Archiv der Kategorie: Qualitätsjournalismus

Denn sie wissen nicht,…

Als Politiker hat man grob gesagt zwei Möglichkeiten:

  1. Man macht, was man für richtig hält. Beispiel: Gerhard Schröder

Dann erhält man den Vorwurf, dass man keine Rücksicht auf den Willen der Wähler nimmt.

  • Man hört auf das Volk und macht, was die Leute wollen. Beispiel: (häufig, nicht immer) Angela Merkel

Dann kommt der Vorwurf, dass man sein Fähnchen nach dem Wind dreht.

Egal was man macht, man muss sich von den Journalisten, Kabarettisten, etc. anpinkeln lassen und von Vollpfosten sogar bedrohen lassen.

Wenn ich meine berufliche Karriere mit der eines durchschnittlichen Politikers vergleiche, dann muss ich sagen, dass ich in der Industrie mehr verdient habe und ich mich von niemanden anpinkeln lassen musste, sondern immer respektvoll behandelt wurde.

Darum findet man in der Politik auch wenige Leute aus der Wirtschaft. Dann werden Entscheidungen wie der «Lockdown» gefällt, ohne dass man weiss, was man damit anrichtet.

Sterbestreik?

Auf https://euromomo.eu werden die Sterbestatistiken vieler europäischer Staaten veröffentlicht. Jeden Donnerstag nachmittags werden die neuesten Daten gezeigt. Es kann im Nachhinein geringfügige Korrekturen geben, aber größere Korrekturen sind mir nicht aufgefallen.

Interessant sind die Zahlen für Frankreich und für andere Länder deutet sich eine ähnliche Entwicklung an. In der 14. KW starben in Frankreich 21.7% mehr Menschen als man erwartet hätte. Seitdem nimmt die Zahl wieder ab und ist für die letzte Woche bei erstaunlichen -8.8% angekommen.

Wie kann man das erklären? Eine Sterbestreik?

Das jetzt Menschen gestorben sind, die noch eine Lebenserwartung von 10 Jahren hatten, passt irgendwie nicht. Dann sollte das Defizit erst in 10 Jahren auftreten.

Hat Boris Palmer vielleicht doch recht?

Zur Lage: noch ’n Gedicht

Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

H. Heine

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen
Sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
Ein jeder in dem Gildenhaus;
Auch Munition von jeder Sorte
Wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
Wird unverzüglich füsiliert;
Das Räsonieren durch Gebärden
Soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.


1973 kam Corona nach Deutschland

Nein, nicht der Virus, sondern ein Auto von Toyota, berichtet die Autozeitung.

Aus der Frankfurter Rundschau vom 19.3.2020:

In Italien liegt das Durchschnittsalter der an den Folgen des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 Gestorbenen bei 79,5 Jahren. Das teilte das italienische Institut für Gesundheit (ISS) in Rom mit. Demnach handele es sich bei 70 Prozent der Toten um Männer. Von mehr als 2.000 untersuchten Todesfällen waren nur fünf jünger als 40 – und alle litten an schweren Vorerkrankungen.

Das bedeutet, dass das Altersprofil der Sterbenden sich nicht geändert hat.

Man sollte eigentlich erwarten, dass gleich viele Männer und Frauen an dem Virus sterben.  Frauen haben aber auch in Italien eine höhere Lebenserwartung. Jetzt schließen einige daraus, dass nur die Menschen an dem Virus sterben, deren Lebenserwartung gegen null geht. Dann dürfte aber auch die Gesamtzahl an Toten nicht steigen. Dazu gibt es aber noch keine Zahlen.

War was?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtigt täglich über die Zahl der bestätigten Infektionsfälle. Daraus wird in der Presse die Zahl der Infizierten. Das hat das RKI aber nicht gesagt. Die bestätigten Fälle sind Leute, die man auf den Virus getestet hat und bei dem man den Virus gefunden hat.

Aber er werden nur Leute getestet, die zu mindestens Symptome haben. Alle Einwohner zu testen ist nicht möglich und wohl auch nicht sinnvoll. Es heisst, dass 80% oder auch 91% der Betroffenen keine Symptome hat. Worauf man sich natürlich fragen muss, woher man das weisst, wenn man nicht alle gemessen hat. Man kann entgegnen, dass eine repräsentative Auswahl reicht. Doch woher weiss man, dass die Auswahl repräsentativ ist.

Das gleiche gilt für die Gefährlichkeit. Der führende Virologe Deutschlands (oder einer der führenden) sagt, dass der Virus ungefährlicher als Sars-1 ist, aber sich leichter verbreitet, weil er sich mehr im Rachen als in der Lunge herumtreibt.

Aber in Italien sterben doch so viele. Es werden Zahlen von 3.5% der Betroffenen berichtet. Aber woher weiss man, wie viele in Italien betroffen sind.

Werden wir jemals wissen, wie viele Menschen vom Virus befallen wurden? Ziemlich sicher nicht.

Also: nichts Genaues weiss man nicht?

Doch, es gibt doch eine Möglichkeit zu mindestens etwas herauszubekommen und die kommt von der EU.

Es gibt seit 2009 eine Stelle, die alle Todesfälle in 24 EU-Staaten (Deutschland ist nur durch die Länder Berlin und Hessen vertreten) addiert. Aufgegliedert werden die Zahlen nur nach dem Alter in vier Gruppen: 0-4, 5-14,15-64,>=64 Jahre. Die Ergebnisse werden auf einer Webseite (www.euromomo.eu) als Todesfälle pro Woche dargestellt. Man erkennt eine wellenförmige Basislinie. Im Winter sterben mehr Menschen als im Sommer. Im Winter treten fast jedes Jahr zusätzliche Spitzen auf. Diese können die Todeszahlen um 25% erhöhen.

Wie schlimm sich der Coronavirus ausgewirkt hat, wird man in diesen Daten in den nächsten Monaten sehen können.

Wenn dann keine Spitze zu sehen ist, können die einen sich auf die Schulter klopfen, weil sie ja schon immer gesagt haben, dass alles Panikmache sei und die Politiker können sich auf die Schulter klopfen, weil sie durch ihre Massnahmen die Spitze verhindert haben.

Diese Statistik gibt keine Antwort darauf, wer hier Recht hat.

Die Statistik beantwortet nur eine Frage: «War was?»

Neue Sau gesucht

Mein Physiklehrer sagte einmal, dass er wegen einer einseitigen Lungenentzündung doch den Unterricht nicht ausfallen lässt. Ach ja, damals.

80% aller vom Corona-Virus betroffenen Menschen haben keine Symptome. 19.x% haben leichte Symptome (Kratzen im Hals etc.) Von diesem 19.x% sind sicherlich die Hälfte Männer. Bei leichten Symptomen gehen die wenigstens Männer zum Arzt.

Die Ausbreitung des Virus soll jetzt verhindert werden durch Quarantäne. Die 20% mit Symptomen kann man ja noch finden und in Quarantäne stecken. Aber wie findet man die 80% ohne Symptome? Auch wer keine Symptome hat, kann vermutlich den Virus verbreiten.  Wieso stellt eigentlich kein Journalist diese Frage?

In der Regionalpresse schrieb ein Arzt, dass der Virus gekommen sei, um zu bleiben.

Es werden jetzt Messen abgesagt, die Lufthansa hat die Hälfte der Flüge abgesagt, in Italien haben alle Schulen und Unis geschlossen, Fussballspiele und sonstige Grossveranstaltungen sollen verboten werden. Was macht man, wenn der Virus bleibt? Hebt man die Verbote wieder auf? Mit welcher Begründung?

75% der Bevölkerung ist nicht besorgt wegen dem Virus. Wir brauchen dringend eine andere Sau, die die Medien durch Dorf jagen können.

Warnung

Die Behauptung, dass es immer mehr Stürme gibt, gehört zum Standardrepertoire von Qualitätsjournalisten (und Leserbriefschreibern der FR). Sie haben zwar die wissenschaftliche Literatur nicht gelesen (Da findet man das auch nicht). Aber es findet sich schon ein Wissenschaftler, der ihnen das bestätigt.

Ein Liebling der Qualitätsjournalisten ist der Kieler Klimaforscher Prof. Mojib Latif (für die Jazzer: nicht verwandt mit Yusef Lateef).

Von der Regionalpresse wurde er jetzt befragt, ob der Sturm «Sabine» durch den Klimawandel verursacht wurde. Dazu machte er folgende Aussage:

Da stochern die Klimaforscher noch im Nebel. Der Blick in die Vergangenheit zeigt keinen offensichtlichen Trend zu mehr Orkanen.

Wenn er so weiter macht, warnt eines Tages noch das Bundesumweltamt vor ihm.

Symbolpolitik

SPON beklagt sich darüber, dass das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 in Kraft geht. Das sei das falsche Symbol.

Die Hintergründe: Datteln 4 ist geplant worden als Ersatz für drei ältere Kohlekraftwerke, die von Uniper (damals E.ON) zur Stilllegung bei der Bundesnetzagentur angemeldet wurden. Als wegen einer Klage der Bebauungsplan für den Standort für ungültig erklärt wurde und damit die auf dem Bebauungsplan basierende Genehmigung ungültig wurde, hat Uniper beantragt, die alten Kraftwerke weiter laufen zu lassen. Dies wurde im ersten Moment verweigert. Da aber die Kraftwerke nicht nur 50Hz-Strom für das öffentliche Netz, sondern auch 16Hz-Strom für das Bahnnetz liefern, wäre es zu Problemen beim Betrieb des Eisenbahnverkehrs im Ruhrgebiet gekommen. Also laufen die drei alten Kraftwerke weiter.

Was würde passieren, wenn Datteln 4 nicht in Betrieb geht? Die Kosten für Datteln 4 dürften in der Größe von ca. 2 Mrd. Euro liegen. Uniper würde entsprechende Entschädigungen verlangen. Auf den Stromverbrauch dürfte die Entscheidung keinen Einfluss haben. Der Strom würde also weiter von den älteren Kraftwerken erzeugt mit der Folge, dass mehr CO2 emittiert wird.

Also entweder falsches Symbol zu hohen Kosten mit viel CO2 oder richtiges Symbol mit hohen Kosten und mehr CO2.

Wäre die Entscheidung anders gefallen, hätte es vermutlich einen Kommentar mit dem Vorwurf verfehlter Symbolpolitik geworden.   

Oder ist es doch die Regierung?

Es heißt jetzt vielfach, dass die Politik der Bundesregierung an der Krise der Windkraft schuld sei. Seit 2017 erhält nicht mehr jeder automatisch eine garantierte Vergütung für 20 Jahre. Es werden Leistungen ausgeschrieben und wer am wenigsten bietet, erhält die gebotene Vergütung für 20 Jahre.

Im folgenden Diagramm ist die bei den Auktionen gebotene Leistung dargestellt:

Bereits nach kurzer Zeit brach die gebotene Menge ein. Es haben sich während dieser Zeit weder die Klagen erhöht, noch sind die Genehmigungsverfahren kompizierter geworden oder haben sich die Abstandsregeln geändert.

Es bleiben nicht mehr viele Gründe übrig. Es könnten die Flächen knapp geworden sein.

Von einem Manager war zu hören, dass sich die Windenergie bei den Preisen, die bei der Auktion erzielt werden, nicht mehr lohnt. Bei den letzten Ausschreibung lag der Vergabepreis bei 6.2 ct/kWh. An der Strombörse liegt der Preis für konventioneller Strom bei ca. 4 ct/kWh.

Ein Grund könnte auch einfach Sättigung sein. Die Projektbetreiber haben in den letzten Jahren so gut verdient, dass sie sich die Mühe für neue Anlagen nicht mehr machen wollen. Andererseits, wer gibt ein gut gehendes Geschäft auf?

Vor der Markliberalisierung gab es ein paar Große, die den Markt bestimmt haben. Die hätte man einfach fragen können.