Archiv der Kategorie: Wissenschaft

Hartgesottene im Ruhestand

«Wir müssen Wissenschaftler bestärken, sich im öffentlichen Diskurs stärker einzubringen», sagt die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Warum sollten das Wissenschaftler tun? Der öffentliche Diskurs ist ja nicht gerade von sachlicher Argumentation geprägt. Wenn der Wissenschaftler mit seinen Ein- und Ansichten das vertritt, was die Politik, die Presse und die Öffentlichkeit gerne hören wollen, dann kann das für ihn sicherlich nützlich sein. Aber was hat die Öffentlichkeit davon?

Im Physikjournal berichteten vor einiger Zeit zwei Professoren, dass man ihnen nicht mehr zuhört, wenn sie etwas vortragen, was dem Publikum nicht gefällt. Eine argumentative Auseinandersetzung findet nicht statt.

Ich habe vor kurzem einiges über den österreichischen Physiker und Philosophen Ernst Mach gelesen. Er war und ist ein hochangesehener Mann (Machsches Prinzip, Mach-Zahl, Machscher Kegel, alles nach ihm benannt), aber er lehnte die Existenz von Atomen ab. «Haben Sie eins gesehen?», pflegte er Vertreter der Atomtheorie zu fragen.

Wie würde es ihm heute ergehen? Die Presse würde ihm zum «Atomleugner» ernennen, die Bundesregierung würde vor seinen Irrlehren warnen, Forschungsmittel bekäme er keine mehr und die Presse würde sein Privatleben durchsuchen.

Das ist nur was für hartgesottene Wissenschaftler im Ruhestand.

Vorzeitig gestorben! Aber wie lange?

In der Presse liest man fast täglich von vorzeitigen Todesfällen durch Luftverschmutzung. Woher weiß man aber, ob jemand vorzeitig gestorben ist? Vor allem würde mich interessieren, um wieviel die Menschen vorzeitig gestorben sind.

Man vergleicht die durchschnittliche Lebensdauer von Personengruppen und rechnet dann auf die Anzahl vorzeitiger Todesfälle um.

Es wird aber verschwiegen, dass die Umrechnung sehr problematisch ist. Man weiß nicht, ob sie richtig ist. Auf der Seite «unstatistik.de» wird das kritisiert.

Ein Beispiel: es gibt drei Zwillingspärchen Au, Ab, Bu, Bb, Cu und Cb. Die mit dem zweiten Buschstaben «u» leben in einer unbelasteten Gegend, die mit dem «b» in einer belasteten Gegend. Sie erreichen folgendes Lebensalter: Au 79, Ab 78, Bu 80, Bb 79, Cu 81 und Cb 80 Jahre. Die Menschen in der belasteten Gegend leben im Schnitt 1 Jahr weniger. Daraus werden 3 vorzeitige Todesfälle errechnet.

Bei einer anderen Messung ergibt sich für drei Zwillingspärchen: Au, Ab, Bu Bb werden 79 Jahre alt, Cu 81 und Cb 78 Jahre. Im Durchschnitt leben die belasteten 1 Jahr weniger und es werden ebenfalls 3 vorzeitige Todesfälle berechnet. In Wirklichkeit ist aber nur eine Person vorzeitig gestorben.

Wie man sieht ist die Berechnung durchschnittlicher Verkürzung der Lebenszeit sinnvoll, aber daraus die Anzahl vorzeitiger Todesfälle zu berechnen, doch sehr zweifelhalft.

Post oder Cholera?

Gestern sah ich (im Fernsehen) zwei Forscherinnen, die in den französischen Alpen Insekten fingen. Nach ihrer Aussage nimmt die Anzahl der Insekten dort nicht ab. In Deutschland hat man in der Krefelder Insektenstudie das Gegenteil festgestellt.

Die Krefelder Insektenstudie hat aber keine Einflussfaktoren auf die Abnahme der Insekten finden können.

Es fällt auf, dass etwa 2003-2004 das Insektensterben sich beschleunigt hat. Üblicherweise ist der erste Verdächtige das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Der Gebrauch von Glyphosat ist aber zu diesem Zeitpunkt nicht angestiegen.

Es fällt aber auf, dass das Insektensterben parallel mit dem Ausbau der Windenergieanlagen verläuft. Um festzustellen, ob da überhaupt ein Zusammenhang sein kann, sollte man zuerst eine grobe Abschätzung der Mengen machen.

Dankeswerterweise hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Literaturstudie durchgeführt (www.dlr.de/tt/fluginsekten).

Es ist bekannt, dass tote Insekten auf den Rotorblättern zu bis zu 50% Leistungseinbuße führen können. Man war bisher der Meinung, dass Insekten nur bis 30 m fliegen und das auch nur wenn kein Wind weht.

Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Insekten, wenn sie sich neue Brutplätze suchen, sehr hoch fliegen können und starke Winde bevorzugen. In der Studie wird eine konservative Abschätzung über die Menge der getöteten Insekten gemacht. Das Ergebnis ist 1200 t pro Jahr. Dies könnte einen signifikanten Einfluss auf die Insektenpopulation haben.

So eine Studie kann eigentlich nur der Anfang sein. Man müsste sich die Sache doch detaillierter ansehen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit lehnt aber eine Förderung weiterer Forschung ab.

Nur mal als Gedankenspiel: es stellt sich heraus, dass die Windenergieanlagen für das Insektensterben verantwortlich sind. Wir haben also die Wahl zwischen Zusammenbruch das Ökosystems (Insektensterben) oder Aussterben der Menschheit (Klimawandel). Früher sagte man, Pest oder Cholera.

Da ja üblicherweise auf das überlegene deutsche Vorsorgeprinzip verwiesen wird, müssten wir eigentlich alle Windenergieanlagen abschalten, bis wissenschaftlicher Konsens herrscht, dass es nicht an den Windturbinen liegt. Das kann aber dauern.

Vielleicht hat das Ministerium doch recht, dass man da nicht forschen muss, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Expert(is)en

In der Frankfurter Rundschau wird zur Stromversorgung immer gerne die «Energieexpertin» Prof. Claudia Kemfert interviewt. Ich kenne kaum eine Person in dem Expertenkreis, der so wenig von der Stromversorgung versteht wie Frau Kemfert.

Sie fordert eine Emissionsobergrenze für CO2, damit die Energieversorger bevorzugt neue effiziente Kohlekraftwerke laufen lassen und nicht die alten mit schlechtem Wirkungsgrad. Frau Kemfert unterstellt also den Energieversorgern, dass sie so blöd sind, dass sie nicht merken, dass man mit neuen Kraftwerken den Strom billiger erzeugen können als mit alten. Da fragt man sich doch, warum viele alte Kohlekraftwerke abgeschaltet wurden und Milliarden Euro in den Bau von effizienteren Kraftwerken investiert worden sind.

Als nächstes behauptet sie, dass erneuerbare Energien sich gegenseitig ergänzen und damit keine Gefahr von Blackouts besteht. Da die Sonne ja bekanntlich nachts nicht scheint, gibt es also nachts keine Windstille. Der andere Experte A. Hofreiter hatte kürzlich behauptet, dass das sogar wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Ich würde beiden Experten nicht empfehlen früher aufzustehen, sondern mal lieber später ins Bett zu gehen und stattdessen im Sommer einen Nachtspaziergang zu machen. Vielleicht geht ihnen dann im Dunkeln ein Licht auf.

Ökonomisches Nullsummenspiel?

Wir sind alle durch unsere Ausbildung und berufliche Tätigkeit in unserem Denken geprägt. Man nennt das auch «deformation professionelle». Ich bin einmal durch einen Kollegen darauf hingewiesen worden, dass ich Zusammenhänge überprüfe, in dem ich das Verhalten unter Extrembedingungen betrachte.

Das ist typisch für Physiker. Ich lese gerade ein Buch über Kosmologie, in dem der Autor behauptet, dass die allgemeine Relativitätstheorie nicht das Ende vom Lied sein kann, weil es beim «Urknall» zu einer Singularität führt, d.h. es wird etwas unendlich groß, was nicht sein kann.

Manche Menschen glauben, dass es Reiche gibt, weil es Arme gibt und zitieren zum Beweis Bertold Brecht. Wenn Reichtum entsteht, weil gleichzeitig Armut entsteht, dann bedeutet das, dass die Summe aus dem Reichtum und der Armut immer konstant ist.

Jetzt kommt die deformation professionelle. Das Extrem ist die Jungsteinzeit. Nach obiger Theorie besitzen Arme und Reiche heute zusammen genauso viel wie die Armen und Reichen in der Jungsteinzeit. Offensichtlich ist das absurd. Irgendetwas kann an der Theorie also nicht stimmen.

Was kostet der Deich?

Ich habe im Internet eine Aufzeichnung von der letzten Klimakonferenz in Kattowice gefunden.

Ein englischer Forscher hat die Ergebnisse seiner Studien präsentiert. Es ging unter anderem darum, welcher Effekte ein Wirbelsturm in Bangladesh hat unter der Berücksichtigung des Meeresspiegelanstiegs. Es wurde gezeigt, dass es immer schlimmer wird, wenn der Meeresspiegel steigt. Das ist natürlich zu erwarten, aber interessant waren natürlich die Zahlen, wie viel Land und wie viele Menschen es betrifft.

Ein Punkt wird aber nie erwähnt. Welchen Effekt hätte der Bau eines Deiches? Wie viel würde ein solcher Deich kosten und wie lange würde es dauern ihn zu bauen. Irgendwo habe ich von Baukosten von 4 Mrd. Euro gelesen.

Schema F

Wenn man die Literatur der Anthropologen und Rassentheoretiker liest, so trifft man immer wieder auf die gleiche Argumentation. Die vermessenen Schädel lassen keine Rückschlüsse auf die Rasse zu, weil die Daten zu sehr schwanken. Dies führt aber nicht dazu, dass die Rassentheoretiker annehmen, dass ihre Theorie falsch ist. Man ist sich sicher, dass die Theorie richtig ist und man müsse einfach mehr Schädel vermessen, dann würde sich schon zeigen, dass die Theorie bestätigt würde.
Ich las vor kurzem einen Artikel eines Professors der Pädagogik zur Frage, ob Intelligenz vererbbar sei.
Er hält den Einfluss der Gene für gering. Vollkommen anders sehen das die Genetiker. Sie geben zwar zu, dass ihre Experimente noch nicht belegen können, dass Intelligenz vererbbar ist, aber das liege nur daran, dass man noch nicht genug Daten habe.
Man erkennt das Schema. Woran liegt das? Ist es ein Problem der Genetiker, denn Rassentheoretiker waren auch Genetiker oder ist es ein generelles Problem, dass Theorien nicht widerlegt werden, sondern verschwinden, weil ihre Vertreter aussterben?

Ungeeignet

Ich habe in der letzten Zeit wieder etwas Wissenschaftstheorie gelesen. Hauptsächlich Ludwik Fleck und Imre Lakatos. Ich frage mich, ob die überhaupt jemand kennt in Deutschland.
Er sollte eigentlich allgemein bekannt sein, dass man physikalische Theorien nicht beweisen kann. Journalisten scheint das nicht bekannt zu sein oder sie sind der Meinung, dass man dem Publikum (Naturwissenschaftprekariat sagt J. Kachelmann) solche schwierigen Dinge besser verschweigt.
Aber zu dem eigentlichen Gedanken, der mir beim Lesen gekommen ist.
Ich glaube, dass das menschliche Gehirn fantastisch gut geeignet ist, dass der Mensch mit der wandelnden Umwelt zurecht kommt. Daher auch mein Optimismus, was die Zukunft der Menschheit betrifft. Es war sicherlich in der Evolution ein Vorteil.
Vielleicht ist unser Gehirn aber garnicht geeignet, die Welt zu verstehen. Ein Gehirn, das die Welt versteht, war in der Evolution nicht von Nutzen, vielleicht sogar Ballast.