Archiv der Kategorie: Klima

Post oder Cholera?

Gestern sah ich (im Fernsehen) zwei Forscherinnen, die in den französischen Alpen Insekten fingen. Nach ihrer Aussage nimmt die Anzahl der Insekten dort nicht ab. In Deutschland hat man in der Krefelder Insektenstudie das Gegenteil festgestellt.

Die Krefelder Insektenstudie hat aber keine Einflussfaktoren auf die Abnahme der Insekten finden können.

Es fällt auf, dass etwa 2003-2004 das Insektensterben sich beschleunigt hat. Üblicherweise ist der erste Verdächtige das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Der Gebrauch von Glyphosat ist aber zu diesem Zeitpunkt nicht angestiegen.

Es fällt aber auf, dass das Insektensterben parallel mit dem Ausbau der Windenergieanlagen verläuft. Um festzustellen, ob da überhaupt ein Zusammenhang sein kann, sollte man zuerst eine grobe Abschätzung der Mengen machen.

Dankeswerterweise hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Literaturstudie durchgeführt (www.dlr.de/tt/fluginsekten).

Es ist bekannt, dass tote Insekten auf den Rotorblättern zu bis zu 50% Leistungseinbuße führen können. Man war bisher der Meinung, dass Insekten nur bis 30 m fliegen und das auch nur wenn kein Wind weht.

Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Insekten, wenn sie sich neue Brutplätze suchen, sehr hoch fliegen können und starke Winde bevorzugen. In der Studie wird eine konservative Abschätzung über die Menge der getöteten Insekten gemacht. Das Ergebnis ist 1200 t pro Jahr. Dies könnte einen signifikanten Einfluss auf die Insektenpopulation haben.

So eine Studie kann eigentlich nur der Anfang sein. Man müsste sich die Sache doch detaillierter ansehen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit lehnt aber eine Förderung weiterer Forschung ab.

Nur mal als Gedankenspiel: es stellt sich heraus, dass die Windenergieanlagen für das Insektensterben verantwortlich sind. Wir haben also die Wahl zwischen Zusammenbruch das Ökosystems (Insektensterben) oder Aussterben der Menschheit (Klimawandel). Früher sagte man, Pest oder Cholera.

Da ja üblicherweise auf das überlegene deutsche Vorsorgeprinzip verwiesen wird, müssten wir eigentlich alle Windenergieanlagen abschalten, bis wissenschaftlicher Konsens herrscht, dass es nicht an den Windturbinen liegt. Das kann aber dauern.

Vielleicht hat das Ministerium doch recht, dass man da nicht forschen muss, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Fehlschluss verhindert

Die NASA veröffentlicht auf ihrer Webseite die globale Temperatur (siehe Diagramm weiter unten). Gerade ist der Wert für 2018 erschienen (+0.83°C). Damit ist die Temperatur jetzt das zweite Jahr hintereinander gesunken. Wenn das noch 8 Jahre so weiter geht, ist der ganze Klimawandel weg. Ein Horrorszenario, dass natürlich nicht eintreten wird.

Eigentlich wäre die Kurve ja das ideale Argument für jeden Klimaforscher und Klimajournalisten, um zu zeigen, wie viel noch über den Klimawandel zu erforschen und zu berichten ist, z. B. wie der Knick zu erklären ist.

Aber das Sinken der Temperatur wird in keiner Meldung thematisiert (zu mindestens habe ich nichts gesehen), weil befürchtet wird, dass die Leser zu blöd sind und die falschen Schlüsse ziehen. Deshalb bewahren verantwortliche Journalisten die blöden Leser vor Fehlschlüssen. Nur die bei der NASA haben das noch nicht kapiert.  

Globale Temperaturerhöhung relative zu 1951-1980 Durchschnitt

Außer Spesen und Thomas Münzer

Die sogenannte Kohlekommission hat ihren Bericht auf 336 Seiten vorgelegt. Davon widmen sich aber nur wenige Seiten der künftigen Stromversorgung und nur eineinhalb Seiten der Versorgungssicherheit.

Der größte Teil besteht aus Ideen wie man eine Industriebrache verhindert, z. B. durch ein Museum «Thomas Münzer und der Bauernkrieg».

Es wird nur beschrieben wie viel GW Stromerzeuger aus Braunkohle und Steinkohle wann vom Markt gehen sollen. Nur in einem Satz wird davon gesprochen, dass die Kohleverbrennung durch Gasverbrennung ersetzt werden soll. Immerhin wird das Problem angesprochen, dass es keine neuen Gaskraftwerke gäben könnte, wenn die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Dann sollte es einen «systematischen Investitionsrahmen” geben. Was man sich darunter vorstellen soll, wird nicht weiter ausgeführt.

Wie das Ganze umgesetzt werden soll, bleibt im Dunklen. Die „Zeit“ schreibt, dass die Regierung bis April Vorschläge zur Umsetzung vorlegen soll. Wenn wir in England wären, könnte man jetzt Wetten abschließen, was sich mehr verzögert: der Berliner Flughafen oder der Kohleausstieg.

Deichen oder Weichen

Es gib wohl kaum ein Land, dass bei steigendem Meeresspiegel betroffen ist wie, nein nicht Bangla-Desh, die Niederlande. Über 50% der Bewohner (9 Millionen) wohnen unterhalb des Meeresspiegels. Auf der anderen Seite haben die Niederländer jahrhundertlange Erfahrungen mit Deichbau.

Der niedrigliegende Teil der Niederlande ist aufgeteilt in 53 Deichringe. Die Ringe um die großen Städte sind so hoch, dass nur alle 10’000 Jahre mit einer Überschwemmung gerechnet werden muss. Steigt der Meeresspeigel um 70 cm, muss alle 100 Jahre mit einer Überschwemmung gerechnet werden.

Die niederländische Regierung hat bereits 2008 die Kosten berechnen lassen, wenn der Meeresspiegel steigt und die Deiche erhöht werden müssen. Das Ergebnis ist 0.1% bis 0.2% des Bruttosozialprodukts. Ein bezahlbarer Betrag.

Mehr dazu hier.

Was kostet der Deich?

Ich habe im Internet eine Aufzeichnung von der letzten Klimakonferenz in Kattowice gefunden.

Ein englischer Forscher hat die Ergebnisse seiner Studien präsentiert. Es ging unter anderem darum, welcher Effekte ein Wirbelsturm in Bangladesh hat unter der Berücksichtigung des Meeresspiegelanstiegs. Es wurde gezeigt, dass es immer schlimmer wird, wenn der Meeresspiegel steigt. Das ist natürlich zu erwarten, aber interessant waren natürlich die Zahlen, wie viel Land und wie viele Menschen es betrifft.

Ein Punkt wird aber nie erwähnt. Welchen Effekt hätte der Bau eines Deiches? Wie viel würde ein solcher Deich kosten und wie lange würde es dauern ihn zu bauen. Irgendwo habe ich von Baukosten von 4 Mrd. Euro gelesen.

Stillstand

Wenn man mal die Extremisten beider Seiten weglässt, dann ging der Streit der Klimaforscher darum, wie groß der menschengemachte Anteil am Klimawandel ist. Bisher war man der Meinung, dass nur ein Teil des Klimawandel natürlichen Ursprungs ist und der andere Teil menschengemacht.

Im neuen Regelwerk sind Entschädigungszahlungen für Klimaschäden vorgesehen. Dazu müsste man eigentlich wissen, wie groß der jeweilige Anteil ist, denn für den natürlichen Klimawandel gibt es keine Entschädigungen. Da ist natürlich ewiger Streit vorprogrammiert.

Da hat der Weltklimarat aber vorgesorgt. Zur großen Überraschung hat er im letzten Bericht festgestellt, dass der Klimawandel ganz menschengemacht ist.

Wenn man das weiterdenkt, dann bedeutet das, dass der ewige Klimawandel am Beginn der industriellen Revolution zum Stillstand gekommen ist. Wenn wir kein CO2 mehr emittieren, dann bleibt das Klima auf ewig wie es ist.

In der Kürze liegt die Würze

Die Klimakonferenz in Katowice dauert 13 Tage. Nehmen wir mal an, dass jeden Tag 10 Stunden verhandelt wird. 13 Tage mal 10 Stunden mal 3600 Sekunden macht 468’000 Sekunden.

Es nehmen 22’000 Delegierte teil. Es bleiben dann für jeden Delegierten ca. 20 Sekunden Redezeit.

Natürlich gibt es parallele Sitzungen. Bei 10 parallelen Sitzungen kommt man immerhin auf mehr als 3 Minuten.

Energiewende theologisch

Heute ging es in unserer Regionalzeitung (Nordwest-Zeitung, NWZ) natürlich auch uns Klima. An wen stellt man wohl die Frage: «Wie steht Deutschland aus Ihrer Sicht bei der Energiewende da?» Sie haben richtig geraten: an den Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck. Die Antworten erspare ich dem Leser.
Der Weltklimarat (IPCC) gilt bei allgemein als die unantastbare Instanz, was die Erforschung des Klimawandels und seine Bekämpfung betritt. Kritik an ihm gilt als Häresie. Wer behauptet, dass der IPCC hat auch politische Agenda hat, hat sich disqualifiziert.
Dummerweise ist der IPCC der Meinung, dass man mit Sonnen- und Windenergie den Klimawandel nicht in den Griff bekommt. Man braucht auch Kernenergie und CCS (das Abtrennen von Kohlendioxid aus den Abgasen und Verpressen unter der Erde). Diese Techniken fürchtet der aufrechte deutsche Grüne aber mehr als der Teufel das Weihwasser. Ein Herr Christoph von Lieven, Sprecher für Greenpeace, erklärte dies in der NWZ für ein «politisches Zugeständnis». Der Weltklimarat macht politische Zugeständnisse?? An wen?
«Technologien wie CCS sind im Interesse von Erdölexporteuren wie Saudi-Arabien und der Kohleindustrie, die Geschäftsmodelle bedroht sehen.» erklärt er.
Wem soll man da noch glauben, wenn selbst der IPCC von RWE unterwandert ist?

Neue Zeitkonstante

In der Physik gibt es ein Bonmot, dass der erste Fusionsreaktor in 50 Jahren fertig ist und dass diese Aussage unabhängig davon ist, wann sie gemacht wurde.
Ich erwarte mit dem Klimawandel eine ähnliche Aussage. Jetzt heißt es, dass wir noch 10 Jahre Zeit haben, um ihn aufzuhalten. Diese Aussage wird auch in der Zukunft gelten.
Was würde passieren, wenn man plötzlich erkennt, dass man den Zeitpunkt verpasst hat? Warum sollte man dann noch Geld für die Energiewende ausgeben? Warum sollte man dann noch Klimaforschung betreiben?

Lasche Haltung

Vor kurzem gab Prof. Schellnhuber der FR ein Interview. In darauffolgenden Leserbriefen wurde er für seine «lasche» Haltung kritisiert.
Wenn man das Interview genau durchliest, dann stellt man fest, dass Prof. Schellnhuber meistens im Konjunktiv spricht. Er hat dazugelernt. Vor Jahrzehnten hat man noch grosszügig Prognosen gemacht in der Art «2010 gibt es keinen Schnee mehr in den Alpen.».
Wenn mal ehrlich ist, muss man zugeben, dass man zwar weiss, dass es wärmer wird. Wieviel es jedoch wärmer wird und wo und welche Folgen das hat, das wissen wir nicht genau und können es vielleicht auch gar nicht wissen bei einem chaotischen System wie dem Klima. Die Vorhersagen schwanken zwischen 1.5° und 4.5° bis zum Jahr 2100.
Leute wie Prof. Schellnhuber meinen, dass eine vollkomme Änderung unserer Lebensweise und unseres Gesellschaftssystems notwendig seien. Das hat ihm den Vorwurf einer «Ökodiktatur» eingetragen.
Wenn ich derartig starke Veränderung fordere, dann müssen dahinter auch Annahmen für die Folgen des Klimawandels stecken. Ich habe den Eindruck, dass wer maximale Veränderung fordert auch von maximalem Schaden ausgeht. J. Trittin hat sich mal in einem Interview auf Phoenix dahingehend geäussert. Man müsse die pessimistischsten Prognosen zur Basis der Politik machen.
Dieses wurde mMn niemals in Deutschland diskutiert.
Nach meinem Eindruck widerspricht es der menschlichen Natur immer vom schlimmsten auszugehen (Ausnahmen bestätigen die Regel.). Wenn ich vom schlimmsten ausgehe (in zwei Minuten bin ich tot), dann führt das zum Fatalismus.