an impact on the supply and demand of economic goods and services that is large relative to the impact of climate change.”

Greta sagt, dass wir auf die Wissenschaftler hören sollen. Wenn die aber jetzt etwas anderes sagen als Greta?

Wie soll das gehen?

In dem ganzen Klimaschutzpaket wird davon geschrieben, dass von der Verbrennung von Kohle (oder Gas) auf Strom umgestiegen werden soll.

Im Jahr 2018 produzierten die Kernkraftwerke noch 72 TWh Strom. Der Wind lieferte 112 TWh und die Solaranlagen 46 TWh.

In den nächsten drei Jahren fallen die Kernkraftwerke weg. Realistischerweise kann der Kernkraftstrom CO2-frei nur durch Windkraftwerke ersetzt werden. Die Windenergie müsste innerhalb von 3 Jahren um 64% ausgebaut werden, um den Kernkraftstrom zu ersetzen. Das sind etwa 39’000 MW zusätzliche Windenergieanlagen. 2019 wurden von der Bundesnetzagentur 3675 MW ausgeschrieben. Bei diesem Tempo würde es 12 Jahre dauern, bis die Kernkraftwerke kompensiert sind.

In den bisher beendeten Auktionen wurden aber nur 1133 von 2500 MW vergeben. Wenn sich diese Quote nicht verbessert, dauert es sogar 23 Jahre, bis die Kernenergie kompensiert ist und CO2-Emissionen gesenkt werden können.

Auf die Solarenergie würde ich nicht setzen, solange es keine preisgünstigen Speicher gibt und die wird es in ausreichender Zahl in den nächsten 10 Jahren nicht haben.

Nicht korrekt.

Bei der Pressekonferenz der Bundesregierung zum Klimaschutzpaket ist mir einiges aufgefallen.

Angela Merkel spricht vom Klimawandel und der Erderwärmung. Politisch korrekt muss es jetzt Klimakrise und Erderhitzung heißen.

Markus Söder sprach davon, dass man jetzt Einigkeit in der Bevölkerung schaffen könne und nicht noch mehrere Wahlkämpfe zu dem Thema führen wolle.

SPD und CDU wollen, dass das Thema vom Tisch kommt, weil das Thema nur den Grünen hilft.

Die Grünen haben jetzt ein kleines Dilemma. Das Paket muss durch den Bundesrat und da sitzen die Grünen in vielen Regierungen. Sie müssen natürlich das Paket jetzt kritisieren und ihren Wählern eine Verschärfung im Bundesrat versprechen. Die Bundesregierung hat die Belastungen für die Wähler sehr moderat gelassen. Kommt es zu Verschärfungen und die Wähler ärgern sich später, wenn sie die Heizkostenrechnung bekommen, können CDU und SPD dies leicht den Grünen in die Schuhe schieben.