Archiv der Kategorie: Wissenschaft

Enttäuschend

Auf SPON erschien gerade ein Gastbeitrag von Stefan Rahmstorf mit dem verheissungsvollen Titel: «Die Menschheit verliert die Kontrolle über den Zustand der Erde».

Ob die Menschheit jemals die Kontrolle über den Zustand der Erde hatte oder ob das nur eine Idee von Leuten wie Napoleon oder Hitler war, lassen wir mal beiseite.

Er beginnt damit, dass die Klimaforscher schon seit 50 Jahren warnen. In meiner alten Firma nannte man das einen «cover my ass letter». Leute, die immer gleich rufen, dass sie schon immer dagegen waren und daher keine Verantwortung tragen, sind nutzlos, weil sie nichts zur Lösung des Problems beitragen.

Es folgt kein einziger Vorschlag zur Lösung des Problems. Dass man kein CO2 mehr emittieren soll, ist ein Ziel aber kein Lösungsvorschlag.

Dann versucht er noch ein bisschen Angst zu machen mit einem Anstieg des Meeresspiegels um 3 m, wenn die Antarktis abschmilzt. Damit aber keiner in 20 Jahren sagen, dass er sich geirrt hat, veranschlagt er 1000 oder auch 2000 Jahre für den Abschmelzprozess.

Wenn das Meer 1000 Jahre braucht, um 3m zu steigen, dann müssen wir die Deiche jedes Jahr um 3mm (Millimeter!) oder alle 100 Jahre um 30 cm erhöhen. Das kriegen die Friesen hin, keine Sorge. Falls nicht werde ich unser Haus (4m über dem Meeresspiegel) im Jahr 3019 verkaufen, bevor die Preise fallen.

Ich frage mich, wie wir den Meeresspiegel konstant gehalten haben, als wir noch Kontrolle über den Zustand der Erde hatten.

Herr Rahmstorf ist gerade auf einer Konferenz in Sidney. Ob er da hingesegelt ist?

…, zweitens als man denkt.

Beim Aufräumen der Festplatte habe ich eine interessante Veröffentlichung von Jochem Marotzke wiedergefunden mit dem Titel «Quantifying the irreducible uncertainty in near-term climate projections».

Es geht um ein Gedankenexperiment. Er versetzt sich in das Jahr 2035 und schaut zurück auf die Entwicklung des Klimas.  Er nimmt an, dass ab 2020 alle Staaten ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen erfüllen und ihre CO2-Emissionen reduziert haben. Kann man dann diese Reduktion z. B. in der Temperaturentwicklung durch einen abnehmenden Gradienten sehen? Seine Schlussfolgerung ist:

“Even if greenhouse-gas emissions begin to decline after year 2020, the probability is substantial that the response of iconic climate quantities to this decline will not have emerged by year 2035. According to the model used here, GMST [Global Mean Surface Temperature] will rise at a faster rate with a probability of as much as one-third.”

Mit 33%iger Wahrscheinlichkeit wird also der Temperaturgradient stärker werden und nicht abnehmen trotz der Emissionsreduktionen.

Der tiefere Grund ist, dass der Temperaturanstieg durch das CO2 überlagert wird durch andere Effekte, die sich chaotisch oder quasi-chaotisch verhalten.

Er sieht in diesem Fall ein großes Kommunikationsproblem kommen.

Der Samen für dieses Problem wird wohl bereits heute gelegt, weil in der Öffentlichkeit immer der Eindruck erweckt wird, dass es keine Unsicherheiten in den Klimaprognosen gibt.

Spezialist für „Kann das funktionieren?“

In der letzten Woche hörte ich eine Antrittsvorlesung zum Thema «Wem gehört die Natur?».

Als Konsequenz der Überlegungen folgten Forderungen zur Nachhaltigkeit. Wenn irgendwo etwas versiegelt wird, muss wo anders etwas entsiegelt werden, hiess es. Da gingen bei mir die roten Lichter an.

Warum? Ich habe fast 20 Jahre lang Spezifikationen daraufhin durchgelesen, ob sie Probleme bei der Ausführung machen. Wenn eine derartige Nachhaltigkeitsforderung gefordert wird, wie lässt sie sich dann umsetzen, frage ich mich sofort. Wenn ich ein Gebäude errichte, verlangt die Feuerwehr eine Straße, die eventuell um das ganze Gebäude herumgehen muss. Muss ich dann woanders Straße entfernen?

In einer anderen Vorlesung hieß es, dass die Wirtschaft demokratisiert werden muss. Sofort denke ich, wie soll das aussehen?

Es zeigt sich hier, dass ich durch meine Arbeit einen eigenen Denkstil entwickelt habe, der mein ganzes Denken durchzieht. Das es so etwas gibt, hat schon Ludwik Fleck erkannt.

Haben Sie Zweifel? Zweifellos!

Angeregt durch einen Artikel in der Regionalpresse: Darf man alles anzweifeln?

Darf man die Relativitätstheorie anzweifeln? Ja, das darf man.

Muss man dabei einen Gegenvorschlag präsentieren? Nein, muss man nicht.

Muss man gute Gründe haben, die Relativitätstheorie anzuzweifeln? Nein, muss man nicht.

Darf man erwarten ernst genommen zu werden, wenn man die Relativitätstheorie ohne gute Gründe anzweifelt? Nein, das darf man nicht erwarten.

Darf man erwarten ernst genommen zu werden, wenn man behauptet, dass die Relativitätstheorie wahr ist? Nein, das darf man nicht erwarten.

Die Wahrheit? Ach, wie langweilig

Mein Argument ist, dass es in der Naturwissenschaft speziell in der Physik nicht um Wahrheit geht. In der Physik wird versucht, Gesetzmässigkeiten zu finden, die die beobachteten Phänomene beschreiben und es uns möglich macht, Voraussagen zu machen. Aber es lässt sich nicht beweisen, dass diese Gesetze wahr sind. Bertrand Russel hat das Problem mit der Geschichte vom Truthahn verdeutlicht.

Einschub: der schlaue Truthahn.

Es war einmal ein schlauer Truthahn, der festgestellte hatte, dass er jeden Morgen etwas zum Fressen bekam. Er leitete daraus ein Naturgesetz ab und machte die Voraussage, dass er für ewige Zeiten morgens etwas zum Fressen bekomme. Aber dann kam Weihnachten.

Wir können also nicht sagen, dass eine gewisse Aussage der Physik wahr ist.

Gegenargument: Die Aussage, dass die Erde eine Kugel (angenähert) und keine Scheibe ist, ist eine wahre, physikalische Aussage.

Dieses Argument besteht aus drei Teilen:

  1. Die Erde ist eine Kugel und keine Scheibe.
  2. Dies ist eine Aussage der Physik.
  3. Diese Aussage ist wahr.

Die Teil 1 und 3 lassen sich wohl kaum bestreiten, aber was ist mit dem Teil 2?

Ich bin der Meinung, dass die Aussage «Die Erde ist eine Kugel und keine Scheibe.» nichts mit Physik zu tun hat.

Begründung: Wenn die Erde eine Scheibe wäre, müsste kein Jota in den Lehrbüchern der Physik geändert werden, weil die Gesetze der Physik noch immer die gleichen wären. Wenn sich aber herausstellen sollte, dass die Entropie in einem geschlossenen System abnehmen kann (2. Hauptsatz der Thermodynamik ist falsch), dann muss fast alles neu geschrieben werden. Der 2. Hauptsatz ist also eine physikalische Aussage, aber unser Beispiel nicht.

Warum ist das wichtig?

Weil sich Menschen manchmal auf die Wissenschaft berufen und behaupten, dass die Aussagen der Naturwissenschaftler wahr sind. Damit machen sie ihre Ansichten natürlich unanfechtbar. Dahinter steckt nicht unbedingt schlechter Wille.

Die Rassenhygieniker, die Stalinisten und Maoisten beriefen sind alle darauf, dass ihre Handlungen richtig sind, weil sie auf wahren Erkenntnissen der Naturwissenschaften berufen.

Eine Naturwissenschaft, die die Wahrheit erkennt, ist auf dem Wege sich überflüssig zu machen.

Ein Denkfehler ist es, wenn man meint, es verhielte sich mit falschen Aussagen entsprechend. Die Welt ist in diesem Fall nicht symmetrisch. Es lässt sich (fast?) immer zeigen, dass eine falsche physikalische Aussage falsch ist.

Im übrigen stelle ich mir eine Welt, in der der Mensch im Besitz der Wahrheit wäre, extrem langweilig vor. Nichts meht zu diskutieren.

Dürfen die das denn?

Die Demonstranten am Tagebau und vor der Konzernzentrale von RWE fordern den sofortigen Ausstieg aus der Kohleverbrennung.

Im Prinzip könnte man bei RWE in den Kraftwerken einfach auf den Knopf drücken und die Kraftwerke abschalten und manche Mitarbeiter bei RWE würden das gerne auch mal tun. Aber darf RWE das überhaupt?

Gemäss Energiewirtschaftsgesetz müsste RWE das Abschalten mindestens 12 Monate vorher bei der Bundesnetzagentur anmelden. Da aber ohne die Kohlekraftwerke die Versorgungssicherheit gefährdet ist, wird die Bundesnetzagentur dies nicht erlauben.

Die Demonstranten fordern also RWE zu Gesetzesverstössen auf.

Sie halten das für gerechtfertigt, weil sie glauben, dass die Existenz der Menschheit durch die Kohlekraftwerke gefährdet ist. Das behauptet aber kein seriöser Wissenschaftler.

Glauben darf man, Kraftwerke abschalten aber nur mit Genehmigung.

Prof. Dr. Stefan Rahmstorf und ich…

Ich bin durch einen Link auf das Blog von Deutschland bekanntesten Klimaforscher Prof. Dr. Stefan Rahmstorf gestossen. Die Diskussionen über den Klimawandel, die er dort führt, ermüden mich zu schnell. Aber ich bin auf eine interessante Anmmerkung gestossen. Prof. Dr. Rahmstorf hat manchmal die Schule geschwänzt. Das habe ich nicht gemacht, weil meine Eltern bereits genug Sorgen hatten.

Aber er hat trotzdem ein Einser-Diplom in Physik gemacht. Das haben wir etwas gemeinsam. Ich habe auch ein Einser-Diplom in Physik. (siehe unten der Beweis)

Warum ich das noch nie erwähnt habe? Weil ca. 88% alle Physiker in Deutschland ein Einser-Diplom haben.

Warum Herr Prof. Dr. Rahmstorf das nicht erwähnt, weiß ich nicht.

Mit 20 Euro die Menschheit retten

Manchmal denke ich, dass die Welt doch verdammt kompliziert ist. Aber dann liest man in der Zeitung, wie simpel die Dinge doch manchmal sind.

Zur Rettung der Welt soll die CO2-Steuer dienen. Die Steuer soll den Verbrauch steuern (kommt das Wort Steuer von steuern?). Jetzt gibt es eine Studie, dass der ärmere Teil der Bevölkerung von der Steuer profitiert. Das habe ich nicht erwartet, da der ärmere Teil meistens in den schlechter isolierten Häusern wohnt.

Es werden nur die Reichen belastet und zwar im Durchschnitt mit 20 Euro im Monat. Nicht zu früh gefreut, denn im Jahr 2030 (in 11 Jahren) kann es auf 40 Euro im Monat ansteigen.

Da werden die Reichen aber aufstöhnen und dann sofort ihr Haus isolieren, für 20’000 Euro eine Wärmepumpe anschaffen und nur noch mit dem Bus fahren.

Was man doch mit 20 Euro im Monat alles erreichen kann.

Der letzte macht das Licht aus.

Die Akademie der Wissenschaften hat bereits 2017 eine wenig beachtete Studie zur Energieversorgung mit erneuerbaren Energien bis 2050 vorgelegt. Danach brauchen wir auch bei 100% erneuerbaren Energien noch Reservekraftwerke von 100’000 MW. Dies sollen alles Gaskraftwerke sein. Wir haben zurzeit etwa 28’000 MW an Gaskraftwerken. Davon stammen aber viele noch aus den 70er Jahren. Nimmt man mal optimistisch an, dass 20’000 MW auch in der Zukunft brauchbar sind, dann müssen noch 80’000 MW in den nächsten 30 Jahren hinzugebaut werden.

Siemens könnte sicherlich ohne grosse Probleme Aufträge für 60’000 MW bekommen. Das wären dann 2000 MW pro Jahr bzw. 4 Kraftwerksblöcke pro Jahr. Damit wäre das Kraftwerksgeschäft von Siemens gut ausgelastet. Hinzu käme ja auch noch hier und da ein Kraftwerk im Rest der Welt.

Wenn man das deutsche Modell auf den Rest der Welt übertragen würde, würden gigantische Mengen an Reservekraftwerken auf Gasturbinenbasis nötig.

Bei Siemens scheint man weder an das eine noch an das andere zu glauben und möchte das Kraftwerksgeschäft loswerden.

Interessanterweise soll das Windturbinengeschäft an das abzuspaltende Kraftwerksgeschäft abgegeben werden. Auch hier scheint Siemens keine Zukunft zu sehen.

Es könnte natürlich auch so sein, dass bei Siemens die Zukunft immer im nächsten Quartal ist.

Ich habe in meinem Berufsleben immer versucht, Siemens Aufträge im Kraftwerksgeschäft wegzunehmen, aber das haben die Kollegen nicht verdient.

Hartgesottene im Ruhestand

«Wir müssen Wissenschaftler bestärken, sich im öffentlichen Diskurs stärker einzubringen», sagt die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Warum sollten das Wissenschaftler tun? Der öffentliche Diskurs ist ja nicht gerade von sachlicher Argumentation geprägt. Wenn der Wissenschaftler mit seinen Ein- und Ansichten das vertritt, was die Politik, die Presse und die Öffentlichkeit gerne hören wollen, dann kann das für ihn sicherlich nützlich sein. Aber was hat die Öffentlichkeit davon?

Im Physikjournal berichteten vor einiger Zeit zwei Professoren, dass man ihnen nicht mehr zuhört, wenn sie etwas vortragen, was dem Publikum nicht gefällt. Eine argumentative Auseinandersetzung findet nicht statt.

Ich habe vor kurzem einiges über den österreichischen Physiker und Philosophen Ernst Mach gelesen. Er war und ist ein hochangesehener Mann (Machsches Prinzip, Mach-Zahl, Machscher Kegel, alles nach ihm benannt), aber er lehnte die Existenz von Atomen ab. «Haben Sie eins gesehen?», pflegte er Vertreter der Atomtheorie zu fragen.

Wie würde es ihm heute ergehen? Die Presse würde ihm zum «Atomleugner» ernennen, die Bundesregierung würde vor seinen Irrlehren warnen, Forschungsmittel bekäme er keine mehr und die Presse würde sein Privatleben durchsuchen.

Das ist nur was für hartgesottene Wissenschaftler im Ruhestand.