Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Donnerwetter

HIer ein Verweis auf einen schönen Kommentar von Jörg Kachelmann:

https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_84599106/kachelmanns-donnerwetter-diesel-die-politik-ignoriert-ein-groesseres-problem.html

In unserer Siedlung gibt es das Problem auch. Besonders an windstillen Abenden stinkt es manchmal sehr stark. Ich muss gestehen, dass wir auch so einen Kaminofen haben. Im letzten Winter haben wir ihn einmal angeworfen. Diesmal über Weihnachten an 3 Tagen. Wir geloben Besserung.

Gelbe Westen an die Macht

Im französichen Fernsehen sieht man fast täglich die „Gelben Westen“. Dabei fallen einem immer zwei Dinge auf.

Es gibt immer eine Art Lagerfeuer, um die sich die Aktivisten versammeln. Das gibt der Aktion ein romantisches Flair.

Die Aktivisten blockieren die Straßen und entscheiden wer, wann durchfahren darf. Das gibt einem natürlich das Gefühl, endlich mal Macht ausüben zu dürfen. Gerade für Menschen, die sonst eher Anweisungen ausführen als sie zu geben, ist das sehr attraktiv.

Bäcker für die Verhütung des Atomkriegs

Wenn es eine Organisation gäbe mit dem Namen Bäcker für die Verhütung des Atomkriegs, würde man sich sicherlich wundern.

Es gibt aber eine Organisation, die aus Ärzten besteht, die sich Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges nennt und 1985 sogar den Friedensnobelpreis bekommen hat für ihre Information über die kastastrophalen Auswirkungen eines Atomkriegs.

Warum gerade Ärzte? Warum bilden Bäcker oder Philosophen oder Automechaniker oder Krankenschwestern nicht eine solche Organisation? Was unterscheidet sie von den Ärzten? Wissen sie weniger über die kastastrophalen Auswirkungen eines Atomkriegs?

Methode

«Jetzt ist herausgekommen, dass ein Spiegel-Reporter Reportagen erfunden hat. Ich will ja nicht behaupten, dass alle Reporter ihre Geschichten erfinden. Manche Geschichten kommen einem schon komisch vor, aber man darf das nicht verallgemeinern, obwohl es ist ja nicht das erste Mal ist.»

Der Absatz ist von mir und soll eine Methode demonstrieren.

Man möchte eine Behauptung aufstellen, aber man hat keine Belege. Also behauptet man einfach, dass man die Behauptung nicht aufstellt. Dazu muss sie natürlich aufgestellt werden. Dann fügt man einen Einzelfall hinzu und warnt vor der Verallgemeinerung, um dies gleich wieder abzuschwächen.

Beim Leser bleibt hängen, dass da doch etwas dran sein könnte.

Es gibt viele Aussagen, die sich dieser Methode, bedienen.

Beispiele: «Wir wollen nicht behaupten, dass die GRÜNEN ein Pädophilie-Problem haben, aber in den 80er Jahren,…»

«Ich will behaupten, dass alle Moslems Terroristen sind, aber…»

«Von daher muss man sich fragen, inwieweit dieser Fall nicht doch typisch für die Polizei ist, ohne deshalb pauschal Alle unter Generalverdacht zu stellen.“ (Aus einem Leserbrief an die FR)

Getipptes & Geschriebenes

Wenn ich heute als Gasthörer in die Universität gehe, hat sich vieles geändert gegenüber meiner Studienzeit. Aber eines gibt es immer noch: die Tafeln, auf der man mit Kreide schreiben kann.

Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückblicke, dann kann man fast eine Kulturgeschichte des Schreibens schreiben.

Als ich1960 zur Schule kam, erhielt ich eine Schiefertafel und einen Griffel. DieTafel hatte einen Rahmen aus Holz. Auf der einen Seite waren Linien und auf deranderen Seite Karos. Die eine Seite zum Schreiben, die andere zum Rechnen. Wenn man mit dem Griffel schrieb, quietschte es manchmal. Man erzeugte einSchriftbild wie mit Kreide auf einer Tafel. Wenn der Lehrer die Hausaufgaben gesehen hatte, konnte man das Geschriebene einfach mit einem feuchten Lappen oder Schwamm, der mit einer Kordel am Holzrahmen befestigt war, wegwischen. Wir haben unsere Tafel mindestens 1, wenn nicht 2 Jahre benutzt. Es gibt also keine Schriftstücke mit meinen ersten Schreibversuchen. Falls derartiges auf dem Markt auftaucht, ist es eine Fälschung.

Danach kamder Füllfederhalter. In unseren Schulbänken waren noch die Aussparungen für dieTintenfässer, aber wir hatten «Füller» mit Patronen, entweder von Geha oder Pelikan. Später schrieb ich auch mit Kugelschreiber, auch wenn das von den Lehrern nicht gern gesehen wurde, weil es «die Handschrift unleserlich macht.»

Eine meinerTanten arbeitete in Leer bei den Olympia Werken und so erhielt ich während des Studiums eine Typenhebelschreibmaschine mit leichten Macken. Ein Hebel sprang nicht wieder zurück. Ich habe die Maschine selten benutzt, da ich mit dem «Ein-Finger-Suchsystem»nur langsam schreiben konnte und der Text bei meinen vielen Typfehlern schrecklich aussah.

Während des Studiums wurde ich aufgefordert meine Versuchsprotokolle in Maschinenschrift abzugeben. Ich habe behauptet, dass ich keine Schreibmaschine habe, mir vom BAFÖG keine leisten könne, aber bereits sei, im Institut zu tippen, falls man mir eine Schreibmaschine zur Verfügung stellt. Da meine Handschrift leserlich war, durfte ich mit der Hand schreiben. Die Diplomarbeit musste aber mit derMaschine geschrieben werden. Zum Glück hatte ich einen Kommilitonen, der eine elektrische Kugelkopfschreibmaschine von IBM besaß, die sich die letzten Buchstaben merken konnte, die man mit der Rücktaste korrigieren konnte. Wenn größere Änderungen zu machen waren, wurde einfach ein Absatz neugetippt, ausgeschnitten und auf den alten Text geklebt. Danach kam alles auf die bereits existierenden Kopierer. Während meiner Diplomarbeit erhielten wir im Institut den ersten Kleinrechner. Das Wort PC existierte noch nicht. Wir sind nicht auf die Idee gekommen, dass man so einen Rechner als Schreibmaschine benutzen kann.

An meiner ersten Arbeitsstelle in Berlin wurde alles mit der Hand geschrieben und wenn es offiziell an alle verteilt werden sollte, wurde es von der Sekretärin abgetippt. 1986 bei BBC in Mannheim wurden Texten auf der «Wang» geschrieben.Dies war ein Zentralrechner, der einen Plattenspeicher verwaltete und mehrere Arbeitsplatzstationen mit einem sagenhaften Speicher von 64 kB. Es gab aber immer noch Sekretärinnen, die Texte tippten. Vereinzelt tippen auch Ingenieureauf der Schreibmaschine. Dies war bei der BBC-Schweiz angeblich verboten, weil die Ingenieure zu langsam waren.

Wenn wir einAngebot machten, so wurden standardisierte Beschreibungen, die in einer Druckereiher gestellt wurden, zusammengestellt. Für ein Angebot für eine Gasturbine gab es für Deutschland die LfG (Lieferbedingungen für Gasturbinen). Das war ein standardisierter Text von etwa 50 Seiten, der zwischen den Anbietern Siemens, AEG (später zusammen als KWU), BBC und den Kunden wie VEW, Preussen-Elektra und anderen vereinbart worden war.

1992 untersuchteMcKinsey unsere Firma und als Ergebnis erhielt jeder Mitarbeiter in den Büros einen PC. Auf diesem war anfangs PC Text von IBM, aber da sich Microsoft durchsetzte, kam bald Word für DOS. Der Text sah auf dem Bildschirm anders aus,als auf dem Papier. Das änderte sich erst mit Windows. Die Ingenieure in Mannheim schrieben ihre Texte jetzt selbst auf dem PC und die Sekretärinnen schrieben nur noch für die Chefs.

1996 kam ich zur ABB nach Baden in der Schweiz in die Angebotsabteilung. Inzwischen waren die Angebote viel umfangreicher geworden. Die Abteilung war in einemGrossraumbüro untergebracht, in deren Mitte drei Sekretärinnen saßen. Die meisten,vor allem ältere Kollegen, schnitten ihre Texte aus alten Angeboten aus, korrigierten sie mit einem Rotstift und klebten sie auf einem Blatt auf. Die Sekretärinnen tippten alles ab. Für mich war das hinterwäldlerisch und uneffektiv. Im Rahmen von Personalreduzierungen verschwanden so langsam die Sekretärinnen. Die Ingenieure lernten die wichtigsten Funktionen in WinWord kennen und entdeckten die größte Erfindung des 20. Jahrhunderts, wie ein indischer Kollege einmal sagte, «Copy / Paste». Auf diese Art und Weise änderten sich die Fehler in den Texten. Aus Tippfehlern, die man mit Rechtschreibprogrammen bekämpfen kann, wurden Kopierfehler,  gegen die jedes Programm machtlos ist.

Ich hatte mit 40 Jahren noch Schlittschuhlaufen gelernt, so hatte ich die Idee, dass ich vielleicht mit 50 auch noch das Tippen mit 10 Fingern lernen könnte. Ich besorgte mir ein billiges Lehrheft und übte einige Wochen abends 5 bis 10 Minuten und dann war ich soweit, dass ich das Üben im Büro bei der Arbeit fortsetzen konnte. Ich hatte heimlich mitgestoppt wieviel Anschläge meine Kollegen schafften. Es gab Ausnahmen, aber die meisten lagen bei 40-60 Anschläge pro Minute. Ich habe nie das Niveau von Sekretärinnen erreichen können, aber 3 mal so schnell wie die meisten Kollegen war ich schon.

Ich hatte dann die Idee,  vorzuschlagen, dass jeder Mitarbeiter einen Kurs zum Maschinenschreiben machen sollte. Die Reaktion war erstaunlich. Nach panischem Schweigen behaupteten die meisten,  dass sie praktisch überhaupt nichts schreiben würden.  Eine erstaunliche Behauptung für eine Abteilung, deren Produkte Angebote mit 1500-2500 Seiten waren. Wer schrieb denn diese Texte? EinVerkaufschef verstieg sich zu der Behauptung, dass bei ihm nicht das Schreiben, sondern das Denken die Begrenzung sei. Jemand, der langsamer denkt, als der schreibt, ist mir sonst nirgends untergekommen

Ich hatte ungewollt herausgefunden, was das größte Hindernis, für Fortschritt ist: Versagensangst. Dabei muss man sich dafür nicht schämen. Es handelt vielleicht um eine der menschlichsten Eigenschaften, die es gibt.

Ich habe mehrfach versucht, Texte auf dem PC mit Spracherkennung zu erstellen. Die Ergebnisse waren nicht zufriedenstellend. Aber hier gibt es viele Fortschritte. Ich hörte an der Universität von einem Professor, der seine Veröffentlichungen dem PC diktiert.

Meine ersten Schreibversuche auf der Schiefertafel liessen sich nicht archivieren. Wenn sich die Spracherkennung mal durchsetzt, könnten die gespeicherten Texte derart zahlreich werden, dass die, die es Wert wären, archiviert zu werden, in der Masse untergehen.

Der Wald, das merkwürdige Wesen

In Artikeln zum Hambacher Forst wird immer darauf hingewiesen, dass der Wald sehr alt sei. Das scheint ein wichtiges Argument zu sein. Nur habe ich zwei verschiedene Zahlen gelesen: 1200 und 12000 Jahre.
Das bringt mich zu der Frage, wie man das Alter eines Waldes bestimmt. Mit dem Alter der Bäume hat es wohl nichts zu tun, denn es gibt dort keine Bäume, die 1200 Jahre alt sind.
Der Wald ist also ein merkwürdiges Wesen. Es gibt keinen Teil des Waldes, der so alt ist wie der Wald. Was ist der Wald eigentlich? Der Wald besteht aus Bäumen. Sind zwei Bäume schon ein Wald? Vermutlich nicht. Nehmen wir an, dass ein Wald mindestens 10 Bäume hat. Wenn ich den nördlichsten Baum fälle, dann ist es kein Wald mehr. Dieser Baum hat also etwas Besonderes, denn er macht aus 9 Bäumen einen Wald. Das gilt aber auch für die anderen 9 Bäume. Nominalisten sagen, dass es in der Realität gar keinen Wald gibt. Es gibt nur Bäume und der Mensch macht erst in seinem Gehirn daraus einen Wald. Kann aber etwas, das es in der Realität nicht gibt, ein Alter haben?
Man kann die Aussage, dass der Wald 1200 bzw. 12000 Jahre alt ist, auch so interpretieren, dass dort während dieser Zeitspanne Bäume gestanden haben. Ist das charakteristisch für den Hambacher Forst. Wälder gibt es bei uns hauptsächlich da, wo der Boden zu sandig, zu felsig oder zu steil für Landwirtschaft ist. Man kann daher annehmen, dass die meisten Wälder bereits seit der letzten Eiszeit bestehen. Der Hambacher Forst hätte in dieser Richtung kein Alleinstellungsmerkmal.

Alles ganz einfach…?

Ich hatte im letzten Semester geäussert, dass es für mich unwichtig sei, ob eine wissenschaftliche Theorie wahr sei. Wichitg sei, dass sie die Phänomene richtig beschreibt. Daraufhin hörte ich vom Professor die Bemerkung, dass das auch die Ansicht von N. Luhmann sei.
Ich hatte den Namen schon mal gehört. N. Luhmann war ein Professor in Bielefeld, der über eine Theorie der Gesellschaft geforscht hat. Nach 30jährigen Nachdenken hat er ein bedeutendes Werk dazu verfasst.
Nun mag die Theorie ja nicht richtig sein. Wenn aber ein kluger Mann 30 Jahre über eine Theorie der Gesellschaft nachdenkt, können gesellschaftliche Phänomene wohl kaum simpel erklärt werden.
Wieso kommen eigentlich Menschen, die alles mit simplen Theorien („Schuld ist der Neoliberalismus.“ „Schuld sind die Lobbyisten.“) erklären, nicht auf die Idee, dass alles vielleicht viel komplizierter ist?