Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Bangemachen gilt nicht!

Die R+V-Versicherung lässt jedes Jahr die Menschen in Deutschland befragen, wovor sie Angst haben.

Die letzte Befragung zeigt, dass die Menschen zurzeit relativ wenig Angst haben. Am erstaunlichsten ist jedoch, dass Angst vor dem Klimawandel und Wetterextremen erst am Ende der Liste auftaucht.

Wenn man den Medien glaubt, ist der Klimawandel das grösste Problem der Zeit und alle anderen Probleme sind dabei zu vernachlässigen. Ca. 60% der Menschen in Deutschland haben aber keine Angst vor dem Klimawandel. Greta Thunberg hat jeden Tag Angst und möchte, dass wir panische Angst bekommen.

Der Kommentar in der Regionalpresse war heute, dass die Menschen noch nicht genug über die Gefahren des Klimawandels aufgeklärt sind. Wie ist das möglich? Man hört und liest doch überall vom Klimawandel, selbst in der Philosophievorlesung wird er erwähnt. Professoren schreiben in der Zeitung, dass die Existenz der Menschheit durch den Klimawandel gefährdet ist und 60% haben keine Angst.

Vielleicht liegt es eher daran, dass die Warner etwas übertrieben haben? In den 80er Jahren hiess es, dass es im Jahr 2000 keinen Schnee mehr in den Alpen geben würde. Nach dem warmen Sommer 2003 hiess es, dass solchen warmen Sommer jetzt häufiger kommen. In den nächsten 15 Jahren kamen sie aber nicht.

Greta Thunberg prophezeit die Apokalypse, aber die Leute können es nicht mehr hören.

Den Zeugen Jehovas glaubt auch keiner, dass die Welt bald untergeht.

Sind Kraftwerke rassistisch?

Herr Tönnies hat «argumentiert», dass man durch Industrialisierung d.h. Kraftwerke die Geburtenrate in Afrika senken könnte. Das trägt ihm den Vorwurf des Rassismus ein.

Nach Duden ist Rassismus die «Lehre, Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen».

Rassisten würden also behaupten, dass die hohe Geburtenrate in Afrika biologisch («rassisch») begründet ist. Eine Industrialisierung ändert aber überhaupt nichts an den biologischen Merkmalen (so es solche überhaupt gibt). Ein Rassist würde Herrn Tönnies also entgegenhalten, dass sein Vorschlag nichts ändern würde, weil Afrikaner nun mal so seien wie sie sind. Rassisten behaupten, dass man nichts ändern könne, weil man die «rassischen» Merkmale eines Menschen nicht ändern kann.

Man könnte natürlich die Äusserungen so interpretieren, dass die Afrikaner auf Grund rassischer Merkmale nicht in der Lage seien, ihre ökonomische Situation selbst zu verbessern. Das lese ich aber in den Äusserungen nicht eindeutig.  

Heimatlos

Wer hat’s gesagt?(siehe unten) Die Aussage wird Adolf Hitler zugeschrieben. Ausserdem war Adolf Hitler Vegetarier.

Würde man ihn deshalb heute dem grün-ökologischem Lager zuordnen. Wohl kaum.

An der deutschen Energiewende gibt es sicherlich einiges zu kritisieren. Ich kenne einige Äusserungen von Physik-Professoren in dieser Richtung. Ich kenne auch Physiker, die den Ausstieg aus der Kernenergie für einen Fehler halten. Nur äussert sich (fast) niemand von denen in der Öffentlichkeit.

Ich kann mir vorstellen warum.

In Frankreich kann man Kernenergiebefürworter sein und gleichzeitig Sozialist (wie mein verstorbener Schwiegervater). Es soll sogar ein Land geben, in denen man für Kernenergie und gleichzeitig Grüner sein kann.

Wenn man an der deutschen Energiewende kritisiert, dass sie keine nennenswerte Reduktion der CO2-Emissionen gebracht hat, aber eine wenige Leute sehr reich gemacht hat (Umverteilung von unten nach oben), dann halte ich das für eine linke Position. Mit dieser Ansicht ist man aber in Deutschland politisch ziemlich heimatlos.

Ich habe den Eindruck, dass ich immer gleich einen Satz nachschieben muss, dass ich kein AfDler bin.

Ich halte es für einen Fehler, dass man die Kritik am Management der Energiewende nur der AfD überlässt. Hier sind die Anwohner sofort dagegen, wenn man ihnen eine Windturbine vors Haus stellen will. Unterstützung erhalten sie nur von der AfD. Muss das sein?

Biafra, je me souviens

Zu den Erinnerungen an meine Kindheit gehören die hungernden Kinder in Biafra (Nigeria).

Nigeria ist ein Land, in dem die Bevölkerung im Durchschnitt nur ein geringes Einkommen hat. Die Geburtenrate ist dem entsprechend hoch.

Es gibt eine eindeutige Korrelation zwischen dem Einkommen (gemessen als Bruttoinlandsprodukt) und der Geburtenrate. Ab einem gewissen Einkommen sinkt die Geburtenrate dramatisch. Es gibt nur wenige Ausnahmen (z.B. Saudi-Arabien) von dieser Regel. Der Zusammenhang ist natürlich keine einfache Kausalität. Es hat mit besserer Bildung, besserer Altersvorsorge und vor allem mit der Emanzipation der Frauen zu tun.

In Nigeria besteht keine allzu große Hoffnung auf Besserung der ökonomischen Lage.

Zurzeit hat Nigeria ca. 200 Millionen Einwohner. Die UN prognostiziert für das Jahr 2100 800 Millionen Einwohner. Dann ist Nigeria nach Indien und China das Land mit der größten Bevölkerung. Dass diese Entwicklung problemlos vonstattengehen wird, ist wohl kaum anzunehmen.

Es gibt viele Beispiele vor allem in Asien, dass bei guter ökonomischer Entwicklung eines Landes die Geburtenrate innerhalb von 10 Jahren stark gesunken ist.

Wie werden Länder nun reicher? Wie sind wir so reich geworden? Durch Industrialisierung!

Was braucht man zur Industrialisierung? Billige Energie und damit Kraftwerke!

Deshalb vertreten manche die Ansicht, dass es eine gute Idee wäre, wenn wir dafür sorgen, dass Nigeria (und andere afrikanische Staaten) zu Kraftwerken kommen, auch wenn es damit zum Ausstoss von CO2 kommt.

Das Ziel ist also den Menschen in Nigeria zu einem höheren Lebensstandard zu verhelfen und als Folge davon eine niedrigere Geburtenrate, von der alle profitieren.

Jetzt hat ein deutscher Manager davon gehört. Ob er es wirklich verstanden hat, kann man bezweifeln. Auf jeden Fall hat er dies in einer Rede erwähnt, und zwar in einer sehr flapsigen Art, wie sie früher an Männerstammtischen üblich war.

Dies Problem und die vorgeschlagene Lösung lassen sich in Deutschland aber heute wohl kaum seriös diskutieren.

Die eine Seite ruft sofort «Rassismus» und bei den anderen führt CO2 zu einer reflexartigen Abwehrhaltung und automatisch (Afrika = Sonne = Photovoltaik) kommt der Vorschlag mit der Photovoltaik. Leider liegt Nigeria in den Tropen und dort ist es fast immer wolkig und nachmittags regnet es.

Spezialist für „Kann das funktionieren?“

In der letzten Woche hörte ich eine Antrittsvorlesung zum Thema «Wem gehört die Natur?».

Als Konsequenz der Überlegungen folgten Forderungen zur Nachhaltigkeit. Wenn irgendwo etwas versiegelt wird, muss wo anders etwas entsiegelt werden, hiess es. Da gingen bei mir die roten Lichter an.

Warum? Ich habe fast 20 Jahre lang Spezifikationen daraufhin durchgelesen, ob sie Probleme bei der Ausführung machen. Wenn eine derartige Nachhaltigkeitsforderung gefordert wird, wie lässt sie sich dann umsetzen, frage ich mich sofort. Wenn ich ein Gebäude errichte, verlangt die Feuerwehr eine Straße, die eventuell um das ganze Gebäude herumgehen muss. Muss ich dann woanders Straße entfernen?

In einer anderen Vorlesung hieß es, dass die Wirtschaft demokratisiert werden muss. Sofort denke ich, wie soll das aussehen?

Es zeigt sich hier, dass ich durch meine Arbeit einen eigenen Denkstil entwickelt habe, der mein ganzes Denken durchzieht. Das es so etwas gibt, hat schon Ludwik Fleck erkannt.

Haben Sie Zweifel? Zweifellos!

Angeregt durch einen Artikel in der Regionalpresse: Darf man alles anzweifeln?

Darf man die Relativitätstheorie anzweifeln? Ja, das darf man.

Muss man dabei einen Gegenvorschlag präsentieren? Nein, muss man nicht.

Muss man gute Gründe haben, die Relativitätstheorie anzuzweifeln? Nein, muss man nicht.

Darf man erwarten ernst genommen zu werden, wenn man die Relativitätstheorie ohne gute Gründe anzweifelt? Nein, das darf man nicht erwarten.

Darf man erwarten ernst genommen zu werden, wenn man behauptet, dass die Relativitätstheorie wahr ist? Nein, das darf man nicht erwarten.

Die Wahrheit? Ach, wie langweilig

Mein Argument ist, dass es in der Naturwissenschaft speziell in der Physik nicht um Wahrheit geht. In der Physik wird versucht, Gesetzmässigkeiten zu finden, die die beobachteten Phänomene beschreiben und es uns möglich macht, Voraussagen zu machen. Aber es lässt sich nicht beweisen, dass diese Gesetze wahr sind. Bertrand Russel hat das Problem mit der Geschichte vom Truthahn verdeutlicht.

Einschub: der schlaue Truthahn.

Es war einmal ein schlauer Truthahn, der festgestellte hatte, dass er jeden Morgen etwas zum Fressen bekam. Er leitete daraus ein Naturgesetz ab und machte die Voraussage, dass er für ewige Zeiten morgens etwas zum Fressen bekomme. Aber dann kam Weihnachten.

Wir können also nicht sagen, dass eine gewisse Aussage der Physik wahr ist.

Gegenargument: Die Aussage, dass die Erde eine Kugel (angenähert) und keine Scheibe ist, ist eine wahre, physikalische Aussage.

Dieses Argument besteht aus drei Teilen:

  1. Die Erde ist eine Kugel und keine Scheibe.
  2. Dies ist eine Aussage der Physik.
  3. Diese Aussage ist wahr.

Die Teil 1 und 3 lassen sich wohl kaum bestreiten, aber was ist mit dem Teil 2?

Ich bin der Meinung, dass die Aussage «Die Erde ist eine Kugel und keine Scheibe.» nichts mit Physik zu tun hat.

Begründung: Wenn die Erde eine Scheibe wäre, müsste kein Jota in den Lehrbüchern der Physik geändert werden, weil die Gesetze der Physik noch immer die gleichen wären. Wenn sich aber herausstellen sollte, dass die Entropie in einem geschlossenen System abnehmen kann (2. Hauptsatz der Thermodynamik ist falsch), dann muss fast alles neu geschrieben werden. Der 2. Hauptsatz ist also eine physikalische Aussage, aber unser Beispiel nicht.

Warum ist das wichtig?

Weil sich Menschen manchmal auf die Wissenschaft berufen und behaupten, dass die Aussagen der Naturwissenschaftler wahr sind. Damit machen sie ihre Ansichten natürlich unanfechtbar. Dahinter steckt nicht unbedingt schlechter Wille.

Die Rassenhygieniker, die Stalinisten und Maoisten beriefen sind alle darauf, dass ihre Handlungen richtig sind, weil sie auf wahren Erkenntnissen der Naturwissenschaften berufen.

Eine Naturwissenschaft, die die Wahrheit erkennt, ist auf dem Wege sich überflüssig zu machen.

Ein Denkfehler ist es, wenn man meint, es verhielte sich mit falschen Aussagen entsprechend. Die Welt ist in diesem Fall nicht symmetrisch. Es lässt sich (fast?) immer zeigen, dass eine falsche physikalische Aussage falsch ist.

Im übrigen stelle ich mir eine Welt, in der der Mensch im Besitz der Wahrheit wäre, extrem langweilig vor. Nichts meht zu diskutieren.

Steuerungsproblem

Nach der klassischen Theorie des Staates hat der Staat die Aufgabe sich um die öffentlichen Güter (z.B. Infrastruktur, aber auch Sicherheit) zu kümmern. Ausserdem schützt er das Privateigentum.

Für ersteres braucht er Geld und dafür wurden die Steuern erfunden. Heute ist es hauptsächlich die Einkommenssteuer, die das Geld bringt. Die Einkommenssteuer ist eine verhältnismässig neue Steuer. Früher wurden z. B. Häuserbreiten besteuert. In den Niederlanden sind bis heute Gardinen weniger verbreitet, weil die angeblich früher besteuert wurden.

Steuern können aber auch zum Steuern benutzt werden und dies wird heute immer häufiger verlangt.

Wenn man besonders intelligent erscheinen will, dann sieht man vor, dass die neue Steuer keine Mehrkosten verursacht, weil eine andere Steuer erniedrigt wird. Es geht ja um das Steuern des Verhaltens und nicht darum, den «Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen».

Nehmen wir an das Produkt A wird besteuert und das Produkt B wird nicht besteuert. Die Menschen sollen aber möglichst nicht das Produkt B verbrauchen. Also erheben wir eine saftige Steuer (sonst wirkt es ja nicht) auf das Produkt B. Damit es keinen Aufschrei gibt, wird die Steuer auf das Produkt A abgeschafft.

Und siehe da: es wirkt. Ein voller Erfolg: Produkt B wird praktisch nicht mehr nachgefragt.

Nur jetzt kommt der Störenfried Finanzminister und beschwert sich, dass er jetzt weder Steuern auf das Produkt A noch auf das Produkt B bekommt. Nun dann führen wir eben die Steuer auf Produkt A wieder ein, aber dann ist das Geschrei gross.

Was bringt’s?

Ich bin ein Freund der Ansicht, dass die Deckung der Grundbedürfnisse der Menschen nicht unbedingt dem Markt überlassen werden sollte. Andererseits bin ich der Ansicht, dass man die Folgen seiner Taten überdenken sollte, bevor man zur Ausführung schreitet.

Unter Beschuss sind die großen Wohnungsunternehmen gekommen und es wurde ihre Enteignung gefordert. Dagegen fällt mir auf die Schnelle kein Argument ein. Warum sollte jemand mit dem Grundbedürfnis nach Wohnung ein Geschäft machen. Sehen wir uns das einmal genauer an.

Das größte Unternehmen ist die Vovonia. Sie besitzt ca. 400’000 Wohnungen und machte letztes Jahr einen Gewinn von 1 Mrd. Euro. Es handelt sich um eine börsennotierte Aktiengesellschaft. Der Wert ihrer Wohnungen beträgt 44 Mrd. Euro.

Nehmen wir mal an, dass die Bundesrepublik die Vonovia enteignet und sie mit 44 Mrd. Euro entschädigt. Was passiert dann? Für die Mitarbeiter und die Mieter ändert sich erstmal nicht viel. Es können eigentlich alle an ihrem Platz bleiben. Sie arbeiten dann nur im öffentlichen Dienst. Die Topmanager sind vielleicht mit ihrem neuen Gehalt nicht einverstanden und gehen. Hier lässt sich ein wenig einsparen.

Die Bundesrepublik hat die 44 Mrd. Euro natürlich nicht in der Portokasse. Aber sie kann sich das Geld am Kapitalmarkt sicherlich besorgen, z.B. mit einer Bundesanleihe mit z. B. 2,3% Zinsen. Die neue verstaatlichte Firma muss die 2,3% Zinsen einfach erwirtschaften. Dafür muss sie ca. 1 Mrd. Euro Gewinn machen.

Wer kauft denn eigentlich solche Bundesanleihen? Da gibt es viele Interessenten, z.B. die ehemaligen Aktionäre der Vonovia. Denen wurden gerade 44 Mrd. Euro ausgezahlt, die sie wieder anlegen möchten.

Was hat der Mieter davon? Er zahlt zwar immer noch die gleiche Miete, aber nicht an die raffgierigen Kapitalisten.

Hartgesottene im Ruhestand

«Wir müssen Wissenschaftler bestärken, sich im öffentlichen Diskurs stärker einzubringen», sagt die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Warum sollten das Wissenschaftler tun? Der öffentliche Diskurs ist ja nicht gerade von sachlicher Argumentation geprägt. Wenn der Wissenschaftler mit seinen Ein- und Ansichten das vertritt, was die Politik, die Presse und die Öffentlichkeit gerne hören wollen, dann kann das für ihn sicherlich nützlich sein. Aber was hat die Öffentlichkeit davon?

Im Physikjournal berichteten vor einiger Zeit zwei Professoren, dass man ihnen nicht mehr zuhört, wenn sie etwas vortragen, was dem Publikum nicht gefällt. Eine argumentative Auseinandersetzung findet nicht statt.

Ich habe vor kurzem einiges über den österreichischen Physiker und Philosophen Ernst Mach gelesen. Er war und ist ein hochangesehener Mann (Machsches Prinzip, Mach-Zahl, Machscher Kegel, alles nach ihm benannt), aber er lehnte die Existenz von Atomen ab. «Haben Sie eins gesehen?», pflegte er Vertreter der Atomtheorie zu fragen.

Wie würde es ihm heute ergehen? Die Presse würde ihm zum «Atomleugner» ernennen, die Bundesregierung würde vor seinen Irrlehren warnen, Forschungsmittel bekäme er keine mehr und die Presse würde sein Privatleben durchsuchen.

Das ist nur was für hartgesottene Wissenschaftler im Ruhestand.