Archiv der Kategorie: Energiewende

Gasexplosion

Die Strompreise an der Leipziger Börse (und im Rest von Europa) «explodieren» seit Anfang September 2021. Lag der Preis für eine MWh in der Regel bei 50 Euro, so liegt er jetzt bei 150 Euro. Wie lässt sich das erklären?

Der Preis, der für alle gilt, wird festgelegt durch den Preis des letzten Kraftwerks, das noch einen Zuschlag bekommen hat. Wenn nicht gerade sehr große Einspeisungen durch Wind und Sonne da sind, sind dies Kraftwerke, die mit Gas gefeuert werden.

Die Grenzkosten eines gasgefeuerten Kraftwerkes lassen sich leicht abschätzen. Als erstes sind da die Brennstoffkosten. In den letzten Jahren war der Gaspreis bei ca. 20 Euro / MWh; jetzt liegt er bei 80 Euro / MWh. Da ein Gaskraftwerk höchstens 60% der Energie des Gases (gemessen in MWh) in Strom (gemessen auch in MWh) umwandeln kann, beträgt der Brennstoffanteil bei den Stromkosten 80 / 0.60 = 133 Euro / MWh.

Dazu kommen noch die Kosten für die CO2-Zertifikate. Ein Zertifikat für eine Tonne CO2 kostet zurzeit ca. 60 Euro. Eine Tonne CO2 entspricht 2,5 MWh Strom. Also erhöht das Zertifikat die Kosten pro MWh um 60 / 2,5 = 24 Euro / MWh.

Damit ergeben sich in Summe Stromgestehungskosten von 157 Euro / MWh. Dies ist durchaus ein Preis, der an der Börse erreicht wird.

Alle anderen Kraftwerke haben niedrigere Kosten und erzielen Gewinne. Bisher war der Abstand vom Gaskraftwerk zu den anderen nicht so groß. Jetzt hat er sich aber stark vergrößert.

Ein Kernkraftwerk hat Grenzkosten in der Höhe von 20 bis 40 Euro / MWh. Aber auch sie bekommen für ihren Strom an der Börse die 157 Euro und verdienen nochmal viel Geld.

Jetzt wird aber nicht jeder Strom an der Börse gehandelt. Die Versorger decken sich zum Teil für Jahre im Voraus durch langfristige Verträge ein. Etwa 50% des Stroms geht über die Börse.

Kritisch wird es für kleine Stromhändler, die keine langfristigen Verträge haben und davon ausgegangen sind, dass sie kurzfristig billiger einkaufen können. Die Rechnung ging bei einem englischen Händler nicht auf und er stellte die Lieferung ein.

Gemixt

170 Wissenschaftler haben einen offenen Brief an die EU-Kommission geschrieben, in dem sie darlegen, dass die Berechnung der CO2-Emissionen für E-Autos falsch ist.

Leider haben sie es in einer professoralen Art geschrieben, die kein Laie versteht und auch noch mit einer Empfehlung für E-Fuels gemischt.

Ich habe mir schon länger überlegt, einfach mal selbst zu rechnen. Ich habe gelesen, dass der Streit häufig darum geht, welcher Strommix zur Berechnung zu Grunde gelegt werden muss.

Wenn ich (und viele andere auch) mir ein E-Auto kaufe und damit fahre, dann verändere ich aber den Strommix in Deutschland, weil jetzt natürlich ein höherer Bedarf da ist und es werden sicherlich nicht alle Erzeuger proportional mehr Strom erzeugen, um den Strommix konstant zu halten. Man lernt als Physiker, dass Berechnungen nicht gerade einfacher werden, wenn sich mehrere Parameter ändern.

Da ich natürlich kein großes Experiment machen kann, nehme ich mir Albert Einstein zum Vorbild (immer ein guter Ratschlag) und mache ein Gedankenexperiment.

Ich nehme an, dass ich ein Auto habe, dass 6 l Diesel auf 100 km verbraucht und ein E-Auto, dass 20 kWh braucht auf 100 km.

Jetzt versuche ich auszurechnen, was passiert, wenn ich mit den beiden Autos 100 km fahre.

Ein Liter Diesel verbrennt zu 2,64 kg CO2, also 6 * 2,64 = 15,84 kg CO2 für meine 100 km Fahrt.

Mit dem E-Autos wird es etwas schwieriger zu rechnen. Ich lade 20 kWh in meinen Akku. In den meisten Studien wird mit dem durchschnittlichen oder einem zukünftigen Strommix gerechnet. Wenn der Strommix konstant bleiben soll, muss also das Kohlekraftwerk, das Gaskraftwerk, die Biogasanlage, die Windturbine, das Wasserkraftwerk und die Solaranlage anteilig gemäss Strommix mehr Strom liefern. Aber wie machen die das? Für die fossilen ist das einfach. Die werfen mehr Kohle rein oder drehen das Gasventil auf. Für die EE gibt es keine Möglichkeit.

Folglich werden meine 20 kWh vermutlich in einem fossilen Kraftwerk erzeugt.

Für 20 kWh emittiert ein Braunkohlekraftwerk 23 kg CO2, ein Steinkohlekraftwerk 16 kg CO2 und ein GuD-Kraftwerk 8 kg CO2.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass der Diesel mehr braucht und das E-Auto weniger.

Wo befindet sich «der break-even-point»?

Bei Braunkohlestrom entspricht 1 l Diesel 2,3 kWh, bei Steinkohlestrom 3,3 kWh und bei GuD 6,6 kWh.

Solange es noch Kohlekraftwerke gibt, ist es also für die Umwelt besser, wenn ich den Diesel nehme.

Jetzt kommt das Frauenhofer Institut und sagt, dass es das beste sei, man erzeuge seinen Strom mit einer Photovoltaikanlage auf dem Hausdach.

Ich habe aber zwei Möglichkeiten für meinen PV-Strom. Ich könnte mein E-Auto damit betreiben oder den Strom in das Netz einspeisen und damit den CO2-Ausstoss eines Kohlekraftwerkes reduzieren. Wenn ich mein E-Auto damit betreibe, spare ich CO2-Ausstoss, aber wenn ich den Strom ins Netz einspeise, spare ich mehr CO2 ein.

Sind die anderen denn alle blöd? Nein. Man kann durch Variation der Parameter es immer so hinrechnen, dass das gewünschte Ergebnis herauskommt. Man könnte auch argumentieren, dass man ja nicht schlagartig auf E-Auto umstellen kann, wenn das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet wird. Andererseits verlängert jedes neue E-Auto die Laufzeit der Kohlekraftwerke, weil dann neuer EE-Strom nicht vollständig zur Kompensation des Kohlestrom genutzt werden kann.

Es kommt auch manchmal das Argument, dass der Strom immer aus dem nächsten Generator kommt und der muss nicht zwangsweise in einem Kohlekraftwerk stehen. Das spielt hier aber keine Rolle, da in meinen Betrachtungen immer nur geschaut wird, wie sich der CO2-Ausstoss Deutschlands in den verschiedenen Szenarien ändert. Nimmt durch mein Akkuladen der CO2-Ausstoss zu, spielt es keine Rolle, wo dies stattfindet.

Wie sind es dann mit einer Wärmepumpe aus? Schau’n mer mal!

Wir verbrauchen ca. 20’000 kWh Gas zur Heizung und Warmwasserbereitung (Teewasser, was bei Ostfriesen keine vernachlässigbare Größe ist, ausgeschlossen). Wenn wir eine Wärmepumpe installieren, steigt unser Stromverbrauch dann um 20’000 / 3.5 = 5700 kWh. Wenn wir den aus Braunkohle holen, sind das 6600 kg, bei Steinkohle immer noch 4600 kg und bei einer GuD-Anlage 2300 kg.

Unsere Gasheizung verbrennt etwa 1300 kg Erdgas (CH4) zu 3400 kg CO2.

Auch hier erhält man das gleiche Ergebnis.

Fazit: Wenn man CO2-Emissionen reduzieren will, sollte man Strom mit weniger CO2-Ballast produzieren und ihn ins Netz einspeisen und nicht in neue Verbraucher.

Gepumpt im Sinne von geliehen?

Man möchte gerne, dass alle Menschen ihre Gasheizung auf eine Heizung mit Wärmepumpe umstellen. Durch den CO2-Preis (so heißt die Steuer) sollen wir «motiviert» werden.

Unsere Heizung stösst im Jahr 4 t CO2 aus.

Die Betriebskosten für die Gasheizung und für eine Wärmepumpe sind zurzeit etwa gleich. Es kommt hier nur auf die ungefähre Größe an.

Die Investitionskosten für die Wärmepumpe müssen also durch nicht gezahlten CO2-Preis reingeholt werden. Dazu werden die Betriebskosten der Gasheizung durch den CO2-Preis erhöht.

Wie hoch muss der CO2-Preis sein, damit wir richtig «motiviert» sind?

Die Investitionskosten für eine Wärmepumpe schätze ich zu 12’000 Euro ab. Das ist eher im niedrigen Bereich. Eine kritische Eingabe ist die Amortisationszeit. Statistisch habe ich noch 12 Jahre zu leben und die Erben will man ja nicht belasten. Also nehme ich mal 12 Jahre.

Da heißt, dass der CO2-Preis für uns mindestens 1000 Euro, also 250 Euro pro Tonne CO2 betragen muss.

Das ist aber nicht geplant, weil das für viele Menschen nicht bezahlbar ist und die Industrie «motiviert» Deutschland zu verlassen.

Das funktioniert wohl nicht. Dann muss die Wärmepumpe eben gefördert werden!

Wo kommt die Förderung her? Entweder aus dem Steueraufkommen oder aus der Notenpresse (= Steueraufkommen künftiger Generationen).

Ich schaffe es einfach nicht, den Steuerungseffekt des CO2-Preises zu begreifen.

Steuerung durch Steuern funktioniert, wenn ich eine höchstens gleich teure Alternative habe. Habe ich aber nicht.

Ist ein Verbot der Gasheizung da nicht die ehrlichere Variante?

Gute Wahl

Ich wollte wieder mal etwas nachrechnen. Wenn ich das Erdgas, dass durch Nord Stream 2 fließen soll, tiefgekühlt in Tankwagen transportieren will, wie viele Tankwagen benötige ich dafür?

Nord Stream 2 hat eine Kapazität von 55 Mrd Kubikmetern pro Jahr und ein Tankwagen fasst 111 Kubikmeter. Nur ist das Gas in der Pipeline gasförmig unter hohem Druck und im Tankwagen flüssig.

Es wäre schön, wenn die Kapazität als Gewicht angegeben würden. Das ist auch in der Gasindustrie üblich. Die Einheit heißt Normkubikmeter oder auch Standardkubikmeter (falsche Übersetzung aus dem Englischen).

Die meisten Menschen, auch viele Ingenieure glauben, dass ein Normkubikmeter eine Volumeneinheit ist. Sogar bei Wikipedia steht es falsch.

Ein Normkubikmeter Gas bleibt ein Normkubikmeter, auch wenn man das Gas verdichtet oder verflüssigt wird. Ein Normkubikmeter Gas ist eine Menge Gas in einem Kubikmeter Volumen bei Normbedingungen (0°C, 1013 hPa). Es ist also die Maßeinheit für eine Menge und eine gewisse Menge eines Stoffes hat eine bestimmte Masse. Der Energiegehalt des Erdgases hängt aber an der Masse und nicht am Volumen. Deshalb transportiert Nord Stream 2 55 Mrd. Normkubikmeter (Nm3) Gas und nicht 55 Mrd Kubikmeter.

Jetzt können wir rechnen. 1 Nm3 Erdgas hat einen oberen Heizwert von 11 kWh. 1 m3 flüssiges Erdgas hat einen Heizwert von 7000 kWh.

Nord Stream 2 transportiert 55 Mrd. * 11 kWh = 605 Mrd. kWh. Ein LNG-Kesselwagen (Bahntransport) enthält 111 * 7000 kWh = 770’000 kWh.

Damit benötigt man pro Jahr ca. 800’000 Kesselwagen. Ein Kesselwagen ist ca. 25 m lang. Damit ergibt sich ein Zug von 20’000 km Länge. Ein Zug darf maximal 740 Meter lang sein. Daher braucht man 27’000 Züge, 3 Züge pro Stunde.

Statt Nord Stream 2 eine Eisenbahnlinie zu bauen, scheint keine Alternative zu sein. Auch der LNG-Transport per Schiff und dann eine Weiterverteilung per Bahn funktioniert wohl nicht.

Eine Pipeline ist wohl die beste Lösung, deshalb haben die Ingenieure sie auch gewählt.

Beim Wind nichts Neues

Die Ergebnisse der Auktion vom 1. Februar 2021 wurden veröffentlicht. 1500 MW waren ausgeschrieben. Vergeben wurden nur 691 MW (=46%).

Insgesamt bekamen 155 Projekte einen Zuschlag. Die durchschnittliche Leistung eines Projektes betrug 4,5 MW. Es gab kein Projekt mit mehr als 10 MW.

75% der Zuschläge verteilen sich auf 4 Bundesländer (Schleswig-Holstein 25%; Brandenburg 24%; Nordrhein-Westfalen 17%; Mecklenburg-Vorpommern 9%). Der Rest verteilt sich auf 7 weitere Bundesländer. Das Saarland, die Stadtstaaten und Bayern bekamen keinen Zuschlag.

Das wie Bayern auf Importe angewiesene BaWü erhielt 2%.

Wenn das so weiter geht, kann man die Klimaziele vergessen.

Na dann erhöht man eben die Ziele und die ausgeschriebene Leistung, oder was?

Zum Abgewöhnen

Ich habe gestern Abend wieder einmal eine Talkshow gesehen. Die Phoenix-Runde. Zum Abgewöhnen.

Aber eines war interessant. Eine Bauingenieurin hatte ein paar Zahlen. Es gibt 8 Millionen Gebäude in Deutschland. Ein Viertel (wenn ich das richtig verstanden habe) gehört Rentnern. Sie habe gerade mit einem Rentnerehepaar eine Kalkulation der Sanierung ihres Hauses vorgenommen. Die Kosten betragen 180’000 Euro. Das kann sich das Rentnerehepaar nicht leisten. Ausweg: staatliche Förderung.

Damit war der Punkt abgehakt. Woher das Geld für die staatliche Förderung kommt und ob die zurückgezahlt werden muss, war keine diskussionswürdige Frage.

Zurzeit werden weniger als 1% der Häuser pro Jahr thermisch saniert. Gefordert werden bis zu 4%. Dass man dann 5mal so viele Handwerker braucht, die man aber nicht hat, wurde zwar erwähnt, aber nicht als ein Problem betrachtet. Die Zeit war auch nicht dafür da, weil uns Frau Neubauer nochmal in Erinnerung rufen musste, dass sie Welt sonst bald untergeht.

Besonders der Anstieg des Meeresspiegels sei ein großes Problem. Wenn alle beim Häusersanieren sind und niemand mehr Zeit hat, sich um die Deiche zu kümmern, dann hat sie wohl recht.

Man weiß beim Anschauen nicht, ab man mehr Lachen oder Weinen soll.

Meine Entscheidung: die nächste Talkshow wird erst 2024 angeschaut.

Veraltet?

Grundlast ist ein statistisches Phänomen.

Solange es eine gemeinsame Quelle gibt, aus der alle versorgt werden, kommt es niemals vor, dass alle Stromverbraucher gleichzeitig abgeschaltet werden. Selbst wenn der Bereich nicht sehr viele Verbraucher enthält, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering. Bei Millionen Verbrauchern ist sie praktisch null.

Wenn es jetzt im Bundestag heißt, dass Grundlast ein überholtes Konzept ist und die Zukunft angebotsorientiert ist, dann verschwindet die Grundlast nicht. Auch wenn versucht wird, die Nachfrage über den Preis zu steuern, wird dies nicht funktionieren, weil es etliche Verbraucher gibt, die keine Alternative haben z. B. Krankenhäuser.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten die Grundlast zu beseitigen.

Man kann den Strom bewirtschaften. Je nach vorhandener Stromerzeugung werden Verbraucher an- und abgeschaltet. Dies funktioniert aber nur in Entwicklungsländern und Kriegsgebieten, nicht in einer Industriegesellschaft.

Die andere Möglichkeit ist, dass es gar keine gemeinsame Quelle, d.h. ein Stromnetz gibt. Jeder Verbraucher ist autark und macht sich seinen Strom selbst. Diese Konzepte sind aber bisher immer gescheitert.

Panik wg. Umfragen?

Update (26.4.2021) siehe am Ende des Textes

Mal wieder was zur Energiewende, was ich nicht verstehe.

Die Bundesregierung hat heute beschlossen, dass 2022 zusätzliche Windenergieanlagen mit 4 Gigawatt Leistung installiert werden sollen. Das bedeutet eine Verdoppelung der bisher geplanten Menge. Wann vergibt die Bundesregierung die Bauaufträge und wo wird gebaut?

Die Bundesregierung vergibt natürlich gar keine Aufträge und wo gebaut wird, weiss heute auch keiner. Die Bundesnetzagentur erhöht nur die ausgeschriebene Menge. Firmen („Projektentwickler“) müssen sich Orte suchen, an denen noch Windturbinen aufgestellt werden dürfen, müssen sich um eine Genehmigung bemühen, müssen die Finanzierung beschaffen, etc. Wenn sie die Genehmigung haben, können sie sich an der Auktion der Bundesnetzagentur beteiligen und wenn sie den Zuschlag bekommen, können sie die Anlagen bauen. Wo ist das Problem? Die zugeteilte Menge wird nur gebaut, wenn zu mindestens die gleiche Menge geboten wird. Wie sah es den bei bisherigen Auktionen aus? Hier ein Diagramm aus den offiziellen Zahlen der Bundesnetzagentur:

Wie man sieht, war die letzte Auktion überzeichnet, aber die sechs Auktionen davor waren unterzeichnet. Die gesamte nicht vergebene Leistung betrug 1,2 Gigawatt.

Damit bei einer Unterzeichnung die gebotenen Preise nicht in die Höhe schnellen, gibt es eine Obergrenze für die Gebote. Sind aber die Auktionen immer unterzeichnet, wäre jeder Bieter dumm, wenn er nicht mit der Obergrenze anbieten würde. Einige taten es trotzdem. Bei ständiger Unterzeichnung findet daher kein Wettbewerb mehr statt.

Um dieses zu verhindern, hat man im EEG 2021 (verabschiedet kurz vor Weihnachten) eine sogenannte endogen Mengensteuerung eingebaut. Wenn nicht ausreichend neue Genehmigungen vergeben wurden und die letzte Ausschreibung bereits unterzeichnet war, muss die Bundesnetzagentur die ausgeschriebene Menge reduzieren. Wenn dieser Mechanismus funktioniert (was einige Ökonomen bezweifeln), dann wird die ausgeschriebene Menge bestimmt durch die Menge der Genehmigungen und die Angebote. Dies ist durch Gesetz geregelt.

Der Beschluss der Bundesregierung ist nur eine Festsetzung der Obergrenze, die eventuell nie erreicht wird.

Die letzte Ausschreibung war am 1. Februar 2021. Bisher (22.4.2021) sind keine Ergebnisse veröffentlicht worden. Bei anderen Ausschreibungen waren die Ergebnisse zu diesem Zeitpunkt längst bekannt. Bei dieser Ausschreibung war die Obergrenze von bisher 6,2 ct/kWh auf 6,0 ct/kWh gesenkt worden. Ausserdem war mit 1500 Megawatt eine sehr grosse Menge ausgeschrieben.

Ich tippe auf eine Unterzeichnung der Ausschreibung.

Update (26.4.2020):

Die Ergebnisse der Auktion vom 1. Februar wurden noch nicht veröffentlicht mit folgender Begründung:

Die nach § 105 Absatz 1 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vorgesehene beihilferechtliche Genehmigung durch die Europäische Kommission liegt derzeit noch nicht vor. Sobald die Genehmigung der Europäische Kommission vorliegt, können die Zuschläge erteilt werden.

Die nächste Auktion findet man 1. Mai 2021 statt . Die Bundesnetzagentur hat die Ausschreibungsmenge um ca. 20% reduziert, weil auf Grund fehlender Genehmigungen mit einer Unterzeichnung zu rechnen ist.

Kannibalisierung

Das EEG-Gesetz soll auf die Schnelle geändert werden.

Dabei sind einige interessante Änderungen. 2030 sollen in Deutschland 8,4 GW in Biomasse-Anlagen installiert sein. Das ist eine Kehrtwende. Bisher sah es so aus, dass man den Eindruck haben konnte, dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Biogasanlagen ein Irrweg sind. Es wurden in den letzten Jahren nur sehr wenig Biogasanlagen ausgeschrieben und ein Forschungsinstitut ging davon aus, dass die Biogasanlagen von 5 GW auf 1 GW zurückgehen würden.

 Der Maisanbau mit den entsprechenden Folgen wird also wohl noch zunehmen.

2030 soll 100 GW Photovoltaik installiert sein. Die Anlagen werden natürlich niemals 100 GW liefern, aber die Produktion kann häufig größer sein als der Bedarf, der vom Netz verarbeitet werden kann. Dann fällt der Preis und kann dann sogar negativ werden. Dies war aber für die Betreiber kein Problem, da ihr Einkommen unabhängig vom Verkaufspreis des Stromes war. Es gab eine Ausnahme. Wenn der Strompreis länger als 6 Stunden negativ ist, erhalten sie Betreiber nichts. Dies trat bisher immer häufiger auf und soll zu 10% Einnahmeausfall geführt haben. Im neuen Entwurf sollen die Betreiber sofort, wenn der Strompreis negativ wird, nichts mehr bekommen. Die Lobbyorganisationen sprechen von 20% Ausfall. Diese Betrachtung gilt natürlich auch für Windturbinenanlagen.

Je mehr EE-Anlagen in Betrieb gehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Strompreise negativ sind.

Die Anlagen erhalten eine Vergütung, die für 20 Jahre festgeschrieben wird. Als Projektierer muss ich in meiner Kalkulation also berücksichtigen, wie häufig ich kein Geld für meinen Strom bekomme. Denn meine Kosten bleiben ja gleich und die muss ich auf die Stunden, in denen ich Geld bekomme, umlegen.

Zusätzlich weiss ich nicht, wie sich das Wetter in den nächsten 20 Jahren entwickelt. Wenn ich das Risiko einer Insolvenz nicht eingehen will, muss ich also Risikozuschläge machen. Ausser ich bin gar nicht der Investor und überlasse das Risiko meinen Investoren.

Je mehr Anlagen installiert werden, desto geringer sind die Stunden, in denen ich etwas verdiene und desto mehr muss ich in diesen Stunden verdienen. Das System kannibalisiert sich.

Aber dann ändern wir wieder das Gesetz. Es gäbe da einen Ausweg.

Inzwischen sind die Netzentgelte höher als die Stromgestehungskosten und sie steigen natürlich weiter, weil der Netzbau gerade erst begonnen hat. Deshalb kam man jetzt die Idee auf, dass ein Teil der Netzkosten aus Steuergeld bezahlt wird, dann steigt die EEG-Zulage nicht mehr so stark.

Man könnte auf die Idee kommen, dass man einen großen Teil der Stromkosten aus Steuergeld bezahlt.

Dann hätte Deutschland die niedrigsten Stromkosten auch bei größtem EE-Anteil.

Warum ich kein Flusswasser trinke…

Es gibt ein neues Argument gegen fossile Kraftwerke. Fossile Kraftwerke brauchen Wasser und Wasser wird durch den Klimawandel knapp. Der Universalgelehrte Harald Lesch brachte dieses Argument prompt in einer seiner Sendungen.

Und schon fängt das Durcheinander an. Im Windkraft-Journal heißt es zuerst, dass die Wassermengen zur Dampferzeugung gebraucht werden. Das ist Unsinn. Der Wasserkreislauf in einem fossilen Kraftwerk ist geschlossen und nur ein Bruchteil wird kontinuierlich ersetzt.

In nächsten Absatz heißt es dann, dass das Wasser zum Kühlen verbraucht wird.

Bei der Wasserkühlung fossiler Kraftwerke gibt es mehrere Möglichkeiten. Die mit 95% häufigste in Deutschland ist die Direktkühlung. Dabei wird Wasser aus Flüssen entnommen und um ca. 8 Grad aufgewärmt und dann wieder an den Fluss zurückgegeben. Da die Temperatur des zurückgegebenen Wassers begrenzt ist, kann im Sommer dies zu Beschränkungen beim Betrieb der Kraftwerke führen.

Die Temperatur des Flusses erhöht sich nach der Durchmischung kaum merklich.

Damit sind die fossilen Kraftwerke in Deutschland der größte Wasserverbraucher.

Was soll das eigentlich heißen, dass das Wasser verbraucht ist? Verbraucht ist etwas, wenn es für seinen ursprünglichen Gebrauch nicht mehr nutzbar ist. Für was wird das Flusswasser gebraucht. Es dient zur Schifffahrt. Diese ist offensichtlich nicht beeinträchtigt. Das Flusswasser versickert zum Teil und wird Grundwasser. Auch hier findet keine Beeinträchtigung statt. Fische haben Sex im Flusswasser (laut W. C. Fields). Auch dies scheint nicht beeinträchtigt zu werden.

Worin besteht also dieser schreckliche Wasserverbrauch?

4,5 Mrd. m3 Wasser werden in der EU auf diese Art «verbraucht». Was sagt uns diese Zahl? Natürlich nichts. Dies sind 140 m3/s. Dies entspricht ungefähr 2% der Wassermenge des Rhein. Die anderen 98% und das Wasser sämtlicher anderen Flüsse in der EU fließen «unverbraucht» in die Ozeane.

Wenn etwas knapp wird, dann ist es das Grundwasser und nicht das Flusswasser. Wenn man schon alles weiß, wie Herr Lesch dann sollte dies doch auch wissen.