Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Denn sie wissen nicht,…

Als Politiker hat man grob gesagt zwei Möglichkeiten:

  1. Man macht, was man für richtig hält. Beispiel: Gerhard Schröder

Dann erhält man den Vorwurf, dass man keine Rücksicht auf den Willen der Wähler nimmt.

  • Man hört auf das Volk und macht, was die Leute wollen. Beispiel: (häufig, nicht immer) Angela Merkel

Dann kommt der Vorwurf, dass man sein Fähnchen nach dem Wind dreht.

Egal was man macht, man muss sich von den Journalisten, Kabarettisten, etc. anpinkeln lassen und von Vollpfosten sogar bedrohen lassen.

Wenn ich meine berufliche Karriere mit der eines durchschnittlichen Politikers vergleiche, dann muss ich sagen, dass ich in der Industrie mehr verdient habe und ich mich von niemanden anpinkeln lassen musste, sondern immer respektvoll behandelt wurde.

Darum findet man in der Politik auch wenige Leute aus der Wirtschaft. Dann werden Entscheidungen wie der «Lockdown» gefällt, ohne dass man weiss, was man damit anrichtet.

Arroganz und Paranoia

Ich benutze seit Jahren regelmässig Skype (mit Video) und in all den Jahren ist es nicht einmal abgestürzt oder die Verbindung wurde unterbrochen.

In diesem Online-Semester benutzen wir eine andere Software und man fliegt öfter mal raus.

Die Universität sagt, dass sie aus Datenschutzgründen keine kommerzielle Software einsetzen kann.

Die gesamte Industrie weltweit benutzt Programme von Microsoft, SAP, Oracle etc. und sieht diese Probleme nicht.

Welchen Daten hat denn die Universität, die so streng geschützt werden müssen? Die personenbezogenen!! Die Universität hat von mir meinen Namen, meine Adresse und mein Alter, so wie überflüssigerweise meinen akademischen Grad. Wenn diese Daten irgendjemand bekannt werden, habe ich natürlich ein Problem.

In der Industrie haben hauptsächlich die Entwicklungsabteilungen Angst vor Datenklau. Meine Ex-Kollegen haben sich immer eingeschlossen, damit sie nicht von Siemens ausspioniert werden.

Ich habe mal jemanden gefragt, ob wir versuchen, Siemens auszuspionieren. Die Antwort war nein, denn was sollten wir denn von denen lernen. Wir sind eh besser. Die gleiche Antwort würde man vermutlich bei Siemens auch erhalten. Mischung aus Arroganz und Paranoia?

Kürzlich erzählte mir eine ältere Dame (Akademikerin), dass sie zu ihrem Entsetzen festgestellt habe, dass der Bankangestellte sich ihr Konto ansehen konnte, obwohl sie ihm ihre PIN nicht genannt hatte.

Ich habe ihr zu erklären versucht, dass die Bank schon wissen müsste, was auf den Konten passiere. Überzeugt habe ich sie nicht.

Datenschutz gilt übrigens nicht für Tote. Sobald man tot ist, dürfen alle Daten der Person veröffentlicht werden. Wie sollte ein Toter auch seine Zustimmung signalisieren? Daher fallen die personenbezogenen Daten auf Grabsteinen nicht unter den Datenschutz.

Home office

Menschen im Büro arbeiten unterschiedlich schnell. Besonders groß sind die Unterschiede, wenn Texte erstellt werden müssen. Es gibt noch viele die mit dem Zwei-Finger-Suchsystem arbeiten und auf ca. 40 Anschläge pro Minute kommen. Ich habe Ingenieure gesehen, die im gleichen Büro 4 bis 6mal schneller waren. Diese dürfen aber nicht früher nach Hause gehen. Sie bekommen einfach vom Chef mehr zugeteilt. Das stört keinen, da man ja soundso im Büro ist.

Beim Home Office (früher hieß das Heimarbeit) könnte es Probleme geben, wenn der eine Mitarbeiter schon mittags sein Pensum erledigt hat und der andere noch abends an der Arbeit sitzt.

Spätestens wenn die Kinder des zweiten ihn fragen, warum sein Kollege immer schon nachmittags im Schwimmbad ist und er nie Zeit für sie hat.

Sterbestreik?

Auf https://euromomo.eu werden die Sterbestatistiken vieler europäischer Staaten veröffentlicht. Jeden Donnerstag nachmittags werden die neuesten Daten gezeigt. Es kann im Nachhinein geringfügige Korrekturen geben, aber größere Korrekturen sind mir nicht aufgefallen.

Interessant sind die Zahlen für Frankreich und für andere Länder deutet sich eine ähnliche Entwicklung an. In der 14. KW starben in Frankreich 21.7% mehr Menschen als man erwartet hätte. Seitdem nimmt die Zahl wieder ab und ist für die letzte Woche bei erstaunlichen -8.8% angekommen.

Wie kann man das erklären? Eine Sterbestreik?

Das jetzt Menschen gestorben sind, die noch eine Lebenserwartung von 10 Jahren hatten, passt irgendwie nicht. Dann sollte das Defizit erst in 10 Jahren auftreten.

Hat Boris Palmer vielleicht doch recht?

Zurück in die Unmündigkeit

Ich habe als junger Mann während meines Zivildienstes im Krankenhaus etwa 75 Menschen sterben sehen. Ein junger Pfleger fand es deprimierend, dass man Ende alle unsere Patienten starben. Manche wurden natürlich als geheilt entlassen, aber irgendwann kamen sie mit der gleichen oder einer anderen Krankheit zurück und verliessen uns über die Leichenhalle.

Am liebsten würden die meisten Menschen sterben, indem ihr Herz einfach stehen bleibt ohne, dass sie vorher krank sind. Bei gesunden Menschen bleibt das Herz aber in der Regel nicht einfach stehen.

Die meisten von uns werden durch eine Krankheit sterben. Je älter man ist, desto harmloser kann die Krankheit sein. Wenn man schon geschwächt ist, dann haut einen eine leichte Erkältung eventuell aus den Latschen.

Menschen erwarten heute von den Medizinern Heilung ihrer Krankheiten. Das war nicht immer so. Früher war es die Aufgabe der Mediziner das Leiden zu lindern und das Sterben zu begleiten, nicht es zu verhindern. Es gibt keine endgültige Heilung. Die Ärzte verlieren immer, der Tod gewinnt immer.

Solange einzelne Menschen sterben, ist das auch akzeptiert. Kommt jemand bei einem Verkehrsunfall zu Tode, werden keine Forderungen an die Gesellschaft gestellt. Sterben 3000 Menschen im Jahr im Strassenverkehr, so ist das keine Nachricht. Sterben jedoch 30 gleichzeitig am selben Ort, dann ist das eine Nachricht und alle Welt stellt die unterschiedlichsten Forderungen, wie derartiges künftig verhindert werden kann. Der einzelne Mensch zählt nur als Teil der Masse.

Es sterben Menschen durch Alkohol und Tabak oder auch durch gefährliche Sportarten. Jedes Jahr kommen mehr als hundert Bergwanderer in den Alpen um.

Durch Unfälle oder Krankheiten zu sterben ist allgemeines Lebensrisiko.

Beim Corona-Virus gilt das alles nicht. Es gibt keine Begrenzungen der Kosten und möglichen Kollateralschäden. Ob Millionen Menschen zurück in Armut gestossen werden und dadurch früher sterben, darf nicht diskutiert werden.

Ich halte nichts von Globuli und anderem esoterischen Hokuspokus, sondern bin ein Anhänger der evidenzbasierten Medizin. Leider haben wir beim Corona-Virus und besonders bei den Massnahmen keine Evidenz ihrer Verhältnismässigkeit. Wir werden mit Zahlen überschwemmt, die zwar Angst machen, aber nichts Wichtiges aussagen.

Bei der Diskussion über das Stickoxid las man fast täglich von Verlust von Lebensjahren. Wieviel Lebensjahre haben wir denn durch den «Lockdown» gewonnen und wie hoch waren die Kosten pro gewonnenes Lebensjahr?

In Wilhelmshaven sind viele Geschäfte geschlossen und die 76’000 Einwohner laufen maskiert herum, obwohl es in der ganzen Stadt keinen einzigen bestätigten Infizierten gibt. Wieviel Nutzen bringt das und wieviel Schaden? Warum durfte man im Wald gehen, aber nicht laufen. Weil Gehen kein Sport ist! Segeln war erlaubt, aber das Benutzen des Steges, um die Boote zu Wasser zu lassen, war verboten. Statt in Portugal Urlaub zu machen, wird empfohlen nach Bayern zu fahren, obwohl dort die Ansteckungsgefahr viel höher ist. Wenn die Fussballer für ihre Geisterspiele 20’000 Test verbrauchen wollen, dann ist das unethisch, obwohl wir Hundertausende Tests haben, die wir nicht (ge)brauchen.

Die Demokratie braucht den mündigen Bürger heißt es. Braucht es den nur bei schönem Wetter oder auch in problematischen Zeiten? Dreiviertel der Bevölkerung hat innerlich die Hände an die Hosennaht gelegt und wartet darauf, von der Führung neue Befehle zu erhalten. Wir werden wie unmündige Kinder behandelt, die man zu Stubenarrest verdonnert.

Man könnte doch vom mündigen Bürger erwarten, dass er die Risiken verstehen kann und entsprechend handeln kann. Es würden zigtausende von kreativen Ideen entstehen, auf die ein Politiker oder Verwaltungsbeamter nie gekommen wäre. Natürlich würden sich einige nicht daran halten, aber das tun sie jetzt auch nicht.

Stattdessen soll der mündige Bürger das tun, was ihm die Experten raten. Diese Experten gibt es aber nicht. Ein beamteter Virologe ohne wirtschaftliches Risiko ist kein Experte für die wirtschaftlichen und sozialen Schäden, die er mit seinen Ratschlägen auslöst. Der Experte weiss vielleicht wie viel andere ein Infizierter ansteckt, aber wie viel Arbeitslose ein Infizierte erzeugt, weiss er nicht.

Eine Herrschaft der Experten (in diesem Fall der Philosophen) hat schon Platon in seiner Politeia gefordert. Sir Karl Popper hat ihn deshalb als Prä-Faschisten bezeichnet («Die offene Gesellschaft und ihre Feinde»).

Unser Ort lebt von den Baumschulen und dem Tourismus. Wenn die Massnahmen bis zum Herbst weitergeführt werden, dann ist das hier eine Geisterstadt.

In der Regionalzeitung steht nur noch etwas über das Virus und Rückblicke auf das Ende des zweiten Weltkriegs. Worüber sollte man denn noch berichten? Das gesellschaftliche Leben findet nicht mehr statt. Das Leben besteht nur noch aus Home-Office und Fernsehen und dort es immer nur um das Virus, ohne dass man etwas Neues erfährt.

Unser Landkreis hat ca. 120’000 Einwohner. Vier alte Menschen sind gestorben durch den Virus. Alle hatten schwere Krankheiten. Bei einem hatte der Arzt festgestellt, dass der Mann an seiner Krankheit gestorben ist. Daher waren es zunächst nur drei Tote. Da man aber bei ihm den Virus gefunden hat, zählt er auch als Virustoter.

Noch etwas Absurdes zum Abschluss: Meine Schwester wurde negativ getestet. Was weiss sie jetzt? Dass sie zum Zeitpunkt des Tests nicht infiziert war, aber ob sie nicht beim Rausgehen durch die nächste Person oder danach im Supermarkt infiziert wurde, weiss sie nicht.

Noch einen: die Todesfallstatistik in Deutschland ist kaum brauchbar, weil das Todesdatum aus Datenschutzgründen nicht weitergegeben werden darf. Wie wäre es mit Masken für die Grabsteine?

und noch ’n Gedicht

Der Erlkönig in Corona-Virus-Zeiten

Wer hamstert so spät bei Nacht und Wind?
Es ist der Deutsche, der wieder spinnt.
Er hat die Nudeln wohl in dem Arm
und Klopapier für seinen Darm!
Mein Sohn, was birgst Du so bang Dein Gesicht?
Siehst Vater, Du die Nachrichten nicht?
Die Pandemie von Corona, die naht!
Mein Sohn, Hygiene Dich bewahrt.
Bleib ruhig, bleibt besonnen, mein Kind!
Wenn beim Händewaschen sorgsam wir sind,
dann leiden wir alle auch keine Not-
also horte nicht Klopapier wie ein Idiot!

Harald Lehmkuhl (Leserbrief in den NWZ vom 21.3.2020)

Zur Lage: noch ’n Gedicht

Erinnerung aus Krähwinkels Schreckenstagen

H. Heine

Wir Bürgermeister und Senat,
Wir haben folgendes Mandat
Stadtväterlichst an alle Klassen
Der treuen Bürgerschaft erlassen.

Ausländer, Fremde, sind es meist,
Die unter uns gesät den Geist
Der Rebellion. Dergleichen Sünder,
Gottlob! sind selten Landeskinder.

Auch Gottesleugner sind es meist;
Wer sich von seinem Gotte reißt,
Wird endlich auch abtrünnig werden
Von seinen irdischen Behörden.

Der Obrigkeit gehorchen, ist
Die erste Pflicht für Jud und Christ.
Es schließe jeder seine Bude
Sobald es dunkelt, Christ und Jude.

Wo ihrer drei beisammen stehn,
Da soll man auseinander gehn.
Des Nachts soll niemand auf den Gassen
Sich ohne Leuchte sehen lassen.

Es liefre seine Waffen aus
Ein jeder in dem Gildenhaus;
Auch Munition von jeder Sorte
Wird deponiert am selben Orte.

Wer auf der Straße räsoniert,
Wird unverzüglich füsiliert;
Das Räsonieren durch Gebärden
Soll gleichfalls hart bestrafet werden.

Vertrauet Eurem Magistrat,
Der fromm und liebend schützt den Staat
Durch huldreich hochwohlweises Walten;
Euch ziemt es, stets das Maul zu halten.


1973 kam Corona nach Deutschland

Nein, nicht der Virus, sondern ein Auto von Toyota, berichtet die Autozeitung.

Aus der Frankfurter Rundschau vom 19.3.2020:

In Italien liegt das Durchschnittsalter der an den Folgen des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 Gestorbenen bei 79,5 Jahren. Das teilte das italienische Institut für Gesundheit (ISS) in Rom mit. Demnach handele es sich bei 70 Prozent der Toten um Männer. Von mehr als 2.000 untersuchten Todesfällen waren nur fünf jünger als 40 – und alle litten an schweren Vorerkrankungen.

Das bedeutet, dass das Altersprofil der Sterbenden sich nicht geändert hat.

Man sollte eigentlich erwarten, dass gleich viele Männer und Frauen an dem Virus sterben.  Frauen haben aber auch in Italien eine höhere Lebenserwartung. Jetzt schließen einige daraus, dass nur die Menschen an dem Virus sterben, deren Lebenserwartung gegen null geht. Dann dürfte aber auch die Gesamtzahl an Toten nicht steigen. Dazu gibt es aber noch keine Zahlen.

War was?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) berichtigt täglich über die Zahl der bestätigten Infektionsfälle. Daraus wird in der Presse die Zahl der Infizierten. Das hat das RKI aber nicht gesagt. Die bestätigten Fälle sind Leute, die man auf den Virus getestet hat und bei dem man den Virus gefunden hat.

Aber er werden nur Leute getestet, die zu mindestens Symptome haben. Alle Einwohner zu testen ist nicht möglich und wohl auch nicht sinnvoll. Es heisst, dass 80% oder auch 91% der Betroffenen keine Symptome hat. Worauf man sich natürlich fragen muss, woher man das weisst, wenn man nicht alle gemessen hat. Man kann entgegnen, dass eine repräsentative Auswahl reicht. Doch woher weiss man, dass die Auswahl repräsentativ ist.

Das gleiche gilt für die Gefährlichkeit. Der führende Virologe Deutschlands (oder einer der führenden) sagt, dass der Virus ungefährlicher als Sars-1 ist, aber sich leichter verbreitet, weil er sich mehr im Rachen als in der Lunge herumtreibt.

Aber in Italien sterben doch so viele. Es werden Zahlen von 3.5% der Betroffenen berichtet. Aber woher weiss man, wie viele in Italien betroffen sind.

Werden wir jemals wissen, wie viele Menschen vom Virus befallen wurden? Ziemlich sicher nicht.

Also: nichts Genaues weiss man nicht?

Doch, es gibt doch eine Möglichkeit zu mindestens etwas herauszubekommen und die kommt von der EU.

Es gibt seit 2009 eine Stelle, die alle Todesfälle in 24 EU-Staaten (Deutschland ist nur durch die Länder Berlin und Hessen vertreten) addiert. Aufgegliedert werden die Zahlen nur nach dem Alter in vier Gruppen: 0-4, 5-14,15-64,>=64 Jahre. Die Ergebnisse werden auf einer Webseite (www.euromomo.eu) als Todesfälle pro Woche dargestellt. Man erkennt eine wellenförmige Basislinie. Im Winter sterben mehr Menschen als im Sommer. Im Winter treten fast jedes Jahr zusätzliche Spitzen auf. Diese können die Todeszahlen um 25% erhöhen.

Wie schlimm sich der Coronavirus ausgewirkt hat, wird man in diesen Daten in den nächsten Monaten sehen können.

Wenn dann keine Spitze zu sehen ist, können die einen sich auf die Schulter klopfen, weil sie ja schon immer gesagt haben, dass alles Panikmache sei und die Politiker können sich auf die Schulter klopfen, weil sie durch ihre Massnahmen die Spitze verhindert haben.

Diese Statistik gibt keine Antwort darauf, wer hier Recht hat.

Die Statistik beantwortet nur eine Frage: «War was?»