Quälitätsjournalismus und Heizungen

In den letzten Tagen habe ich gelesen, warum es den Qualitätsjournalismus braucht. Wir werden von einer Flut von Informationen überrollt, die wir gar nicht richtig verarbeiten können. Diese Informationen müssen geordnet, eingeordnet, in den richtigen Zusammenhang gebracht und kommentiert werden, damit ich damit etwas Sinnvolles anfangen kann.

Der normale Leser wie ich kann das natürlich nicht selbst. Aber zum Glück haben wir dafür die Qualitätsjournalisten.

Ein solches Beispiel von Qualitätsjournalismus las ich gleich danach. Nur ein geringer Teil der Bevölkerung befürwortet eine CO2-Steuer. Ich auch nicht, weil ich sie für wirkungslos halte. Ein Qualitätsjournalist hat mir dann erklärt, wo mein Denkfehler liegt. Durch die CO2-Steuer könnte sanfter Druck auf mich ausgeübt werden, eine sparsamere Heizung anzuschaffen.

Wir haben eine Gasheizung wie viele Menschen in Deutschland. Bei den heutigen Gasheizungen wird aber der gesamte nutzbare Energiegehalt in Wärme umgesetzt (Brennwertkessel ist das Stichwort.)

Bei dieser Heizung lässt sich also nichts mehr sparen. Natürlich könnten wir auf eine Wärmepumpe umsteigen, aber dazu muss die CO2-Steuer schon exorbitant hoch sein.

Qualitätsjournalismus allein reicht nicht, manchmal muss man auch etwas von Heizungen verstehen.

CO2-Steuer

Es gibt zwei wichtige Arten von Steuern: die Steuer auf Einkommen und die Steuer auf Verbrauch.

Die Spreizung bei den Einkommen ist in den meisten Ländern viel größer als die Spreizung beim Verbrauch.  Die Einkommensteuer trifft die Reichen mehr, die Verbrauchssteuern treffen die Armen mehr. Eine Steuer auf Lebensmittel trifft die Armen mehr, weil die Ausgaben für Lebensmittel bei ihnen relativ größer (zum Einkommen) sind.

Durch Steuern werden die Ausgaben für die Allgemeinheit finanziert.

Aber Steuern sollen auch genutzt werden, um das Verhalten bzw. den Verbrauch zu steuern.

Die Ökosteuer sollte diesen Effekt eigentlich haben. Die Vertreter schreiben jetzt, dass sie sehr erfolgreich sei. Sieht man es daran, dass der CO2-Ausstoss nicht genug gesunken ist?

Jetzt soll es die CO2-Steuer richten. Die Armen sollen die Steuer aber zurückerstattet bekommen. Für sie wird es also in der Summe nicht teurer, aber sie könnten Geld sparen.

Die Reichen trifft es auch nicht richtig, weil die Steuer so niedrig angesetzt werden soll, dass es den Reichen nichts ausmacht. So zu mindestens die Aussagen der zuständigen Ministerin.

Durch die CO2-Steuer sollen so Leute wie wir dazu gebracht werden, sich ein E-Auto und eine Wärmepumpe anzuschaffen.

Rechnen wir mal ein bisschen. Unsere Heizung stößt im Jahr 4 t CO2 aus. Die CO2-Steuer soll mit 20 Euro pro t anfangen. Andere fordern 50 Euro pro t. Auf uns kämen also Kosten von 80 bzw. 200 Euro im Jahr zu. Dies soll uns dazu bringen, eine Wärmepumpe zu installieren. Eine Wärmepumpe für unser Haus kostet ca. 10’000 Euro. Wenn ich die Wärmepumpe über einen Kredit finanziere, reicht die eingesparte CO2-Steuer nicht aus, um die Zinsen zu bezahlen. Dann muss der Staat den Kredit ohne Zinsen bereitstellen. Aber der Staat nimmt das Geld auf und zahlt dafür Zinsen, die er sich beim Steuerzahler holt.

Wie sieht es beim Auto aus? Dort stoßen wir 830 kg aus. Wie lange ich die CO2-Steuer von 16.6 bzw. 41.5 Euro beiseitelegen muss, um mir ein E-Auto leisten zu können, dies auszurechnen, erspare ich mir.

Was soll der Leser sich dabei denken?

Im Spiegel ist ein Artikel mit Klimaforschern erschienen, in dem es heißt, dass es bei den Klimamodellen in den letzten 40 Jahren praktisch keine Fortschritte gegeben hat. Die Modelle sagen nicht mal aus, ob die Alpengletscher schmelzen werden oder zunehmen werden. Das Problem ist hauptsächlich die Wolken, die man schlecht modellieren kann. Vor 40 Jahren hieß es, dass sich die Erde bei einer Verdopplung des CO2 in der Luft erwärmt und zwar um irgendwas zwischen 1.5 und 4.5°C. Auch heute weiß man es noch nicht genauer.

Gleichzeitig gibt es einen Artikel, in dem es heißt, dass in naher Zukunft (wann ist das?) folgendes droht:

«Unbewohnbar heiße Millionenstädte, großflächig überflutete Küstenregionen (in denen Hunderte Millionen Menschen leben), katastrophal lange Dürreperioden, Wasserknappheit, Ernteausfälle, riesige Wald- und Buschbrände und als Folge all dessen Abermillionen an Klimaflüchtlingen. Alles auf einmal.”

Interessant wie jemand aus einer derart ungenauen Aussage so genaue Prognosen machen kann.

Politik der hohen Schornsteine

In den 60er Jahren kam die «Politik der hohen Schornsteine» auf. Wegen der zunehmenden Luftverschmutzung erhöhte man die Schornsteine und verteilte dadurch die Schadstoffe auf eine größere Fläche. Dadurch war die Konzentration der Schadstoffe geringer und die Belastung der Bevölkerung geringer.

Die Summe der emittierten Schadstoffe blieb natürlich gleich. Dies wurde von den Umweltschützern und den GRÜNEN hart kritisiert.

Seit einigen Jahren sind Holzöfen eine große Mode. Gleichzeitig sind die Schornsteine heute sehr niedrig.

Dies führt dazu, dass die Luft in vielen Orten wieder schlechter wird.

Jetzt kam die Forderung auf, dass künftig die Schornsteine höher sein sollen, damit sich die Schadstoffe besser verteilen.

Die Forderung kam vom grünen Umweltminister aus Baden-Württemberg.

Hoffnungslos

Bei der CO2-Debatte denken die meisten Menschen an die Stromerzeugung, obwohl die nur einen Teil der Emissionen ausmacht. Deshalb ist die erste Forderung auch häufig ein Kohleausstieg.

Im Jahr 2018 produzierte Deutschland 248 TWh Strom aus thermischen Kraftwerken (hauptsächlich aus Kohle und Erdgas).

Im gleichen Jahr stieg die Stromproduktion aus thermischen Kraftwerken in China um 320 TWh.

Selbst wenn in Deutschland durch Einsatz von viel Geld ein Ausstieg aus der Kohle und dem Erdgas durchgeführt würde, würde China dies in 9 Monaten kompensieren.

Brexit überall

Mein Vater hat mir den Rat gegeben, immer an den zweiten Schritt zu denken. Der erste Schritt sei in der Regel einfach, die Probleme starten mit dem zweiten Schritt.

Wenn die Briten diesen Rat beherzigt hätten, gäbe es wohl keinen Brexit.

Der Referentenentwurf für das neue Klimagesetz läuft in die gleiche Richtung.

Es werden im Entwurf nur die CO2-Einsparungsziele benannt, wer für die Einhaltung zuständig ist und dass die Ministerien bestraft werden, wenn er die Ziele nicht erreicht.

Wie die Ziele erreicht werden sollen (der zweite Schritt), wird mit keiner Silbe erwähnt.

Man ist sich allgemein einig, dass die Ziele für 2020 (d. i. nächstes Jahr) nicht erreicht werden.

Trotzdem stehen sie im Gesetzesentwurf.

Autonomes Parken

Heute heißt es in der Zeitung, dass autonomes Fahren keinen großen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Aber man erwartet eigentlich schon, dass der Verkehr weniger wird mit dem autonomen Fahren.

Ich fahre eigentlich nie mit dem Auto nach Oldenburg, weil ich keine Lust auf Parkplatzsuche habe. Aus irgendeinem Grund habe ich auch eine Abneigung gegen Parkhäuser.

Aber wenn mein Auto selbst fährt, könnte das anders aussehen.

Nehmen wir mal an, dass ich mit dem Auto zur Universität fahre. Da ich keine Lust zur Parkplatzsuche habe, lasse ich das Auto einfach 2 Stunden immer um den Block fahren. In den 2 Stunden schafft das Auto vielleicht 50 km. Da es natürlich ein E-Auto ist, verbraucht es dafür etwa 8 kWh. Die Kilowattstunde kostet heute etwa 30 Cent. Also entstehen mir Kosten von 2,40 Euro. Das ist vielleicht billiger als das Parkhaus. Außerdem erspart es mir den Fussweg zum Parkhaus.

Auf die Frage: «Wo fahren all die Autos hin?» heißt dann die Antwort: «Die fahren nirgends hin, die Parken autonom.»

Hartgesottene im Ruhestand

«Wir müssen Wissenschaftler bestärken, sich im öffentlichen Diskurs stärker einzubringen», sagt die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Warum sollten das Wissenschaftler tun? Der öffentliche Diskurs ist ja nicht gerade von sachlicher Argumentation geprägt. Wenn der Wissenschaftler mit seinen Ein- und Ansichten das vertritt, was die Politik, die Presse und die Öffentlichkeit gerne hören wollen, dann kann das für ihn sicherlich nützlich sein. Aber was hat die Öffentlichkeit davon?

Im Physikjournal berichteten vor einiger Zeit zwei Professoren, dass man ihnen nicht mehr zuhört, wenn sie etwas vortragen, was dem Publikum nicht gefällt. Eine argumentative Auseinandersetzung findet nicht statt.

Ich habe vor kurzem einiges über den österreichischen Physiker und Philosophen Ernst Mach gelesen. Er war und ist ein hochangesehener Mann (Machsches Prinzip, Mach-Zahl, Machscher Kegel, alles nach ihm benannt), aber er lehnte die Existenz von Atomen ab. «Haben Sie eins gesehen?», pflegte er Vertreter der Atomtheorie zu fragen.

Wie würde es ihm heute ergehen? Die Presse würde ihm zum «Atomleugner» ernennen, die Bundesregierung würde vor seinen Irrlehren warnen, Forschungsmittel bekäme er keine mehr und die Presse würde sein Privatleben durchsuchen.

Das ist nur was für hartgesottene Wissenschaftler im Ruhestand.

Erkenntnis oder Ergebnis

Ich habe irgendwo gelesen, dass es erkenntnisorientierte und ergebnisorientierte Umfragen gibt.

Das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (auf so einen Namen muss man erstmal kommen; vielleicht gibt es Programme, die solche Namen kreieren) hat eine Umfrage zur Energiewende gemacht und sogar das erhoffte Ergebnis, dass 90% der Bundesbürger die Energiewende unterstützen, erhalten. Das Ergebnis wird natürlich von den Journalisten mit der entsprechenden richtigen Haltung gefeiert.

Gleichzeitig sagen aber auch 70% der Bevölkerung, dass die Energiewende teuer sei.

Was meinen die Leute damit, dass sie dafür sind, aber dass es teuer ist? Da bietet sich doch ein Nachfragen an, z.B. ab welchen Kosten man nicht mehr für die Energiewende ist. Die Universität Stuttgart hat das gemacht. Bei ihrer Umfrage waren 94% für die Energiewende, aber diese Zustimmung schmolz auf 6%, wenn die Energiewende mehr als 100 Euro im Jahr kostet.

Das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung hat aber nur gefragt, ob man moderate Preiserhöhungen akzeptiert. Was ist moderat? Die 2 Euro pro Monat, von denen J. Trittin mal sprach?

Aber warum soll man nachfragen, wenn man schon das erwünschte Ergebnis hat?

Kosten gespart?

Es wird häufig in der Presse behauptet, dass die Energiewende Kosten beim Import von Brennstoffen spart.

Im Jahre 2004 produzierten die deutschen Kernkraftwerke 158 TWh Strom. Im Jahre 2018 produzierten die Wind- und Solarkraftwerke in Deutschland 157 TWh Strom. Die verbliebenden Kernkraftwerke produzierten 72 TWh. Es ist nicht anzunehmen, dass die Produktion der Wind- und Solaranlagen in den nächsten 3 Jahren um 50% steigt. Das bedeutet, dass die Wind- und Solaranlagen nicht ausreichen, um den Ausfall der Kernenergie zu kompensieren. Vermutlich wird das Defizit durch den Import von Steinkohle und Erdgas ausgeglichen.

Die Aussage in der Presse ist also richtig, wenn man den Ausstieg aus der Kernenergie nicht als einen Teil der Energiewende betrachtet. Für die meisten gehört der Kernenergieausstieg aber zur Energiewende.

Aber man hat ja immerhin die Brennstoffkosten für die Brennstoffkosten der Kernkraftwerke eingespart. Dies sind grob geschätzt 1 Mrd. Euro pro Jahr. Um diese 1 Milliarde einzusparen, zahlen wir über 20 Milliarden für die EEG-Umlage. Nicht unbedingt ein gutes Geschäft.

Ohne den Kernenergieausstieg würden alle CO2-freien Kraftwerke (Kernenergie, Wind, Solar, Wasser und Biomasse) 70% des Stromverbrauches der öffentlichen Netze liefern.