Der Projektentwickler — das unbekannte Wesen

Die Firma Enercon ist in Schwierigkeiten und will 3000 der 18000 Angestellten entlassen. Der Markt für Windturbinen ist in Deutschland zusammengebrochen. Der Enercon-Gründer beschränkte sein Geschäft hauptsächlich auf Onshore-Windturbinen in Deutschland. Lange Jahre hatte damit Recht, denn immerhin hat das Geschäft ihm ein großes Vermögen (geschätzte 4 Mrd. Euro) eingebracht. Aber er hat wohl alle Eier in denselben Korb gelegt, wie man in Frankreich sagt. Erst jetzt in der Krise will sich die Firma mehr international engagieren.

In Frankreich ruft man in solch einer Situation nach dem Präsidenten und der beauftragt eine staatliche Firma ein paar Windturbinen zu kaufen und auf Lager zu legen.

Die Politik in Niedersachsen ist natürlich aufgeschreckt. Finanzielle Hilfen und verlängerte Kurzarbeitsregelungen sind im Gespräch.

Alle Berichte drehen sich um den Hersteller und gesetzliche Regelungen, wie den Mindestabstand von bewohnten Gebieten.

Warum ist der Markt eingebrochen? Weil kaum jemand noch Windturbinen kauft! Die Käufer der Windturbinen tauchen in den Berichten nie auf. Wer ist das eigentlich, der die Windturbinen kauft und warum kaufen sie nicht mehr?

Zwei Gründe werden genannt, warum der Markt eingebrochen ist.

Erstens weil viele Menschen gegen neue Windparks klagen.

Zweitens weil viele «Bürgerwindparks» ihre genehmigten Windparks nicht bauen. Windparks brauchen normalerweise eine Genehmigung, um sich an den Auktionen zu beteiligen. Genehmigungsunterlangen zu erstellen ist teuer. Um es auch weniger betuchten Initiativen zu gestatten, sich an den Auktionen zu beteiligen, hat man für diese «Bürgerwindparks» das Erfordernis der bereits erteilten Genehmigung fallen lassen. Es sieht so aus, als ob Windparkentwickler mit Hilfe von Strohmännern (die eigenen Angestellten) «Bürgerwindparks» gegründet haben und sich Projekte gesichert haben.

Der zweite Grund kann erklären, warum keine Windturbinen gekauft werden und warum Enercon deshalb ein Problem hat.

Damit bleibt als Grund für die geringe Anzahl der Gebote nur noch die Klagen übrig. Klagemöglichkeiten wird man in einem Rechtsstaat kaum abschaffen oder reduzieren können.

Es gäbe aber auch noch andere Gründe.

Die Betreiber der Windparks können das Geld nicht auftreiben.

Die Betreiber der Windparks verdienen nicht genug Geld mit den Windparks.

Um das zu beurteilen, müsste man mehr über die Betreiber der Windparks wissen.

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