Archiv der Kategorie: Qualitätsjournalismus

Das will ich hier nicht lesen!

Vor der Erfindung des Internets war es für die Zeitungen einfacher. Man hatte durch das Anzeigengeschäft eine permanente Einnahmequelle, die jetzt zum großen Teil weggefallen ist.

Dadurch spielt der Abonnent eine größere Rolle. Und da liegt das Problem. Der gemeine Leser möchte nämlich in «seiner» Zeitung lesen, was ihm gefällt. Was ihm aber besonders nicht gefällt, sind kritische Artikel über seine «Helden».

Einer dieser Helden ist Igor Levit, ein Pianist klassischer Musik. Auch das Geschäft der klassischen Musik funktioniert heute wie Popmusik. Junge Pianistinnen sehen heute alle wie Modells aus und müssen halbnackt am Klavier sitzen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Klavierspielen müssen sie auch können, aber das allein reicht nicht.

Igor Levit ist ein Künstler, der sich sehr gut verkauft. Er hat Kontakte zu den wichtigen Journalisten. Wenn man ihn hören will, muss man seine CDs nicht kaufen. Einfach einen der deutschen Klassiksender einschalten und ein wenig warten.

Ausserdem setzt er sich für alle positiven Dinge wie Klimaschutz, Antirassismus, etc. ein, was man an seiner regen Twittertätigkeit erkennt.

Es gibt einen Musikwissenschaftler, ein wirklicher Experte, der ärgert sich darüber, dass Igor Levit so im Vordergrund steht, obwohl er kein anständiges Legato spielen könne und wirklich gute Pianisten im Hintergrund verschwinden. Daher hat der Musikkritiker einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung publiziert. Musikkritiker können schon sehr zuschlagen (Eduard Hanslick über A. Bruckner: «traumverwirrter Katzenjammerstil»).

Der Artikel ist ein starker Verriss, der keine Mühe zur Ausgewogenheit erkennen lässt. Herr Levit war beleidigt, d.h. der Artikel hat seinen Zweck erfüllt.

Als der Artikel kritisiert wurde, stellte sich Süddeutsche Zeitung hinter ihren Autor. Das heisst nun nicht, dass sie den Inhalt teilt, aber sie meint, dass man so einen Artikel schreiben dürfe.

Dann setzte aber der normale «shitstorm» ein. Die Leser waren empört, so etwas in «ihrer» SZ zu lesen.

Einige Zwischen-den-Zeilen-Leser hatte auch gleich Spuren von Antisemitismus entdeckt.

Die SZ machte einen Rückzieher, entschuldigte sich bei Igor Levit und denkt darüber nach, wie so etwas in Zukunft verhindert werden kann. Erscheinen jetzt in der SZ nur noch Lobeshymnen über Igor Levitt?

Was macht man als Journalist, wenn einem der Leser «vorschreiben» will, was er lesen will?

Eine Zeitung braucht dann nur Journalisten, die das Weltbild ihrer Leser teilen. Willkommen in der Blase!

Warum ich kein Flusswasser trinke…

Es gibt ein neues Argument gegen fossile Kraftwerke. Fossile Kraftwerke brauchen Wasser und Wasser wird durch den Klimawandel knapp. Der Universalgelehrte Harald Lesch brachte dieses Argument prompt in einer seiner Sendungen.

Und schon fängt das Durcheinander an. Im Windkraft-Journal heißt es zuerst, dass die Wassermengen zur Dampferzeugung gebraucht werden. Das ist Unsinn. Der Wasserkreislauf in einem fossilen Kraftwerk ist geschlossen und nur ein Bruchteil wird kontinuierlich ersetzt.

In nächsten Absatz heißt es dann, dass das Wasser zum Kühlen verbraucht wird.

Bei der Wasserkühlung fossiler Kraftwerke gibt es mehrere Möglichkeiten. Die mit 95% häufigste in Deutschland ist die Direktkühlung. Dabei wird Wasser aus Flüssen entnommen und um ca. 8 Grad aufgewärmt und dann wieder an den Fluss zurückgegeben. Da die Temperatur des zurückgegebenen Wassers begrenzt ist, kann im Sommer dies zu Beschränkungen beim Betrieb der Kraftwerke führen.

Die Temperatur des Flusses erhöht sich nach der Durchmischung kaum merklich.

Damit sind die fossilen Kraftwerke in Deutschland der größte Wasserverbraucher.

Was soll das eigentlich heißen, dass das Wasser verbraucht ist? Verbraucht ist etwas, wenn es für seinen ursprünglichen Gebrauch nicht mehr nutzbar ist. Für was wird das Flusswasser gebraucht. Es dient zur Schifffahrt. Diese ist offensichtlich nicht beeinträchtigt. Das Flusswasser versickert zum Teil und wird Grundwasser. Auch hier findet keine Beeinträchtigung statt. Fische haben Sex im Flusswasser (laut W. C. Fields). Auch dies scheint nicht beeinträchtigt zu werden.

Worin besteht also dieser schreckliche Wasserverbrauch?

4,5 Mrd. m3 Wasser werden in der EU auf diese Art «verbraucht». Was sagt uns diese Zahl? Natürlich nichts. Dies sind 140 m3/s. Dies entspricht ungefähr 2% der Wassermenge des Rhein. Die anderen 98% und das Wasser sämtlicher anderen Flüsse in der EU fließen «unverbraucht» in die Ozeane.

Wenn etwas knapp wird, dann ist es das Grundwasser und nicht das Flusswasser. Wenn man schon alles weiß, wie Herr Lesch dann sollte dies doch auch wissen.

Denn sie wissen nicht,…

Als Politiker hat man grob gesagt zwei Möglichkeiten:

  1. Man macht, was man für richtig hält. Beispiel: Gerhard Schröder

Dann erhält man den Vorwurf, dass man keine Rücksicht auf den Willen der Wähler nimmt.

  • Man hört auf das Volk und macht, was die Leute wollen. Beispiel: (häufig, nicht immer) Angela Merkel

Dann kommt der Vorwurf, dass man sein Fähnchen nach dem Wind dreht.

Egal was man macht, man muss sich von den Journalisten, Kabarettisten, etc. anpinkeln lassen und von Vollpfosten sogar bedrohen lassen.

Wenn ich meine berufliche Karriere mit der eines durchschnittlichen Politikers vergleiche, dann muss ich sagen, dass ich in der Industrie mehr verdient habe und ich mich von niemanden anpinkeln lassen musste, sondern immer respektvoll behandelt wurde.

Darum findet man in der Politik auch wenige Leute aus der Wirtschaft. Dann werden Entscheidungen wie der «Lockdown» gefällt, ohne dass man weiss, was man damit anrichtet.

Sterbestreik?

Auf https://euromomo.eu werden die Sterbestatistiken vieler europäischer Staaten veröffentlicht. Jeden Donnerstag nachmittags werden die neuesten Daten gezeigt. Es kann im Nachhinein geringfügige Korrekturen geben, aber größere Korrekturen sind mir nicht aufgefallen.

Interessant sind die Zahlen für Frankreich und für andere Länder deutet sich eine ähnliche Entwicklung an. In der 14. KW starben in Frankreich 21.7% mehr Menschen als man erwartet hätte. Seitdem nimmt die Zahl wieder ab und ist für die letzte Woche bei erstaunlichen -8.8% angekommen.

Wie kann man das erklären? Eine Sterbestreik?

Das jetzt Menschen gestorben sind, die noch eine Lebenserwartung von 10 Jahren hatten, passt irgendwie nicht. Dann sollte das Defizit erst in 10 Jahren auftreten.

Hat Boris Palmer vielleicht doch recht?

Zur Lage: noch ’n Gedicht

Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

H. Heine

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen
Sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
Ein jeder in dem Gildenhaus;
Auch Munition von jeder Sorte
Wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
Wird unverzüglich füsiliert;
Das Räsonieren durch Gebärden
Soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.


1973 kam Corona nach Deutschland

Nein, nicht der Virus, sondern ein Auto von Toyota, berichtet die Autozeitung.

Aus der Frankfurter Rundschau vom 19.3.2020:

In Italien liegt das Durchschnittsalter der an den Folgen des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 Gestorbenen bei 79,5 Jahren. Das teilte das italienische Institut für Gesundheit (ISS) in Rom mit. Demnach handele es sich bei 70 Prozent der Toten um Männer. Von mehr als 2.000 untersuchten Todesfällen waren nur fünf jünger als 40 – und alle litten an schweren Vorerkrankungen.

Das bedeutet, dass das Altersprofil der Sterbenden sich nicht geändert hat.

Man sollte eigentlich erwarten, dass gleich viele Männer und Frauen an dem Virus sterben.  Frauen haben aber auch in Italien eine höhere Lebenserwartung. Jetzt schließen einige daraus, dass nur die Menschen an dem Virus sterben, deren Lebenserwartung gegen null geht. Dann dürfte aber auch die Gesamtzahl an Toten nicht steigen. Dazu gibt es aber noch keine Zahlen.

War was?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtigt täglich über die Zahl der bestätigten Infektionsfälle. Daraus wird in der Presse die Zahl der Infizierten. Das hat das RKI aber nicht gesagt. Die bestätigten Fälle sind Leute, die man auf den Virus getestet hat und bei dem man den Virus gefunden hat.

Aber er werden nur Leute getestet, die zu mindestens Symptome haben. Alle Einwohner zu testen ist nicht möglich und wohl auch nicht sinnvoll. Es heisst, dass 80% oder auch 91% der Betroffenen keine Symptome hat. Worauf man sich natürlich fragen muss, woher man das weisst, wenn man nicht alle gemessen hat. Man kann entgegnen, dass eine repräsentative Auswahl reicht. Doch woher weiss man, dass die Auswahl repräsentativ ist.

Das gleiche gilt für die Gefährlichkeit. Der führende Virologe Deutschlands (oder einer der führenden) sagt, dass der Virus ungefährlicher als Sars-1 ist, aber sich leichter verbreitet, weil er sich mehr im Rachen als in der Lunge herumtreibt.

Aber in Italien sterben doch so viele. Es werden Zahlen von 3.5% der Betroffenen berichtet. Aber woher weiss man, wie viele in Italien betroffen sind.

Werden wir jemals wissen, wie viele Menschen vom Virus befallen wurden? Ziemlich sicher nicht.

Also: nichts Genaues weiss man nicht?

Doch, es gibt doch eine Möglichkeit zu mindestens etwas herauszubekommen und die kommt von der EU.

Es gibt seit 2009 eine Stelle, die alle Todesfälle in 24 EU-Staaten (Deutschland ist nur durch die Länder Berlin und Hessen vertreten) addiert. Aufgegliedert werden die Zahlen nur nach dem Alter in vier Gruppen: 0-4, 5-14,15-64,>=64 Jahre. Die Ergebnisse werden auf einer Webseite (www.euromomo.eu) als Todesfälle pro Woche dargestellt. Man erkennt eine wellenförmige Basislinie. Im Winter sterben mehr Menschen als im Sommer. Im Winter treten fast jedes Jahr zusätzliche Spitzen auf. Diese können die Todeszahlen um 25% erhöhen.

Wie schlimm sich der Coronavirus ausgewirkt hat, wird man in diesen Daten in den nächsten Monaten sehen können.

Wenn dann keine Spitze zu sehen ist, können die einen sich auf die Schulter klopfen, weil sie ja schon immer gesagt haben, dass alles Panikmache sei und die Politiker können sich auf die Schulter klopfen, weil sie durch ihre Massnahmen die Spitze verhindert haben.

Diese Statistik gibt keine Antwort darauf, wer hier Recht hat.

Die Statistik beantwortet nur eine Frage: «War was?»

Neue Sau gesucht

Mein Physiklehrer sagte einmal, dass er wegen einer einseitigen Lungenentzündung doch den Unterricht nicht ausfallen lässt. Ach ja, damals.

80% aller vom Corona-Virus betroffenen Menschen haben keine Symptome. 19.x% haben leichte Symptome (Kratzen im Hals etc.) Von diesem 19.x% sind sicherlich die Hälfte Männer. Bei leichten Symptomen gehen die wenigstens Männer zum Arzt.

Die Ausbreitung des Virus soll jetzt verhindert werden durch Quarantäne. Die 20% mit Symptomen kann man ja noch finden und in Quarantäne stecken. Aber wie findet man die 80% ohne Symptome? Auch wer keine Symptome hat, kann vermutlich den Virus verbreiten.  Wieso stellt eigentlich kein Journalist diese Frage?

In der Regionalpresse schrieb ein Arzt, dass der Virus gekommen sei, um zu bleiben.

Es werden jetzt Messen abgesagt, die Lufthansa hat die Hälfte der Flüge abgesagt, in Italien haben alle Schulen und Unis geschlossen, Fussballspiele und sonstige Grossveranstaltungen sollen verboten werden. Was macht man, wenn der Virus bleibt? Hebt man die Verbote wieder auf? Mit welcher Begründung?

75% der Bevölkerung ist nicht besorgt wegen dem Virus. Wir brauchen dringend eine andere Sau, die die Medien durch Dorf jagen können.

Warnung

Die Behauptung, dass es immer mehr Stürme gibt, gehört zum Standardrepertoire von Qualitätsjournalisten (und Leserbriefschreibern der FR). Sie haben zwar die wissenschaftliche Literatur nicht gelesen (Da findet man das auch nicht). Aber es findet sich schon ein Wissenschaftler, der ihnen das bestätigt.

Ein Liebling der Qualitätsjournalisten ist der Kieler Klimaforscher Prof. Mojib Latif (für die Jazzer: nicht verwandt mit Yusef Lateef).

Von der Regionalpresse wurde er jetzt befragt, ob der Sturm «Sabine» durch den Klimawandel verursacht wurde. Dazu machte er folgende Aussage:

Da stochern die Klimaforscher noch im Nebel. Der Blick in die Vergangenheit zeigt keinen offensichtlichen Trend zu mehr Orkanen.

Wenn er so weiter macht, warnt eines Tages noch das Bundesumweltamt vor ihm.