Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Verfall der Sitten?

Die SPD hat jetzt den Vorschlag gemacht, dass Anwohner von Windpark finanziell an diesen beteiligt werden. Man hofft dadurch die Klagen der Anwohner zu verhindern.

Es gab immer schon Vorwürfe an Kläger (meistens Naturschutzverbände), dass sie sich ihr Klagerecht in einem Vergleich abgekauft haben lassen. Diese haben sich gegen diese Vorwürfe vehement gewehrt.

In der Öffentlichkeit würde ein solches Verhalten nicht sehr günstig beurteilt. Ob ein derartiges Verhalten nicht sogar gegen die guten Sitten verstösst, wage ich nicht zu beurteilen.

Es werden gemäss einer Umfrage nur 20% der Windparkprojekte beklagt.

Nehmen wir mal an, dass dann niemand mehr klagt. Was bedeutet das dann?

Den Menschen, die aus Naturschutzgründen geklagt haben, war ihr eigener Geldbeutel wichtiger als die Natur. Es geht ihnen gar nicht um den Naturschutz.

Viele Menschen behaupten, dass sie gesundheitliche Probleme durch die Windturbinen haben. Wenn diese Menschen auf Klagen verzichten, kann der gesundheitliche Schaden wohl nicht sehr groß gewesen sein.

Die SPD unterstellt also den Klägern im Grunde, dass ihre Klagegründe nur vorgeschoben oder eingebildet sind.

Zu mindestens hat keine der Kläger ehrenwerte Gründe, denn ehrenhafte Gründe wird sich man ja nicht abkaufen lassen.

Ob man damit Wählerstimmen gewinnt, wage ich zu bezweifeln.

Erbärmliche Logik

Ich schaue seit Jahren keine politischen Magazine mehr im Fernsehen. Heute habe ich nicht schnell genug abgeschaltet und einen Bericht im Magazin Kontraste gesehen. Es ging um die eventuell bedrohte Meinungsfreiheit an den deutschen Universitäten. Am Beginn wurden tumultartige Szenen bei der Verhinderung der Vorlesung von Prof. Lucke an die Universität Hamburg gezeigt. Um dann zu belegen, dass die Meinungsfreiheit nicht bedroht ist, werden drei Professoren beschrieben, die ich unter Spinner einordnen würde. Soviel zur bedrohten Meinungsfreiheit heißt es im Abspann.

Was wollen uns die Journalisten damit sagen? Solange noch ein Spinner seinen Unsinn verbreiten kann, ist die Meinungsfreiheit nicht gefährdet?

Die Meinungsfreiheit aller ist nicht gefährdet, aber es wird manchmal versucht, die Meinungsfreiheit einzelner einzuschränken.

Prof. H.-W. Sinn wurde von der Universitätsgesellschaft zu einem Vortrag eingeladen. Hunderte von Studenten und Mitarbeitern der Universität haben die Universitätsleitung aufgefordert, ihn wieder auszuladen mit der Begründung, dass seine Ansichten nichts an dieser Universität zu suchen hätten.

Die Uni-Leitung hat ihn nicht ausgeladen und ein zusätzlicher Vortrag mit Diskussion fand ungestört statt.

Dr. Sabine Hossenfelder ist eine Physikerin, die die heutige Physik stark kritisiert. Nach ihrer Meinung hat die Grundlagenphysik in den letzten 50 Jahren keine Fortschritte gemacht. Insbesondere hält sie die Investition in einen neuen Teilchenbeschleuniger für rausgewordenes Geld. Sobald sie irgendwo zu einem Vortrag eingeladen wird, beginnt die Unterschriftensammlung, um sie wieder auszuladen. Kürzlich wurde ein Mitarbeiter aufgefordert, sie zu verprügeln.

Universitäten haben ein strukturelles Problem: die Kooptation (Wahl von Mitgliedern durch die übrigen Mitglieder einer Gemeinschaft). Wenn ein neuer Professor gewählt wird, dann wird er von den bereits anwesenden Professoren gewählt. Damit besteht die Gefahr, dass nur neue Professoren einen Lehrstuhl erhalten, die in etwa den gleichen Standpunkt vertreten wie die anderen Lehrstuhlinhaber. Dieses Problem gab es auch in der Sowjetunion. Wer anderer Ansicht war, schaffte es nicht weit in der Partei. Aber auch in Vorständen von Firmen gibt es dieses Problem. Es ist eben sehr menschlich, dass man lieber mit Menschen zusammenarbeitet, die in etwa der gleichen Meinung sind. Wer möchte schon dauernd in Frage gestellt werden?

Zurück zu den Journalisten. Es gibt einen bösen, diffamierenden, unfairen Satz über Journalisten:

«Ach, sie sind Journalist. Und als was sind sie gescheitert?» Sowie es unter den tausenden Professoren drei Spinner gibt, gibt es auch unter den Journalisten einige auf die der Witz zutrifft.

Rente statt Rauch

Mancher Raucher raucht eine Schachtel pro Tag. Die meistverkaufte Schachtel kostet zurzeit 6.70 Euro.

Wenn der Raucher stattdessen dieses Geld für die Rente spart und die Zinsen im Mittel 1% höher als die Inflation liegen, so kann der Nichtraucher eine Zusatzrente aus dem gesparten Geld von 737 Euro im Monat erzielen. Damit liesse sich manche Altersarmut verhindern.

Natürlich funktioniert das nicht freiwillig.

Deshalb kam mir die Idee zwangsweise bei niedrigen Einkommen die Beiträge zur Rentenversicherung zu erhöhen. Wenn die Erhöhung des Mindestlohnes in den letzten Jahren von 8.50 auf 9.35 Euro nicht ausbezahlt würde, sondern in die Rentenversicherung fließt, erhöht sich die Rente bereits um ca. 520 Euro. Dass Personen mit niedrigerem Einkommen dann einen prozentual höheren Beitrag zahlen, ließe sich durch höhere Lohnsteigerungen bei niedrigerem Einkommen schnell ausgleichen.

Moderne rückwärts?

Auf Zeit online findet man heute einen interessanten Artikel des Soziologen Armin Nassehi (https://www.zeit.de/2019/44/klimakrise-bekaempfung-moderne-gesellschaft-armin-nassehi) 1.

Im Folgenden ein kurzes Zitat:

Modernität bedeutet letztlich so etwas wie das, was man im politischen Bereich Gewaltenteilung nennt. Es ist ein evolutionärer Prozess, dessen Gesamtrichtung dahin geht, dass es Instanzen, die alles zusammenführen und in einem Prinzip aufheben, nicht mehr geben kann. Alles ist auf Wechselseitigkeit angewiesen und erfährt an sich selbst, dass sich das Gesamtsystem nicht allein ökonomisch, nicht allein rechtlich, nicht allein wissenschaftlich, nicht einmal allein religiös bestimmen, führen, verändern, gestalten lässt.»

Damit begründet er, dass die Forderung, dass alles sofort geändert werden müsse, (um den Klimawandel zu verhindern) in einer modernen Gesellschaft nicht realisierbar sei.

Für mich bedeutet das, dass die Forderung nach dem „alles und zwar sofort“ nur erfüllbar ist durch die Rückabwicklung der Moderne.

Ich empfinde es als fahrlässig, wenn Wissenschaftler jungen Menschen den Eindruck vermitteln, dass dies in einer modernen Demokratie möglich ist. Wenn die jungen Menschen irgendwann (wahrscheinlich sehr bald) merken, dass dies nicht geht, was wird ihre Schlussfolgerung sein?

In einigen Befragungen, die im Fernsehen zu sehen waren, äußerten sich junge Demonstranten bereits negativ über die Demokratie.

1 Kaum hatte ich den Artikel gelesen, verschwand er hinter der Bezahlschranke.

Auch Du, mein Bruder

Greta Thunberg sagt, dass man ihre Kindheit gestohlen hat.

Nichts was ich in meinem Leben getan habe, habe ich getan, um den Klimawandel zu stoppen. Ich fahre zwar wenig Auto und auch nur ein kleines Auto, aber nicht wegen des Klimawandels. Habe daher auch ich ihre Kindheit gestohlen?

Vor kurzem las ich von einem Psychologen, dass man die Psyche von Kindern beschädigt, wenn man ihnen Angst macht. Greta Thunberg wurde ihre Kindheit gestohlen, weil sie in Angst lebt. Die Ursache ihrer Angst ist der Klimawandel.

Jetzt haben die meisten Kinder aber keine Angst vor dem Klimawandel. Vielleicht weil ihre Eltern ihnen keine Angst vor dem Klimawandel machen. Vielleicht hat Greta Thunberg ja Angst, weil ihre Eltern Aktivisten sind und ihr Angst vor dem Klimawandel gemacht haben.

Greta Thunberg lebt in Schweden. Schweden ist eins der Länder, das vom Klimawandel profitieren wird.

Bangemachen gilt nicht!

Die R+V-Versicherung lässt jedes Jahr die Menschen in Deutschland befragen, wovor sie Angst haben.

Die letzte Befragung zeigt, dass die Menschen zurzeit relativ wenig Angst haben. Am erstaunlichsten ist jedoch, dass Angst vor dem Klimawandel und Wetterextremen erst am Ende der Liste auftaucht.

Wenn man den Medien glaubt, ist der Klimawandel das grösste Problem der Zeit und alle anderen Probleme sind dabei zu vernachlässigen. Ca. 60% der Menschen in Deutschland haben aber keine Angst vor dem Klimawandel. Greta Thunberg hat jeden Tag Angst und möchte, dass wir panische Angst bekommen.

Der Kommentar in der Regionalpresse war heute, dass die Menschen noch nicht genug über die Gefahren des Klimawandels aufgeklärt sind. Wie ist das möglich? Man hört und liest doch überall vom Klimawandel, selbst in der Philosophievorlesung wird er erwähnt. Professoren schreiben in der Zeitung, dass die Existenz der Menschheit durch den Klimawandel gefährdet ist und 60% haben keine Angst.

Vielleicht liegt es eher daran, dass die Warner etwas übertrieben haben? In den 80er Jahren hiess es, dass es im Jahr 2000 keinen Schnee mehr in den Alpen geben würde. Nach dem warmen Sommer 2003 hiess es, dass solchen warmen Sommer jetzt häufiger kommen. In den nächsten 15 Jahren kamen sie aber nicht.

Greta Thunberg prophezeit die Apokalypse, aber die Leute können es nicht mehr hören.

Den Zeugen Jehovas glaubt auch keiner, dass die Welt bald untergeht.

Sind Kraftwerke rassistisch?

Herr Tönnies hat «argumentiert», dass man durch Industrialisierung d.h. Kraftwerke die Geburtenrate in Afrika senken könnte. Das trägt ihm den Vorwurf des Rassismus ein.

Nach Duden ist Rassismus die «Lehre, Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen».

Rassisten würden also behaupten, dass die hohe Geburtenrate in Afrika biologisch («rassisch») begründet ist. Eine Industrialisierung ändert aber überhaupt nichts an den biologischen Merkmalen (so es solche überhaupt gibt). Ein Rassist würde Herrn Tönnies also entgegenhalten, dass sein Vorschlag nichts ändern würde, weil Afrikaner nun mal so seien wie sie sind. Rassisten behaupten, dass man nichts ändern könne, weil man die «rassischen» Merkmale eines Menschen nicht ändern kann.

Man könnte natürlich die Äusserungen so interpretieren, dass die Afrikaner auf Grund rassischer Merkmale nicht in der Lage seien, ihre ökonomische Situation selbst zu verbessern. Das lese ich aber in den Äusserungen nicht eindeutig.  

Heimatlos

Wer hat’s gesagt?(siehe unten) Die Aussage wird Adolf Hitler zugeschrieben. Ausserdem war Adolf Hitler Vegetarier.

Würde man ihn deshalb heute dem grün-ökologischem Lager zuordnen. Wohl kaum.

An der deutschen Energiewende gibt es sicherlich einiges zu kritisieren. Ich kenne einige Äusserungen von Physik-Professoren in dieser Richtung. Ich kenne auch Physiker, die den Ausstieg aus der Kernenergie für einen Fehler halten. Nur äussert sich (fast) niemand von denen in der Öffentlichkeit.

Ich kann mir vorstellen warum.

In Frankreich kann man Kernenergiebefürworter sein und gleichzeitig Sozialist (wie mein verstorbener Schwiegervater). Es soll sogar ein Land geben, in denen man für Kernenergie und gleichzeitig Grüner sein kann.

Wenn man an der deutschen Energiewende kritisiert, dass sie keine nennenswerte Reduktion der CO2-Emissionen gebracht hat, aber eine wenige Leute sehr reich gemacht hat (Umverteilung von unten nach oben), dann halte ich das für eine linke Position. Mit dieser Ansicht ist man aber in Deutschland politisch ziemlich heimatlos.

Ich habe den Eindruck, dass ich immer gleich einen Satz nachschieben muss, dass ich kein AfDler bin.

Ich halte es für einen Fehler, dass man die Kritik am Management der Energiewende nur der AfD überlässt. Hier sind die Anwohner sofort dagegen, wenn man ihnen eine Windturbine vors Haus stellen will. Unterstützung erhalten sie nur von der AfD. Muss das sein?

Biafra, je me souviens

Zu den Erinnerungen an meine Kindheit gehören die hungernden Kinder in Biafra (Nigeria).

Nigeria ist ein Land, in dem die Bevölkerung im Durchschnitt nur ein geringes Einkommen hat. Die Geburtenrate ist dem entsprechend hoch.

Es gibt eine eindeutige Korrelation zwischen dem Einkommen (gemessen als Bruttoinlandsprodukt) und der Geburtenrate. Ab einem gewissen Einkommen sinkt die Geburtenrate dramatisch. Es gibt nur wenige Ausnahmen (z.B. Saudi-Arabien) von dieser Regel. Der Zusammenhang ist natürlich keine einfache Kausalität. Es hat mit besserer Bildung, besserer Altersvorsorge und vor allem mit der Emanzipation der Frauen zu tun.

In Nigeria besteht keine allzu große Hoffnung auf Besserung der ökonomischen Lage.

Zurzeit hat Nigeria ca. 200 Millionen Einwohner. Die UN prognostiziert für das Jahr 2100 800 Millionen Einwohner. Dann ist Nigeria nach Indien und China das Land mit der größten Bevölkerung. Dass diese Entwicklung problemlos vonstattengehen wird, ist wohl kaum anzunehmen.

Es gibt viele Beispiele vor allem in Asien, dass bei guter ökonomischer Entwicklung eines Landes die Geburtenrate innerhalb von 10 Jahren stark gesunken ist.

Wie werden Länder nun reicher? Wie sind wir so reich geworden? Durch Industrialisierung!

Was braucht man zur Industrialisierung? Billige Energie und damit Kraftwerke!

Deshalb vertreten manche die Ansicht, dass es eine gute Idee wäre, wenn wir dafür sorgen, dass Nigeria (und andere afrikanische Staaten) zu Kraftwerken kommen, auch wenn es damit zum Ausstoss von CO2 kommt.

Das Ziel ist also den Menschen in Nigeria zu einem höheren Lebensstandard zu verhelfen und als Folge davon eine niedrigere Geburtenrate, von der alle profitieren.

Jetzt hat ein deutscher Manager davon gehört. Ob er es wirklich verstanden hat, kann man bezweifeln. Auf jeden Fall hat er dies in einer Rede erwähnt, und zwar in einer sehr flapsigen Art, wie sie früher an Männerstammtischen üblich war.

Dies Problem und die vorgeschlagene Lösung lassen sich in Deutschland aber heute wohl kaum seriös diskutieren.

Die eine Seite ruft sofort «Rassismus» und bei den anderen führt CO2 zu einer reflexartigen Abwehrhaltung und automatisch (Afrika = Sonne = Photovoltaik) kommt der Vorschlag mit der Photovoltaik. Leider liegt Nigeria in den Tropen und dort ist es fast immer wolkig und nachmittags regnet es.