Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Hartgesottene im Ruhestand

«Wir müssen Wissenschaftler bestärken, sich im öffentlichen Diskurs stärker einzubringen», sagt die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Warum sollten das Wissenschaftler tun? Der öffentliche Diskurs ist ja nicht gerade von sachlicher Argumentation geprägt. Wenn der Wissenschaftler mit seinen Ein- und Ansichten das vertritt, was die Politik, die Presse und die Öffentlichkeit gerne hören wollen, dann kann das für ihn sicherlich nützlich sein. Aber was hat die Öffentlichkeit davon?

Im Physikjournal berichteten vor einiger Zeit zwei Professoren, dass man ihnen nicht mehr zuhört, wenn sie etwas vortragen, was dem Publikum nicht gefällt. Eine argumentative Auseinandersetzung findet nicht statt.

Ich habe vor kurzem einiges über den österreichischen Physiker und Philosophen Ernst Mach gelesen. Er war und ist ein hochangesehener Mann (Machsches Prinzip, Mach-Zahl, Machscher Kegel, alles nach ihm benannt), aber er lehnte die Existenz von Atomen ab. «Haben Sie eins gesehen?», pflegte er Vertreter der Atomtheorie zu fragen.

Wie würde es ihm heute ergehen? Die Presse würde ihm zum «Atomleugner» ernennen, die Bundesregierung würde vor seinen Irrlehren warnen, Forschungsmittel bekäme er keine mehr und die Presse würde sein Privatleben durchsuchen.

Das ist nur was für hartgesottene Wissenschaftler im Ruhestand.

Bauernschläue

In Bayern gab es eine Volksinitiative zur Rettung der Bienen (und anderer Insekten).

Ein Bauer bietet jetzt Parzellen an, um sie mit Blumen und Gräsern zu bepflanzen, die Bienen mögen. Für 30 Euro im Jahr bepflanzt er 50 Quadratmeter, für 50 Euro 100 Quadratmeter. Er gibt eine große Nachfrage.

Ohne großen Aufwand hat er Einnahmen von 5-6000 Euro pro Hektar im Jahr. Mit konventioneller Landwirtschaft kommt vielleicht auf 1000 Euro und hat noch das Wetter- und Marktrisiko.

Eine typische Win-Win-Situation: der «Blühpächter» hat ein gutes Gewissen und der Bauer das Geld.

Wer wird da schon an Ablasshandel denken.

Diesmal sind wir es nicht

Wenn man sich jede Stunde anschaut, wie groß der Stromverbrauch ist, wie viel Strom gerade die Erneuerbaren produzieren und wie viel von den konventionellen Kraftwerken geliefert wurde, dann stellt man fest, dass die konventionellen Kraftwerke in der Spitze ein Leistung von 67’000 MW brachten. Auch wenn Wind- und Solarstrom ausgebaut werden, ändert sich dieser Wert kaum. Denn auch 10mal soviel Solarpanels produzieren bei Dunkelheit immer noch die gleiche Menge Strom. Das gleiche gilt für Windturbinen bei Windstille.

Wenn die gesamte elektrische Energie (60% der Stromproduktion) auf 67’000 MW verteilt wird, so erhält man ca. 4500 Volllaststunden. D. h. die konventionellen Kraftwerke produzieren so viel Strom als wenn sie 4500 Stunden bei Volllast laufen. Damit lassen sich Kraftwerke wirtschaftlich betreiben.

In der Zukunft sollen die Erneuerbaren aber 65% der Stromproduktion liefern. Dazu reduzieren sich die Volllaststunden der konventionellen Anlagen auf ca.  2600. Damit werden viele Anlagen nicht wirtschaftlich zu betreiben sein.

Die einzigen konventioneller Kraftwerke, die noch erwünscht sind, sind gasfeuerte Anlagen. Zurzeit sind etwa 30’000 MW an gasgefeuerten Anlagen am Markt. Es müssen also noch etwa 40’000 MW installiert werden. Ein Block hat heute eine maximale Größe von 600 MW. Es müssen also noch 67 Blöcke installiert werden in den nächsten 20 Jahren. Das bedeutet alle 3.5 Monate geht ein neues Gaskraftwerk ans Netz.

Naja, machbar ist das schon, aber nicht in allen Ländern dieser Erde gleichzeitig.

Der Klimawandel wird damit wohl nicht aufgehalten werden, aber darum geht es wohl auch nicht. Diesmal darf Deutschland nur nicht schuld sein.

Limiten

Ich fahre nicht gerne auf der Autobahn, weil sie von Adolf Hitler gebaut wurde. 😊

Nein, weil ich nicht gerne schnell fahre. Es bleiben einem häufig nur die Möglichkeiten sich zwischen die LKWs einzureihen, was nicht ungefährlich ist, oder von schneller Fahrenden, die einem in den Kofferraum kriechen wollen, verscheucht zu werden. Ich kann daher alle Argumente für ein Tempolimit nur unterstützen. Wenn man die Kommentarspalten der großen Zeitungen anschaut, hat man das Gefühl, dass die große Mehrheit das ebenfalls so sieht. Daher erstaunt es, warum sich der Bundesverkehrsminister (BVM) so sträubt.

Es gibt jedoch eine repräsentative Umfrage, die besagt, dass 52% der Bundesbürger für ein generelles Tempolimit sind, 48% dagegen.

Es wurde nicht gleichzeitig die Parteipräferenz abgefragt, aber es ist sicher nicht abwegig anzunehmen, dass bei den CSU-Wählern eher eine Mehrheit gegen ein Tempolimit ist. Der BVM vertritt also die Meinung der Mehrheit seiner Wähler, woraus man in einer Demokratie einem Politiker schlecht einen Vorwurf machen kann. Es ist zwar beliebt alle Schuld den Politikern zu geben, aber wenn eine große Mehrheit ein Tempolimit möchte, würde sich die großen Parteien vermutlich dafür einsetzen.

Bei kleinen Parteien sieht die Situation vielleicht anders aus. Sie könnten sich überlegen, sich auf die Minderheit zu konzentrieren. Was passiert, wenn es durch eine Zersplitterung der politischen Landschaft keine großen Parteien mehr gibt? Werden dann Wünsche der Mehrheit nicht mehr umgesetzt?

Ökonomisches Nullsummenspiel?

Wir sind alle durch unsere Ausbildung und berufliche Tätigkeit in unserem Denken geprägt. Man nennt das auch «deformation professionelle». Ich bin einmal durch einen Kollegen darauf hingewiesen worden, dass ich Zusammenhänge überprüfe, in dem ich das Verhalten unter Extrembedingungen betrachte.

Das ist typisch für Physiker. Ich lese gerade ein Buch über Kosmologie, in dem der Autor behauptet, dass die allgemeine Relativitätstheorie nicht das Ende vom Lied sein kann, weil es beim «Urknall» zu einer Singularität führt, d.h. es wird etwas unendlich groß, was nicht sein kann.

Manche Menschen glauben, dass es Reiche gibt, weil es Arme gibt und zitieren zum Beweis Bertold Brecht. Wenn Reichtum entsteht, weil gleichzeitig Armut entsteht, dann bedeutet das, dass die Summe aus dem Reichtum und der Armut immer konstant ist.

Jetzt kommt die deformation professionelle. Das Extrem ist die Jungsteinzeit. Nach obiger Theorie besitzen Arme und Reiche heute zusammen genauso viel wie die Armen und Reichen in der Jungsteinzeit. Offensichtlich ist das absurd. Irgendetwas kann an der Theorie also nicht stimmen.

Haltung annehmen

Ich bin in den letzten Tagen auf einige Artikel gestossen, die sich kritisch mit dem auseinandersetzen, was dort «Haltungsjournalismus» genannt wird. Befürworter sprechen von «wertorientiertem Journalismus».

Charakteristisch ist an solchem Journalismus, dass die alte Trennung von Bericht und Kommentar aufgehoben ist. Man erkennt man Bericht auch sofort wie der Journalist dazu steht. Man trifft dieses hauptsächlich in den großen überregionalen Zeitungen und weniger in der Regionalpresse an.

Dass es keine wertfreie Berichterstattung gibt, ist eine Binsenweisheit, die ich schon in der Schule gelernt habe. Allein durch die Auswahl der Dinge, über die man berichtet, gibt man schon ein Werturteil ab. Es stellt sich aber die Frage, ob man ein Ziel gar nicht anstreben sollte, weil es nicht erreichbar ist. Auch wenn eine objektive Berichterstattung nicht erreichbar ist, sollte man dann nicht trotzdem versuchen, sich ihr zu nähern?

Viele Journalisten sehen sich aber heute nicht als Berichterstatter, sondern als Meinungsbildner. Manche glauben sogar, dass sie die Menschheit vor dem Untergang bewahren müssen. Menschen, die sich gerne selbst eine Meinung bilden wollen, fühlen sich dadurch bevormundet.

Ich glaube jedoch, dass es sich um eine Minderheit handelt. Die Mehrheit der Leser möchten von «ihrer» Zeitung ihre Sicht der Welt bestätigt und nicht in Frage gestellt sehen. Ein schönes Beispiel gab es vor ca. einem Jahr als in der Frankfurter Rundschau ein Artikel zu einer Anti-TTIP-Demonstration erschien. Die «Haltung» der FR und der meisten ihrer Leser ist gegen das TTIP-Abkommen zu sein. Die Journalistin machte sich, Bericht und Kommentar vermischend, über die Unwissenheit der Teilnehmer lustig. Daraufhin erschienen böse Leserbriefe mit dem Tenor, dass man so etwas in «seiner FR» nicht lesen möchte.

Bei dem ganzen wird ein Aspekt nicht erwähnt. Die Welt der Presse hat sich durch das Aufkommen des Internets gewaltig geändert. Die Zeitungen verdienen heute nur noch wenig Geld durch Anzeigen. Diese sind zu Ebay und anderen abgewandert. Die Zeitungen müssen heute «kundenorientierter» sein, um wirtschaftlich zu überleben. Man schreibt zwar nicht einfach simpel, was die Leute lesen wollen, aber man schreibt für ein gewisses Milieu, dem man im günstigen Fall selbst angehört.

Was macht ein Journalist, der sich und seine Sicht der Welt ändert? Er sucht sich eine neue Zeitung?

Zum Schluss ein Lob auf unsere Regionalpresse: Bericht und Kommentar werden getrennt und die politischen Positionen der Kommentatoren reichen von links bis weit rechts.

Vermögen

Wie immer am Anfang des Jahres erscheinen in der Presse Berichte, dass die Vermögensunterschiede auch dieses Jahr wieder gewachsen sind.

Auch unser Vermögen ist letztes Jahr wieder gestiegen. Unsere Ausgaben sind geringer als unser Einkommen. Wir sparen also und vergrößern unser Vermögen. Gleichzeitig wird unser Kleinwagen immer weniger wert und auch die wenigen Aktien, die wir haben, haben an Wert verloren. Diese Beträge sind jedoch alle gering im Vergleich zu dem Vermögenszuwachs, den wir durch den Anstieg der Immobilienpreise erzielen. In den letzten beiden Jahren sind die Immobilienpreise und damit unser Vermögen in Form unseres Hauses um ca. 10% gestiegen. Ist das problematisch?

Unser Vermögensanstieg hat keinen Einfluss auf die ökonomische Situation eines anderen Menschen. Ob der Wert unseres Hauses steigt oder fällt, kann dem Rest der Menschheit vollkommen egal sein.

Wir haben auch keinen Vorteil durch den Wertanstieg des Hauses. Wenn wir es verkaufen, erzielen wir einen höheren Preis, aber wenn wir ein anderes Haus kaufen wollen, müssen wir auch entsprechend mehr zahlen. Man kann die Situation auch als eine Inflation der Sachwerte betrachten und damit wäre dieser Anstieg des Vermögens eine reine Illusion.

Noch extremer ist der Fall, wenn das Vermögen auf Aktien beruht. Ich hatte mal VW-Aktien, deren Wert sich plötzlich vervielfacht haben und dann wieder stark fielen. Wurde da Vermögen geschaffen und wieder zerstört, wie oft zu lesen ist?

Sollte man sich nicht lieber auf die Einkommensunterschiede konzentrieren?

Donnerwetter

HIer ein Verweis auf einen schönen Kommentar von Jörg Kachelmann:

https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_84599106/kachelmanns-donnerwetter-diesel-die-politik-ignoriert-ein-groesseres-problem.html

In unserer Siedlung gibt es das Problem auch. Besonders an windstillen Abenden stinkt es manchmal sehr stark. Ich muss gestehen, dass wir auch so einen Kaminofen haben. Im letzten Winter haben wir ihn einmal angeworfen. Diesmal über Weihnachten an 3 Tagen. Wir geloben Besserung.

Gelbe Westen an die Macht

Im französichen Fernsehen sieht man fast täglich die „Gelben Westen“. Dabei fallen einem immer zwei Dinge auf.

Es gibt immer eine Art Lagerfeuer, um die sich die Aktivisten versammeln. Das gibt der Aktion ein romantisches Flair.

Die Aktivisten blockieren die Straßen und entscheiden wer, wann durchfahren darf. Das gibt einem natürlich das Gefühl, endlich mal Macht ausüben zu dürfen. Gerade für Menschen, die sonst eher Anweisungen ausführen als sie zu geben, ist das sehr attraktiv.

Bäcker für die Verhütung des Atomkriegs

Wenn es eine Organisation gäbe mit dem Namen Bäcker für die Verhütung des Atomkriegs, würde man sich sicherlich wundern.

Es gibt aber eine Organisation, die aus Ärzten besteht, die sich Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges nennt und 1985 sogar den Friedensnobelpreis bekommen hat für ihre Information über die kastastrophalen Auswirkungen eines Atomkriegs.

Warum gerade Ärzte? Warum bilden Bäcker oder Philosophen oder Automechaniker oder Krankenschwestern nicht eine solche Organisation? Was unterscheidet sie von den Ärzten? Wissen sie weniger über die kastastrophalen Auswirkungen eines Atomkriegs?