Archiv der Kategorie: Logik

Haben Sie das berücksichtigt?

Man hört häufig, dass Deutschland Exportweltmeister sei.

Das ist falsch oder zu mindestens nicht ganz richtig. Wenn man eine Liste der Länder mit den meisten Exporten aufstellt, liegt Deutschland auf Platz 3 hinter China und den USA.

Nimmt man die Exporte pro Einwohner, dann liegt Deutschland auf Platz 16.

Deutschland ist aber das Land, das den größten Exportüberschuss hat. Wenn man ihn auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezieht, steht Deutschland auf Platz 19.

Deutschlands Überschuss beträgt 260 Mrd. Euro = 7.4% des BIP. Alles über 6% gilt in der EU als stabilitätsgefährend. Deutschland sollte also mehr im Ausland kaufen, und zwar für mindestens 50 Mrd. Euro.

Das Forschungszentrum Jülich hat gerade eine Studie veröffentlicht, dass man Deutschland bis 2050 um 80% dekabonieren könnte. Die Kosten seien akzeptabel, da wir dann nicht mehr für mehr als 60 Mrd. Euro fossile Brennstoffe im Ausland kaufen müssen. Damit wird Deutschlands Exportüberschuss aber noch weiter steigern.

Deutschlands Strombedarf wäre dann ca. 1000 TWh. Bei einem Strompreis von 6 ct/kWh könnte man diesen Strom für 60 Mrd. Euro im Ausland einkaufen. Mit dieser Lösung wäre das Problem des Exportüberschusses zwar nicht gelöst, aber immerhin nicht verschlimmert.

Kosten gespart?

Es wird häufig in der Presse behauptet, dass die Energiewende Kosten beim Import von Brennstoffen spart.

Im Jahre 2004 produzierten die deutschen Kernkraftwerke 158 TWh Strom. Im Jahre 2018 produzierten die Wind- und Solarkraftwerke in Deutschland 157 TWh Strom. Die verbliebenden Kernkraftwerke produzierten 72 TWh. Es ist nicht anzunehmen, dass die Produktion der Wind- und Solaranlagen in den nächsten 3 Jahren um 50% steigt. Das bedeutet, dass die Wind- und Solaranlagen nicht ausreichen, um den Ausfall der Kernenergie zu kompensieren. Vermutlich wird das Defizit durch den Import von Steinkohle und Erdgas ausgeglichen.

Die Aussage in der Presse ist also richtig, wenn man den Ausstieg aus der Kernenergie nicht als einen Teil der Energiewende betrachtet. Für die meisten gehört der Kernenergieausstieg aber zur Energiewende.

Aber man hat ja immerhin die Brennstoffkosten für die Brennstoffkosten der Kernkraftwerke eingespart. Dies sind grob geschätzt 1 Mrd. Euro pro Jahr. Um diese 1 Milliarde einzusparen, zahlen wir über 20 Milliarden für die EEG-Umlage. Nicht unbedingt ein gutes Geschäft.

Ohne den Kernenergieausstieg würden alle CO2-freien Kraftwerke (Kernenergie, Wind, Solar, Wasser und Biomasse) 70% des Stromverbrauches der öffentlichen Netze liefern.

Vorzeitig gestorben! Aber wie lange?

In der Presse liest man fast täglich von vorzeitigen Todesfällen durch Luftverschmutzung. Woher weiß man aber, ob jemand vorzeitig gestorben ist? Vor allem würde mich interessieren, um wieviel die Menschen vorzeitig gestorben sind.

Man vergleicht die durchschnittliche Lebensdauer von Personengruppen und rechnet dann auf die Anzahl vorzeitiger Todesfälle um.

Es wird aber verschwiegen, dass die Umrechnung sehr problematisch ist. Man weiß nicht, ob sie richtig ist. Auf der Seite «unstatistik.de» wird das kritisiert.

Ein Beispiel: es gibt drei Zwillingspärchen Au, Ab, Bu, Bb, Cu und Cb. Die mit dem zweiten Buschstaben «u» leben in einer unbelasteten Gegend, die mit dem «b» in einer belasteten Gegend. Sie erreichen folgendes Lebensalter: Au 79, Ab 78, Bu 80, Bb 79, Cu 81 und Cb 80 Jahre. Die Menschen in der belasteten Gegend leben im Schnitt 1 Jahr weniger. Daraus werden 3 vorzeitige Todesfälle errechnet.

Bei einer anderen Messung ergibt sich für drei Zwillingspärchen: Au, Ab, Bu Bb werden 79 Jahre alt, Cu 81 und Cb 78 Jahre. Im Durchschnitt leben die belasteten 1 Jahr weniger und es werden ebenfalls 3 vorzeitige Todesfälle berechnet. In Wirklichkeit ist aber nur eine Person vorzeitig gestorben.

Wie man sieht ist die Berechnung durchschnittlicher Verkürzung der Lebenszeit sinnvoll, aber daraus die Anzahl vorzeitiger Todesfälle zu berechnen, doch sehr zweifelhalft.

(Über)kapazität

In unserer Zeitung erschien ein Interview mit dem GRÜNEN-Politik Anton Hofreiter.

Er wurde gefragt, ob es ein Problem mit der Versorgungssicherheit gäbe, wenn man Braunkohlekraftwerke abstelle. Er antwortete, dass das nicht der Fall sei, weil Deutschland Überkapazitäten habe. Gleichzeitig feierte er das Abschalten dieser Überkapazitäten als Erfolg für den Klimaschutz.

Was sind Überkapazitäten? Das sind in diesem Fall Kraftwerke, die nicht laufen, weil man sie nicht braucht.

Ich besitze drei Fahrräder. Da ich aber immer nur ein Fahrrad benutzen kann, sind die anderen beiden Fahrräder Überkapazitäten. Wenn ich Rad fahre, erzeuge ich Feinstaub durch den Abrieb der Reifen und der Bremsen. Um etwas gegen die Feinstaubbelastung zu tun, beschließe ich also meine Überkapazitäten zu verschrotten. Wieso dadurch die Feinstaubbelastung abnehmen soll, erschließt sich dem Leser nicht. Fragen Sie Herrn Hofreiter. Ich weiß es auch nicht.

Ökonomisches Nullsummenspiel?

Wir sind alle durch unsere Ausbildung und berufliche Tätigkeit in unserem Denken geprägt. Man nennt das auch «deformation professionelle». Ich bin einmal durch einen Kollegen darauf hingewiesen worden, dass ich Zusammenhänge überprüfe, in dem ich das Verhalten unter Extrembedingungen betrachte.

Das ist typisch für Physiker. Ich lese gerade ein Buch über Kosmologie, in dem der Autor behauptet, dass die allgemeine Relativitätstheorie nicht das Ende vom Lied sein kann, weil es beim «Urknall» zu einer Singularität führt, d.h. es wird etwas unendlich groß, was nicht sein kann.

Manche Menschen glauben, dass es Reiche gibt, weil es Arme gibt und zitieren zum Beweis Bertold Brecht. Wenn Reichtum entsteht, weil gleichzeitig Armut entsteht, dann bedeutet das, dass die Summe aus dem Reichtum und der Armut immer konstant ist.

Jetzt kommt die deformation professionelle. Das Extrem ist die Jungsteinzeit. Nach obiger Theorie besitzen Arme und Reiche heute zusammen genauso viel wie die Armen und Reichen in der Jungsteinzeit. Offensichtlich ist das absurd. Irgendetwas kann an der Theorie also nicht stimmen.

Kerosinsteuer

Die „Gelben Westen“ fordern eine Steuer auf Flugbenzin (Kerosin).

Die Kerosinsteuer ist ein beliebtes Thema. Für inländische Flüge könnte es in der EU jederzeit eingeführt werden. In den Niederlanden wurde es für Inlandsflüge (gibt es die in den Niederlanden?) eingeführt.

Interessanter sind aber die transnationalen Flüge. Die Steuerfreiheit ist in dem Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt geregelt. Ein Austritt aus diesem Abkommen ist wohl nicht angebracht.

Mitgliedsländer können aber von einzelnen Regelungen des Vertrags abweichen. Es besteht nur eine Mitteilungspflicht.

Was würde passieren, wenn ein Land wie Frankreich eine Kerosinsteuer einführen würde. Wenn die Steuer sehr gering wäre, natürlich nichts. Aber die Steuer soll natürlich eine Lenkungswirkung haben.

Wer in einer großen Stadt wie Paris (82 Minuten mit dem TGV nach Brüssel)oder in der Nähe der Grenze lebt, fährt zum nächsten ausländischen Flughafen und fliegt ohne Kerosinsteuer. Wer sind die Gelackmeierten? Die Menschen, die auf dem Lande und im Zentrum des Landes leben. Was machen die dann? Sie legen eine gelbe Weste an und …

Subventionen für Haustiere

Was sind Subventionen? Juristen bezeichnen Zahlungen aus der Staatskasse an Betriebe als Subventionen. Volkswirte bezeichnen auch Steuervergünstigungen und Sozialleistungen als Subventionen. Steuervergünstigungen sind aber nur Subventionen, wenn davon nur einige, nicht alle profitieren.

Im Alltag versteht man wohl am ehesten unter Subvention die juristische Definition.

In der Zeitung las ich vor kurzem, dass weltweit fossile Energien mit 600 Mrd. Euro subventioniert werden. Greenpeace berechnet für Deutschland allein 46 Mrd. Euro. Aber man muss schon in die detaillierten Berichte schauen, um zu verstehen, welche Definition von Subvention gemeint ist. Ein Blick in den Greenpeace-Bericht zeigt, dass nach juristischer Definition keine Subventionen gezahlt werden. Die Subventionen berechnen sich hauptsächlich aus Steuersubventionen. Es wird sogar ein erweiterter Subventionsbegriff verwendet.

Gemäss einem internationalen Abkommen wird der Treibstoff für internationale Flüge (Kerosin) nicht besteuert. Dies wird als eine Subvention betrachtet. Doch wie hoch ist die Subvention? Eine Kerosinsteuer könnte ja einen beliebigen Steuersatz haben. Verglichen wird wohl mit dem Steuersatz auf Benzin. Wenn also die Steuer auf Benzin sinkt, sinken auch die Subventionen für Kerosin. Auch Diesel wird nach dieser Definition subventioniert, weil der Steuersatz auf Diesel niedriger ist als auf Benzin.

Wenn man also die Benzinsteuer abschafft, schafft man gleichzeitig die Subventionen für Kerosin ab.

Jetzt soll ja durch eine CO2-Steuer das Benzin teurer werden. Damit wird automatisch die Subvention für Kerosin erhöht.

Mit der Ausnahme von Hunden werden Haustiere nach diesem Schema subventioniert, denn es gibt eine Hundesteuer, aber keine Katzen- oder Hamstersteuer und auch keine Kanarienvogelsteuer.

Man könnte natürlich auch so argumentieren, dass die Hunde diskriminiert werden. Ist das Gegenteil von Subvention Diskriminierung?

Wahrscheinlich gilt der weise Ausspruch eines früheren Kollegen: «Jede Berechnung ist sinnlos, wenn man nicht weiß, was rauskommen muss.»

Politisch-korrekter Trugschluss…

Ein Mitarbeiter bei Google hat ein Manifest geschrieben, in dem er behauptet, dass Frauen für Informatik nicht geeignet seien. Er vermutet dahinter genetische Gründe. Ich bezweifle, dass das so ist.
Wenn jedoch eine Firma einen Frauenanteil von 50% anstrebt, könnte dieser Eindruck entstehen.
Es liegt daran, dass der Anteil der Frauen an Informatikstudierenden nur ca. 17% ist. Nehmen wir als Beispiel an, dass 83 Männer und 17 Frauen an einer Universität studieren und dass es gute und weniger gute Studenten gibt. Dies soll aber unabhängig vom Geschlecht sein. Vielleicht passt eine Normalverteilung («Glockenkurve») ganz gut.
Eine Firma bietet jetzt 34 Studenten einen Vertrag an. Da die Firma einen Frauenanteil von 50% anstrebt, bietet sie also 17 männlichen und 17 weiblichen Studenten einen Vertrag. Das Ergebnis ist, dass die Firma alle Frauen anstellt, bei den Männern aber nur die besten 20% nimmt.