Deckel drauf

Es gibt einen Gesetzentwurf des Bundesrates, dass der «52-GW-Deckel» für Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) aufgehoben werden soll. Dieser «Deckel» besagt, dass bei Erreichen von 52 GW installierter Leistung von PV-Anlagen Anlagen, die kleiner als 750 kW sind, nicht mehr gefördert werden.

Das betrifft dann PV-Anlagen auf Privathäusern, die in der Regel viel weniger als 750 kW Leistung haben.

Grössere Anlagen können weiterhin gebaut werden, wenn sie eine Erlaubnis in den Auktionen der Bundesnetzagentur erhalten. Was unterscheidet die kleinen Anlagen von den großen Freiflächenanlagen?

Für die großen Anlagen muss es eine Möglichkeit (= einen «Schalter») geben, damit der Netzbetreiber bei fehlendem Verbrauch die Anlagen vom Netz nehmen kann. Diese Möglichkeit gibt es bei Anlagen auf den Dächern von Privathäusern nicht und wäre zwar technisch im Prinzip machbar, aber wohl nicht ökonomisch.

Man stelle sich folgende Situation vor: Es ist ein schöner Sommertag und in Deutschland werden 80 GW Strom aus PV-Anlagen während der Mittagsstunden erwartet. Der Verbrauch liegt aber nur bei 50 GW.

Alle konventionellen Anlagen haben schwere Turbinen und Generatoren, die wie Schwungräder wirken und die Netzfrequenz stabilisieren. Diese gehen aber während des Vormittags vom Netz. Das Netz wird weniger «steif». Bei Überproduktion steigt die Frequenz an und viele alte kleine PV-Anlagen schalten sich bei 50.2 Hz ab. Da aber keine Anlagen, die auf das Abschalten reagieren können, mehr am Netz sind, kommt es zum Blackout.

Neuere PV-Anlagen reduzieren automatisch ihre Einspeisung bei steigender Frequenz. Falls dies aber nicht ausreicht, steigt die Frequenz weiter und bei 51.5 Hz gehen alle Anlagen automatisch von Netz mit der Folge eines Blackouts.

Bevor die Regelungsprobleme nicht sicher gelöst sind, erscheint mir ein Deckel bei der Installation von nicht durch den Netzbetreiber kontrollierbarer Erzeugung durch PV-Anlagen nicht die dümmste Idee.

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