Archiv der Kategorie: Qualitätsjournalismus

Donnerwetter

Ich habe etwas getan, was ich sonst selten mache: ich habe Nachrichten im Fernsehen geschaut. Danach kamen die Wetteraussichten. Um den Trend für die nächsten Tage darzustellen, wurde ein Diagramm gezeigt. Auf der X-Achse wurden die Tage dargestellt; auf der Y-Achse die Temperatur. Da ich kein passendes Bild im Internet gefunden habe, habe ich selbst eins entworfen.

So eine ähnliche Kurve haben sicher alle schon mal gesehen.

Aus der Kurve können wir entnehmen, dass am 21.6. 20°C erwartet werden und am nächsten Tag, dem 22.6. soll es 25°C werden. Am 24.6. können es sogar 37°C werden.

Nur was soll die Zeitachse bedeuten? Wann werden z. B. 22°C erreicht? Am Morgen des 22.06.?

Nimmt die Temperatur zwischen den Tagen (= nachts) nicht ab?

Eigentlich müssten nur Punkte an den einzelnen Tagen dargestellt werden. Die Verbindung der Punkte macht keinen Sinn, außer dass es etwas dramatischer aussieht.

Wieviel bringt’s?

In der letzten Zeit liest man immer häufiger, dass die Menschen fliegen, weil die Flugpreise niedriger sind als die Bahnpreise. Der Grund sei, dass Kerosin nicht der Mineralölsteuer unterliegt.

Man findet aber in der Regel keine Zahlen, wieviel die Flugtickets teurer werden, wenn man das Kerosin besteuert. Auf einer österreichischen Seite habe ich gefunden, dass ein Flug von Wien nach Mallorca sich um ca. 60 Euro verteuern würde. Hätte das eine große Steuerungswirkung? Verzichten die Leute dann auf einen Mallorca-Urlaub oder steigen sie auf Auto bzw. Bahn und Fähre um? Ich habe Zweifel.

Eine Studie der EU, die jetzt an die Öffentlichkeit gelangt ist, erwartet, dass die CO2-Emissionen des Flugverkehrs um 11% zurückgehen, wenn eine Kerosinsteuer eingeführt wird.

Der Flugverkehr der gesamten Welt produziert ca. 2.5% der weltweiten CO2-Emissionen. Wenn dies um 11% reduziert wird, bedeutet das, dass die weltweiten CO2-Emissionen um weniger als 0.3% zurückgehen.

Ich habe es gewusst.

In der Klimaforschung versucht man durch verbesserte Modelle, die Ungenauigkeit in den Vorhersagen der Temperaturerhöhung zu verringern. Gemäß dem letzten Bericht des IPPC kommt man aber nicht besonders gut voran. Bei Verdopplung des CO2-Gehaltes in der Luft soll es zwischen 1,5 und 4,5°C wärmer werden. Zwischen dem geringsten und dem höchsten Wert liegt ein Faktor 3.

Erst wenn der Fall eingetreten ist, wird man wissen welches Modell die richtige Vorhersage gemacht hat. Voraussagen sind ja bekanntlich schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.

Wenn man jemand dann behauptet, dass dieses Modell bzw. die Erzeuger dieses Modells damals es schon gewusst haben, wird er wohl nur Kopfschütteln ernten. Wenn man mit seiner Voraussage richtig liegt, heißt es ja nicht, dass er das richtige Ergebnis schon gewusst hat.

Warum schreibe ich solche Banalitäten? Weil diese Banalitäten im deutschen Qualitätsjournalismus nicht überall bekannt sind.

Der Spiegel schreibt heute, dass EXXON schon 1982 wusste, wie warm es 2019 sein würde (https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/exxon-sagte-co2-gehalt-der-atmosphaere-fuer-2019-genau-voraus-a-1267915.html) . Als Beleg dient eine Kurve von EXXON, auf der der erwartete Temperaturanstieg aufgetragen ist.

Im Link heißt es richtig, dass EXXON es richtig vorhersagte. In der Überschrift des Artikels wird daraus:

«Ölriese Exxon wusste schon 1982, wie stark die Erderwärmung 2019 ausfällt»

Sollte ein «Qualitätsjournal» nicht wissen, was der Unterschied zwischen einer richtigen Vorhersage und Wissen ist.

Ich sage mal voraus, dass Bayern München deutscher Fußballmeister wird. Dann kann der Spiegel nächsten Montag mit der Schlagzeile erscheinen: «Henning Fleßner wusste schon Freitag, dass Bayern München gewinnt.»

Mit 20 Euro die Menschheit retten

Manchmal denke ich, dass die Welt doch verdammt kompliziert ist. Aber dann liest man in der Zeitung, wie simpel die Dinge doch manchmal sind.

Zur Rettung der Welt soll die CO2-Steuer dienen. Die Steuer soll den Verbrauch steuern (kommt das Wort Steuer von steuern?). Jetzt gibt es eine Studie, dass der ärmere Teil der Bevölkerung von der Steuer profitiert. Das habe ich nicht erwartet, da der ärmere Teil meistens in den schlechter isolierten Häusern wohnt.

Es werden nur die Reichen belastet und zwar im Durchschnitt mit 20 Euro im Monat. Nicht zu früh gefreut, denn im Jahr 2030 (in 11 Jahren) kann es auf 40 Euro im Monat ansteigen.

Da werden die Reichen aber aufstöhnen und dann sofort ihr Haus isolieren, für 20’000 Euro eine Wärmepumpe anschaffen und nur noch mit dem Bus fahren.

Was man doch mit 20 Euro im Monat alles erreichen kann.

Die Schweiz als Vorbild

Die Schweiz gilt ja in Deutschland nicht so häufig als Vorbild.

Aber bei der Diskussion über die CO2-Steuer wird häufig auf die Schweiz verwiesen, die bereits vor Jahren erfolgreich eine CO2-Steuer eingeführt hat. Ich habe aber bisher nirgends etwas gelesen, welchen Effekt die Steuer auf die Emissionen hat.

Hier folgt die offizielle Schweizer Grafik:

Jetzt stellt sich die Frage, wann denn die Steuer eingeführt wurde. Kann man es an den Emissionen erkennen?

Die richtige Antwort lautet: 2008.

Schluss mit dem Ärger

Als ich als Student in meine, zum Teil maoistische, Wohngemeinschaft zog, lernte ich die Frankfurter Rundschau kennen. Als ich 1980 auszog, wurde ich Abonnent.

In Berlin war ich jeden Arbeitstag 40 Minuten in der U-Bahn unterwegs. Das reichte für die Lektüre nicht aus. In der letzten Zeit bin ich oft nach 5 Minuten fertig. Ich bin mir nicht im klaren, ob ich mich geändert habe oder die Zeitung sich geändert hat.

Ich möchte keine Zeitung, in der ich nur meine Ansichten bestätigt sehe. Gerade wenn man andere Ansichten kennenlernt und sie zu widerlegen sucht, lernt man sehr viel. Dazu muss man häufig selber recherchieren, was heute dank Internet nicht so schwierig ist und man stösst manchmal auf Informationen, die einen überraschen. Aber eine Zeitung über die man sich fast nur ärgert, braucht man auch nicht. Daher habe ich das Abonnent gekündigt und in einem Leserbrief (der jetzt folgt) erläutert, was mich stört.

1. der «Haltungsjournalismus».

Die angebliche Meinungsseite ist irreführend. Es gibt in der FR schon lange keine Trennung mehr zwischen Meldung und Kommentar. Natürlich gibt es keine wertfreie Berichterstattung, aber es gibt das Bemühen um eine Beleuchtung von allen Seiten. Nur leider selten in der FR. Ich stelle fest, dass ich häufig nur noch die Überschrift und den Namen des Journalisten lese. Ich brauche den Artikel nicht mehr zu lesen, weil ich die Haltung des Journalisten kenne und daraus besteht der Artikel zu großem Teil.

2. der Anspruch die Meinung der Leser zu bilden

Zum ersten Mal hörte ich es im «Presseclub» von einem Mitglied der Chefredaktion, dass man stolz darauf sei, ein grosser Meinungsbildner zu sein. Auch in ihren Stellenanzeigen wirbt die FR damit, die Meinung der Leser zu bilden.

Ich möchte mir aber meine Meinung selbst bilden. Wie passt das zum aufgeklärten Leser, der doch den Mut haben sollte, sich seines Verstandes zu bedienen.

Schon Georg Lichtenberg warnte davor, dass eine Zeitung den Blick in die Welt versperren könnte.

3. die Zusammenarbeit mit Aktivisten

Ich war geschockt, als die FR mitteilte, dass sie jetzt mit der Aktivisten-Plattform «Klimaretter» zusammenarbeitet. Aktivisten sind keine Journalisten. Ich habe mir damals die Biografien der Aktivisten angeschaut. Keiner hatte eine solide Grundausbildung für das, worüber sie schreiben. Aber vielleicht ist das im Qualitätsjournalismus auch nicht notwendig.

4. die Gastbeiträge

Ich habe den Eindruck, dass jeder der die «richtige» Haltung hat, einen Beitrag in der FR veröffentlichen kann. Es findet keine Qualitätskontrolle statt. Da schwärmt z. B. die Chefin eines Ökostromanbieters von Wind- und Sonnenenergie und wenn man auf die Webseite der Firma geht, stellt man fest, dass die Firma nur Wasserkraftstrom aus Österreich anbietet. Da stimmen dann auch schon mal die Zahlen nicht, aber die Haltung stimmt. Man braucht wenige Minuten, um auf solche Ungereimtheiten zu kommen. Ist das zu viel verlangt für Qualitätsjournalismus? Sie können natürlich sagen, dass Sie für die Aussagen der Gastbeiträge nicht verantwortlich sind, aber rechtfertigt das die Veröffentlichung minderer Qualität?

5. die sogenannten Interviews

Sie sind ein Paradebeispiel für den Unterschied zwischen kritischem Fragen und Stichwortgeben. Herr Will gibt z. B. immer den gleichen drei Leuten Stichworte. Kennt er keine anderen? Warum sollte ich das fünfte Interview mit derselben Person zum gleichen Thema lesen?

6. mangelnde Höflichkeit

Ich habe mich manchmal gefragt, ob meine Leserbriefe überhaupt angekommen sind. Ich habe es daher einmal mit einer Bitte um Bestätigung vergeblich versucht.

Ich habe einmal angefragt, ob es nicht möglich ist, wenn auf Studien verwiesen wird, den Link zu veröffentlichen. Warum muss ich zu Konkurrenzblättern gehen, um den Link zu finden?

Sie hielten es nicht für angebracht, darauf zu antworten. Ich war 30 Jahre im Vertrieb tätig. Meine Kunden haben immer eine Antwort bekommen, denn ich wollte, dass Sie künftig mein Gehalt finanzieren.

7. die Missachtung der Würde

Die FR hält die Achtung der Menschenwürde sehr hoch. Aber das gilt nur für die «Guten» mit der richtigen Haltung. Für Politiker (GRÜNE und manche Linke ausgenommen) und Polizisten gilt das nicht.

Da darf dann ein Greenpeace-Mitglied in einem Gastbeitrag A. Merkel für Millionen Tote verantwortlich machen. Ein Politiker darf als Automat verächtlich gemacht werden und Polizisten dürfen (in einem veröffentlichten Leserbrief) als «rassistische Eiterbeule» bezeichnet werden.

8. das seltsame Demokratieverständnis

In einem Artikel über Südkorea hieß es, dass dort es dort eine hoch entwickelte Demonstrationskultur bestehe. Fast jede Demonstration ende in einer Strassenschlacht mit der Polizei. Es war nicht ironisch gemeint, sondern als Merkmal einer funktionierenden Demokratie dargestellt.

In einem anderen Artikel hieß es, dass der Vorteil Frankreichs sei, dass nicht alles im Parlament entschieden würde sondern auch auf der Straße. Nach meinem Verständnis darf jeder seinen Unmut auf der Straße kundtun, aber die Entscheidungen sind in einer Demokratie im Parlament zu entscheiden.

Lesen Sei Ihre Zeitung eigentlich selbst und fällt Ihnen das nicht auf?

9. das Missionarische, das Dogmatische

Sie glauben, dass sie die Welt retten müssen. Vielleicht will die Welt aber gar nicht von Ihnen gerettet werden.

Sie befürchten durch das Verschwinden des Qualitätsjournalismus (d. h. der FR) eine Gefährdung der Demokratie. Vielleicht ist das Ross doch etwas zu hoch auf dem Sie sitzen.

Wenn jemand gegen die Kernenergie ist (was ja eine ehrenwerte Haltung ist), dann gehört er zu den Guten. Wenn man jedoch wie der Weltklimarat der Meinung ist, dass man auf Kernenergie nicht verzichten kann, um den Klimawandel aufzuhalten, dann nimmt man in den Augen der FR die Vernichtung der Menschheit in Kauf.

Dass es zu einem Problem durchaus zwei Meinungen geben kann, die sich zwar widersprechen, aber die man beide aus ehrenwerten Gründen vertreten kann, ist nicht vorstellbar.

Was in der FR Haltung heißt, heißt in der Theologie Dogma.

10. die Panikmache

Im Jahre 2005 (?) hat ein Statistiker deutsche und ausländische Zeitungen (u. a. die FR) auf «Panikmeldungen» untersucht. Das Ergebnis war, dass in deutschen Zeitungen bis zu viermal mehr Panikmeldungen erscheinen als in französischen oder spanischen Zeitungen. Ist Panikmache ein Zeichen von Qualitätsjournalismus oder Aktivismus?

In der Ausgabe vom 29.4. prangt auf der ersten Seite ein Bild von einer Mücke unter dem reißerischen Titel «Moskitos im Anflug».  Im Untertitel heißt es dann, dass die Gelbfiebermücke innerhalb von 30 Jahren Deutschland flächendeckend besiedeln wird. Wenn man aber den Text auf Seite 24 aufmerksam liest, dann heißt dort, dass die Gelbfiebermücke wohl mehr als 30 Jahre braucht, um nach Deutschland zu kommen.

Auf der ersten Seite wird mit einer Falschmeldung Panik erzeugt und hinten wird es dann im Kleingedruckten richtiggestellt. Das ist in meinen Augen Boulevard-Journalismus. Aber es kommt ja hauptsächlich auf die «Haltung» an, da muss man es nicht immer so genau nehmen im Qualitätsjournalismus.

Es läuft zurzeit eine Kampagne mit dem Ziel, junge Menschen davon zu überzeugen, dass der Weltuntergang durch den Klimawandel droht. Es sollen alle in Panik versetzt werden.

(Der Weltklimarat sieht das übrigens nicht so. Aber über dessen Meinung wird nur berichtet, wenn er zur Haltung der FR passt.)

Ich kann mir kaum etwas schlimmeres vorstellen, als ein Leben in permanenter Panik und Angst. Wer Kinder permanent in Angst und Panik versetzt, läuft Gefahr schwerste psychische Schäden zu erzeugen und das ist verwerflich.

Die jungen Leute fordern «Alles und das sofort.» In einer Demokratie gibt nie alles und erst recht nicht sofort. Was werden die jungen Leute denken, wenn sie feststellen, dass ihre Forderungen nicht erfüllt werden? Resignation und Abkehr von der Demokratie kann eine Folge sein. Andere mögen auf die Idee kommen, dass zur Verhinderung des Weltuntergangs auch Bomben gerechtfertigt sein können.

Warum unterstützt die FR das?

Ein Qualitätszeitung sollte in meinen Augen über Kampagnen berichten, aber nicht Teil der Kampagnen sein.

Ich sehe natürlich auch Ihre Seite. Es ist mir selbst einmal so gegangen, dass in der Monatsmitte nicht klar war, ob am Ende des Monats das Gehalt überwiesen wird. Da kann einem der Arsch schon auf Grundeis gehen.

Ich sehe auch manchmal aus Leserbriefen, dass zu mindestens viele Leser eine kritische Berichterstattung zu manchen Themen nicht wünschen. Wir fühlen uns einfach besser, wenn unsere Ansichten bestätigt werden.

Zeitungen haben es heute wirtschaftlich nicht einfach. Ich vermute, dass kluge Köpfe nach der Insolvenz das Zielpublikum der FR untersucht haben.

Leider gehöre nach 44 Jahren Lektüre (davon 39 Jahre als Abonnent) nicht mehr dazu.

Quälitätsjournalismus und Heizungen

In den letzten Tagen habe ich gelesen, warum es den Qualitätsjournalismus braucht. Wir werden von einer Flut von Informationen überrollt, die wir gar nicht richtig verarbeiten können. Diese Informationen müssen geordnet, eingeordnet, in den richtigen Zusammenhang gebracht und kommentiert werden, damit ich damit etwas Sinnvolles anfangen kann.

Der normale Leser wie ich kann das natürlich nicht selbst. Aber zum Glück haben wir dafür die Qualitätsjournalisten.

Ein solches Beispiel von Qualitätsjournalismus las ich gleich danach. Nur ein geringer Teil der Bevölkerung befürwortet eine CO2-Steuer. Ich auch nicht, weil ich sie für wirkungslos halte. Ein Qualitätsjournalist hat mir dann erklärt, wo mein Denkfehler liegt. Durch die CO2-Steuer könnte sanfter Druck auf mich ausgeübt werden, eine sparsamere Heizung anzuschaffen.

Wir haben eine Gasheizung wie viele Menschen in Deutschland. Bei den heutigen Gasheizungen wird aber der gesamte nutzbare Energiegehalt in Wärme umgesetzt (Brennwertkessel ist das Stichwort.)

Bei dieser Heizung lässt sich also nichts mehr sparen. Natürlich könnten wir auf eine Wärmepumpe umsteigen, aber dazu muss die CO2-Steuer schon exorbitant hoch sein.

Qualitätsjournalismus allein reicht nicht, manchmal muss man auch etwas von Heizungen verstehen.

Was soll der Leser sich dabei denken?

Im Spiegel ist ein Artikel mit Klimaforschern erschienen, in dem es heißt, dass es bei den Klimamodellen in den letzten 40 Jahren praktisch keine Fortschritte gegeben hat. Die Modelle sagen nicht mal aus, ob die Alpengletscher schmelzen werden oder zunehmen werden. Das Problem ist hauptsächlich die Wolken, die man schlecht modellieren kann. Vor 40 Jahren hieß es, dass sich die Erde bei einer Verdopplung des CO2 in der Luft erwärmt und zwar um irgendwas zwischen 1.5 und 4.5°C. Auch heute weiß man es noch nicht genauer.

Gleichzeitig gibt es einen Artikel, in dem es heißt, dass in naher Zukunft (wann ist das?) folgendes droht:

«Unbewohnbar heiße Millionenstädte, großflächig überflutete Küstenregionen (in denen Hunderte Millionen Menschen leben), katastrophal lange Dürreperioden, Wasserknappheit, Ernteausfälle, riesige Wald- und Buschbrände und als Folge all dessen Abermillionen an Klimaflüchtlingen. Alles auf einmal.”

Interessant wie jemand aus einer derart ungenauen Aussage so genaue Prognosen machen kann.

Erkenntnis oder Ergebnis

Ich habe irgendwo gelesen, dass es erkenntnisorientierte und ergebnisorientierte Umfragen gibt.

Das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (auf so einen Namen muss man erstmal kommen; vielleicht gibt es Programme, die solche Namen kreieren) hat eine Umfrage zur Energiewende gemacht und sogar das erhoffte Ergebnis, dass 90% der Bundesbürger die Energiewende unterstützen, erhalten. Das Ergebnis wird natürlich von den Journalisten mit der entsprechenden richtigen Haltung gefeiert.

Gleichzeitig sagen aber auch 70% der Bevölkerung, dass die Energiewende teuer sei.

Was meinen die Leute damit, dass sie dafür sind, aber dass es teuer ist? Da bietet sich doch ein Nachfragen an, z.B. ab welchen Kosten man nicht mehr für die Energiewende ist. Die Universität Stuttgart hat das gemacht. Bei ihrer Umfrage waren 94% für die Energiewende, aber diese Zustimmung schmolz auf 6%, wenn die Energiewende mehr als 100 Euro im Jahr kostet.

Das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung hat aber nur gefragt, ob man moderate Preiserhöhungen akzeptiert. Was ist moderat? Die 2 Euro pro Monat, von denen J. Trittin mal sprach?

Aber warum soll man nachfragen, wenn man schon das erwünschte Ergebnis hat?

Vorzeitig gestorben! Aber wie lange?

In der Presse liest man fast täglich von vorzeitigen Todesfällen durch Luftverschmutzung. Woher weiß man aber, ob jemand vorzeitig gestorben ist? Vor allem würde mich interessieren, um wieviel die Menschen vorzeitig gestorben sind.

Man vergleicht die durchschnittliche Lebensdauer von Personengruppen und rechnet dann auf die Anzahl vorzeitiger Todesfälle um.

Es wird aber verschwiegen, dass die Umrechnung sehr problematisch ist. Man weiß nicht, ob sie richtig ist. Auf der Seite «unstatistik.de» wird das kritisiert.

Ein Beispiel: es gibt drei Zwillingspärchen Au, Ab, Bu, Bb, Cu und Cb. Die mit dem zweiten Buschstaben «u» leben in einer unbelasteten Gegend, die mit dem «b» in einer belasteten Gegend. Sie erreichen folgendes Lebensalter: Au 79, Ab 78, Bu 80, Bb 79, Cu 81 und Cb 80 Jahre. Die Menschen in der belasteten Gegend leben im Schnitt 1 Jahr weniger. Daraus werden 3 vorzeitige Todesfälle errechnet.

Bei einer anderen Messung ergibt sich für drei Zwillingspärchen: Au, Ab, Bu Bb werden 79 Jahre alt, Cu 81 und Cb 78 Jahre. Im Durchschnitt leben die belasteten 1 Jahr weniger und es werden ebenfalls 3 vorzeitige Todesfälle berechnet. In Wirklichkeit ist aber nur eine Person vorzeitig gestorben.

Wie man sieht ist die Berechnung durchschnittlicher Verkürzung der Lebenszeit sinnvoll, aber daraus die Anzahl vorzeitiger Todesfälle zu berechnen, doch sehr zweifelhalft.