Archiv der Kategorie: Qualitätsjournalismus

Oder ist es doch die Regierung?

Es heißt jetzt vielfach, dass die Politik der Bundesregierung an der Krise der Windkraft schuld sei. Seit 2017 erhält nicht mehr jeder automatisch eine garantierte Vergütung für 20 Jahre. Es werden Leistungen ausgeschrieben und wer am wenigsten bietet, erhält die gebotene Vergütung für 20 Jahre.

Im folgenden Diagramm ist die bei den Auktionen gebotene Leistung dargestellt:

Bereits nach kurzer Zeit brach die gebotene Menge ein. Es haben sich während dieser Zeit weder die Klagen erhöht, noch sind die Genehmigungsverfahren kompizierter geworden oder haben sich die Abstandsregeln geändert.

Es bleiben nicht mehr viele Gründe übrig. Es könnten die Flächen knapp geworden sein.

Von einem Manager war zu hören, dass sich die Windenergie bei den Preisen, die bei der Auktion erzielt werden, nicht mehr lohnt. Bei den letzten Ausschreibung lag der Vergabepreis bei 6.2 ct/kWh. An der Strombörse liegt der Preis für konventioneller Strom bei ca. 4 ct/kWh.

Ein Grund könnte auch einfach Sättigung sein. Die Projektbetreiber haben in den letzten Jahren so gut verdient, dass sie sich die Mühe für neue Anlagen nicht mehr machen wollen. Andererseits, wer gibt ein gut gehendes Geschäft auf?

Vor der Markliberalisierung gab es ein paar Große, die den Markt bestimmt haben. Die hätte man einfach fragen können.

Schuldige gefunden!

Die Windkraftbranche in Deutschland ist in der Krise und dafür brauchen wir jetzt natürlich einen Schuldigen oder besser gleich mehrere.

Der mMn fachlich zwar kaum qualifizierte, aber dafür umso engagiertere Journalist Ch. St. hat auf SPON die Schuldigen gefunden. Es sind die Bürger und ihre Initiativen, die gegen die Windkraftanlagen klagen. Sie verbauen dem Rest der Gesellschaft die Zukunft.

Interessant wäre der Artikel, wenn er mit Daten unterlegt wäre. Ist er aber nicht.

In diesem Jahr wurden 3175 MW Windenergie an Land ausgeschrieben, aber nur 1338 MW vergeben. Es fehlen daher 1837 MW.

Die Fachagentur Windenergie an Land hat eine Umfrage in der Branche zu den beklagten Anlagen gemacht. 1011 MW stecken im Klageweg fest, aber 302 MW sind davon schon installiert. Es wurden also 709 MW nicht geboten, weil sie beklagt werden. Diese beklagten 709 MW können aber nicht erklären, warum 1837 MW fehlen.

Der zweite Schuldige ist Minister Altmeier wegen der neuen Abstandsregeln. Aber die Krise begann bereits letztes Jahr und die Regeln sind noch gar nicht in Kraft. Ursache und Wirkung sind zeitlich immer in der gleichen Reihenfolge. Es gibt keine Wirkung vor der Ursache.

In der Umfrage wurde auch nach anderen Hemmnissen gefragt. 3600 MW können nicht gebaut werden wegen Einsprüchen der Bundeswehr und 4800 MW wegen der Drehfunkfeuer der Luftsicherungsanlagen. Von 9400 MW blockierter Anlagen entfallen also nur 7.5% auf Anlagen, die von Bürgern beklagt werden. Aber beim Schuldigen kommt es wohl nicht auf seinen Anteil an der Schuld an. Hauptsache, man hat einen Schuldigen.

Erbärmliche Logik

Ich schaue seit Jahren keine politischen Magazine mehr im Fernsehen. Heute habe ich nicht schnell genug abgeschaltet und einen Bericht im Magazin Kontraste gesehen. Es ging um die eventuell bedrohte Meinungsfreiheit an den deutschen Universitäten. Am Beginn wurden tumultartige Szenen bei der Verhinderung der Vorlesung von Prof. Lucke an die Universität Hamburg gezeigt. Um dann zu belegen, dass die Meinungsfreiheit nicht bedroht ist, werden drei Professoren beschrieben, die ich unter Spinner einordnen würde. Soviel zur bedrohten Meinungsfreiheit heißt es im Abspann.

Was wollen uns die Journalisten damit sagen? Solange noch ein Spinner seinen Unsinn verbreiten kann, ist die Meinungsfreiheit nicht gefährdet?

Die Meinungsfreiheit aller ist nicht gefährdet, aber es wird manchmal versucht, die Meinungsfreiheit einzelner einzuschränken.

Prof. H.-W. Sinn wurde von der Universitätsgesellschaft zu einem Vortrag eingeladen. Hunderte von Studenten und Mitarbeitern der Universität haben die Universitätsleitung aufgefordert, ihn wieder auszuladen mit der Begründung, dass seine Ansichten nichts an dieser Universität zu suchen hätten.

Die Uni-Leitung hat ihn nicht ausgeladen und ein zusätzlicher Vortrag mit Diskussion fand ungestört statt.

Dr. Sabine Hossenfelder ist eine Physikerin, die die heutige Physik stark kritisiert. Nach ihrer Meinung hat die Grundlagenphysik in den letzten 50 Jahren keine Fortschritte gemacht. Insbesondere hält sie die Investition in einen neuen Teilchenbeschleuniger für rausgewordenes Geld. Sobald sie irgendwo zu einem Vortrag eingeladen wird, beginnt die Unterschriftensammlung, um sie wieder auszuladen. Kürzlich wurde ein Mitarbeiter aufgefordert, sie zu verprügeln.

Universitäten haben ein strukturelles Problem: die Kooptation (Wahl von Mitgliedern durch die übrigen Mitglieder einer Gemeinschaft). Wenn ein neuer Professor gewählt wird, dann wird er von den bereits anwesenden Professoren gewählt. Damit besteht die Gefahr, dass nur neue Professoren einen Lehrstuhl erhalten, die in etwa den gleichen Standpunkt vertreten wie die anderen Lehrstuhlinhaber. Dieses Problem gab es auch in der Sowjetunion. Wer anderer Ansicht war, schaffte es nicht weit in der Partei. Aber auch in Vorständen von Firmen gibt es dieses Problem. Es ist eben sehr menschlich, dass man lieber mit Menschen zusammenarbeitet, die in etwa der gleichen Meinung sind. Wer möchte schon dauernd in Frage gestellt werden?

Zurück zu den Journalisten. Es gibt einen bösen, diffamierenden, unfairen Satz über Journalisten:

«Ach, sie sind Journalist. Und als was sind sie gescheitert?» Sowie es unter den tausenden Professoren drei Spinner gibt, gibt es auch unter den Journalisten einige auf die der Witz zutrifft.

Der gute Zweck heiligt allen Unsinn.

Vor kurzem haben zwei amerikanische Wissenschaftler aus Princeton eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass u. a. große Teile der norddeutschen Küste 2050 häufig unter Wasser stehen werden.

Jetzt haben sich Verantwortliche für den Küstenschutz in der Regionalpresse zu Wort gemeldet. Die Daten der Studie sind schlecht. Sebst 20m hohe Dünen sollen angeblich durch den Anstieg des Meeresspielgels um weniger als 1 m überspült werden. Dass wir an der Nordseeküste seit mehr als 1000 Jahren Deiche bauen, wurde in der Studie auch nicht berücksichtigt.

Erstaunt bin ich über eine Stellungnahme, dass solche Studien trotzdem gut sind, weil sie vor dem Klimawandel warnen. Wenn es also einem guten Zweck dient, darf man auch den größten Unsinn schreiben. Ich befürchte aber, dass der Schuss nach hinten losgeht. Wer einmal die Unwahrheit sagt, …

Moderne rückwärts?

Auf Zeit online findet man heute einen interessanten Artikel des Soziologen Armin Nassehi (https://www.zeit.de/2019/44/klimakrise-bekaempfung-moderne-gesellschaft-armin-nassehi) 1.

Im Folgenden ein kurzes Zitat:

Modernität bedeutet letztlich so etwas wie das, was man im politischen Bereich Gewaltenteilung nennt. Es ist ein evolutionärer Prozess, dessen Gesamtrichtung dahin geht, dass es Instanzen, die alles zusammenführen und in einem Prinzip aufheben, nicht mehr geben kann. Alles ist auf Wechselseitigkeit angewiesen und erfährt an sich selbst, dass sich das Gesamtsystem nicht allein ökonomisch, nicht allein rechtlich, nicht allein wissenschaftlich, nicht einmal allein religiös bestimmen, führen, verändern, gestalten lässt.»

Damit begründet er, dass die Forderung, dass alles sofort geändert werden müsse, (um den Klimawandel zu verhindern) in einer modernen Gesellschaft nicht realisierbar sei.

Für mich bedeutet das, dass die Forderung nach dem „alles und zwar sofort“ nur erfüllbar ist durch die Rückabwicklung der Moderne.

Ich empfinde es als fahrlässig, wenn Wissenschaftler jungen Menschen den Eindruck vermitteln, dass dies in einer modernen Demokratie möglich ist. Wenn die jungen Menschen irgendwann (wahrscheinlich sehr bald) merken, dass dies nicht geht, was wird ihre Schlussfolgerung sein?

In einigen Befragungen, die im Fernsehen zu sehen waren, äußerten sich junge Demonstranten bereits negativ über die Demokratie.

1 Kaum hatte ich den Artikel gelesen, verschwand er hinter der Bezahlschranke.

Das zunehmende Nichtsein…

Ich bin Gasthörer in Philosophie. In der letzten Woche haben wir für die ersten drei Sätze aus David Humes «Traktat über die menschliche Natur» 90 Minuten gebraucht. Man lernt wirklich Sätze sehr genau zu lesen.

Heute lese ich im Spiegel etwas von «zunehmenden Überflutungen unserer Städte». Grund für die zunehmenden Überflutungen ist der kommende Klimawandel.

Wenn etwas zunehmen soll, muss es zuerst existieren. Etwas das nicht existiert, kann nicht zunehmen.

Werden unsere Küstenstädte denn bereits regelmässig vom Meerwasser überflutet? Mir ist das nicht bekannt. Manchmal gibt es schwere Gewitter mit Starkregen, so dass das Wasser erstmal auf der Straße stehen bleibt. Aber das gab es auch zu meiner Jugend schon.

Dramatisch, dramatischer, Klimawandel

Bis vor kurzem konnte man auf SPON Artikel zum Klimawandel vom Diplom-Geologen Axel Bojanowsky lesen. Jetzt schreibt die Artikel eine promovierte Historikerin.

Heute war es mal wieder sehr dramatisch.

Zitat:» Der Meeresspiegel steigt noch schneller, die Eismassen schmelzen dramatisch ab»

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/sonderbericht-des-weltklimarats-land-unter-a-1288496.html

Dazu das Bild eines Jungen, der bis zum Hals im Wasser steht.

Das dramatische Ansteigen des Meeresspiegels kann man z. B. hier sehen.

Im Artikel wird erwähnt, um wie viel das Eis in der Antarktis jedes Jahr abnimmt (3mal der Bodensee).

Es wird nicht erwähnt, wie viel Eis es in der Antarktis gibt.

Laut Wikipedia nimmt das Eisvolumen in der Antarktis jedes Jahr um 1 Hunderttausendstel ab. Wenn der Prozess also linear verläuft (was sicherlich nicht der Fall ist), dauert es etwa 100’000 Jahre bis die Antarktis abgeschmolzen ist.

Als Physiker frage ich mich, wie man etwas so genau messen kann. Das Eis in der Antarktis ist etwa 2000 m dick. Es schmelzen im Jahr daher etwa 2 cm ab. Laut Artikel haben sich diese 2 cm um etwa 5% erhöht. Es sind jetzt 2.1 cm, also 1 mm mehr. Damit das Messergebnis signifikant ist, muss die Messgenauigkeit noch geringer sein. Man kann also die mittlere Eisdicke in der Antarktis auf weniger als einen 1mm genau bestimmen. Hört sich formidabel an, nur mir fehlt der Glaube.

Meiner Meinung nach ist das Dramatisieren in der Klimawandelproblematik kontraproduktiv. Es verhindert jede sachliche Diskussion. Am Ende stehen sich alle mit geschlossenem Visier gegenüber und nichts passiert.

Sitzen zwei Touristen («Landratten») bei auflaufendem Wasser auf einer Bank auf dem Deich. «Schau mal wie der Meeresspiegel steigt! So dramatisch hatte ich mir das gar nicht vorgestellt!»

Steigen oder Sinken?

Die indonesische Regierung überlegt den Regierungssitz aus Jakarta weg zu verlegen, weil die Stadt zum Teil im Meer versinkt.

In Spiegel-Online muss das als Warnung vor dem Klimawandel und dem Meeresspiegelanstieg dienen.

Der Meeresspiegel steigt um 3 mm im Jahr und deshalb versinkt die Stadt im Meer?

Die NZZ hat einen genauen Bericht geliefert (https://www.nzz.ch/international/indonesien-hauptstadt-jakarta-droht-im-meer-zu-versinken-ld.1399833) .

Jakarta ist auf einem instabilen Untergrund gebaut und es gibt keine ausreichende Wasserversorgung. Deshalb wir ein Großteil des Trinkwassers aus illegalen Brunnen gefördert. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel ab und der Boden schrumpft. Der Boden sinkt im Durchschnitt 60 mm im Jahr, also 20-mal mehr als dass der Meeresspiegel steigt.

Das bringt mich zu der Frage, wie man den Meeresspiegelanstieg misst. Wie kann man unterscheiden ob sich der Meeresspiegel hebt oder ob der Pegel sinkt?

Weltweit steigt der Meeresspiegel um 3.3 mm/Jahr, aber in der Nordsee nur um 1.5 mm. Hebt sich die Nordsee immer noch an, weil die Gletscher der letzten Eiszeit geschmolzen sind?

Wie teuer wird’s eigentlich?

Im letzten Sachstandsbericht hat sich der Weltklimarat auch dazu geäussert, wie hoch die Schäden sein werden, wenn sich die globale mittlere Temperatur um 2°C erhöht. Natürlich ist es sehr schwierig so etwas vorherzusagen, wie immer bei Vorhersagen über die Zukunft. Aber man bekommt aber zu mindestens einen Eindruck von der Größenordnung. Hier der Text:

“the incomplete estimates of global annual economic losses for additional temperature increases of ~2°C are between 0.2 and 2.0% of income (±1 standard deviation around the mean) (medium evidence, medium agreement).

Mit income ist hier das Bruttoinlandsprodukt gemeint. Maximal 2% des BIP. Die Zahl kommt einem irgendwie bekannt vor. 2% des BIP sind die geforderten Militärausgeben innerhalb der NATO.

Wir hören jetzt jeden Tag, dass die Welt durch den Klimawandel untergeht. Wieder sorgt der Weltklimarat im Kapitel 10 des fünften Sachstandsberichts für Verwirrung:

“For most economic sectors, the impact of climate change will be small relative to the impacts of other drivers (medium evidence, high agreement). Changes in population, age, income, technology, relative prices, lifestyle, regulation, governance, and many other aspects of socioeconomic development will have an impact on the supply and demand of economic goods and services that is large relative to the impact of climate change.”

Greta sagt, dass wir auf die Wissenschaftler hören sollen. Wenn die aber jetzt etwas anderes sagen als Greta?

Bangemachen gilt nicht!

Die R+V-Versicherung lässt jedes Jahr die Menschen in Deutschland befragen, wovor sie Angst haben.

Die letzte Befragung zeigt, dass die Menschen zurzeit relativ wenig Angst haben. Am erstaunlichsten ist jedoch, dass Angst vor dem Klimawandel und Wetterextremen erst am Ende der Liste auftaucht.

Wenn man den Medien glaubt, ist der Klimawandel das grösste Problem der Zeit und alle anderen Probleme sind dabei zu vernachlässigen. Ca. 60% der Menschen in Deutschland haben aber keine Angst vor dem Klimawandel. Greta Thunberg hat jeden Tag Angst und möchte, dass wir panische Angst bekommen.

Der Kommentar in der Regionalpresse war heute, dass die Menschen noch nicht genug über die Gefahren des Klimawandels aufgeklärt sind. Wie ist das möglich? Man hört und liest doch überall vom Klimawandel, selbst in der Philosophievorlesung wird er erwähnt. Professoren schreiben in der Zeitung, dass die Existenz der Menschheit durch den Klimawandel gefährdet ist und 60% haben keine Angst.

Vielleicht liegt es eher daran, dass die Warner etwas übertrieben haben? In den 80er Jahren hiess es, dass es im Jahr 2000 keinen Schnee mehr in den Alpen geben würde. Nach dem warmen Sommer 2003 hiess es, dass solchen warmen Sommer jetzt häufiger kommen. In den nächsten 15 Jahren kamen sie aber nicht.

Greta Thunberg prophezeit die Apokalypse, aber die Leute können es nicht mehr hören.

Den Zeugen Jehovas glaubt auch keiner, dass die Welt bald untergeht.