Archiv der Kategorie: Energiewende

Brexit auf bayrisch?

In München hat eine Initiative einen Bürgerentscheid durchgebracht, dass das bestehende Kohlekraftwerk 2022 abgeschaltet werden soll. Der Bürgerentscheid ist aus formalen Gründen nicht mehr bindend, aber die Kommunalpolitiker fühlen sich gebunden. Das Kohlekraftwerk liefert nicht nur Strom, sondern auch Fernwärme. Daher kamen die Stadtwerke auf die Idee, das Kohlekraftwerk durch ein Gaskraftwerk (Gas- und Dampfkraftwerk, GuD) zu ersetzen. Von den Politikern der Umlandgemeinde wurde dieser Vorschlag jetzt einstimmig abgelehnt. Es ist unklar, wie es jetzt weitergehen soll. Einige schlagen vor, mehrere kleine Blockheizkraftwerke zu bauen. Die Emissionen solcher kleinen Kraftwerke sind in der Regel aber höher als die von größeren Blöcken. Eine andere Möglichkeit ist, dass die Bundesnetzagentur das Abschalten des Kohlekraftwerkes nicht erlaubt, weil es systemrelevant ist. Zurzeit erlaubt die Bundesnetzagentur das Abschalten von konventionellen Kraftwerken südlich der Mainlinie nicht. Diese Entscheidung wird aber wohl erst 2021 gefällt werden. Falls die Bundesnetzagentur das Abschalten dann erlaubt, ist es aber für einen ersatzbau zu spät.

Das ganze Verfahren erinnert an den Brexit. Wenn es in Deutschland die Möglichkeit von Volksentscheiden geben würde, könnte ich mir gut vorstellen, dass man einen Kohleausstieg beschließt und das Ganze endet dann wie der Brexit.

Subventionen für Haustiere

Was sind Subventionen? Juristen bezeichnen Zahlungen aus der Staatskasse an Betriebe als Subventionen. Volkswirte bezeichnen auch Steuervergünstigungen und Sozialleistungen als Subventionen. Steuervergünstigungen sind aber nur Subventionen, wenn davon nur einige, nicht alle profitieren.

Im Alltag versteht man wohl am ehesten unter Subvention die juristische Definition.

In der Zeitung las ich vor kurzem, dass weltweit fossile Energien mit 600 Mrd. Euro subventioniert werden. Greenpeace berechnet für Deutschland allein 46 Mrd. Euro. Aber man muss schon in die detaillierten Berichte schauen, um zu verstehen, welche Definition von Subvention gemeint ist. Ein Blick in den Greenpeace-Bericht zeigt, dass nach juristischer Definition keine Subventionen gezahlt werden. Die Subventionen berechnen sich hauptsächlich aus Steuersubventionen. Es wird sogar ein erweiterter Subventionsbegriff verwendet.

Gemäss einem internationalen Abkommen wird der Treibstoff für internationale Flüge (Kerosin) nicht besteuert. Dies wird als eine Subvention betrachtet. Doch wie hoch ist die Subvention? Eine Kerosinsteuer könnte ja einen beliebigen Steuersatz haben. Verglichen wird wohl mit dem Steuersatz auf Benzin. Wenn also die Steuer auf Benzin sinkt, sinken auch die Subventionen für Kerosin. Auch Diesel wird nach dieser Definition subventioniert, weil der Steuersatz auf Diesel niedriger ist als auf Benzin.

Wenn man also die Benzinsteuer abschafft, schafft man gleichzeitig die Subventionen für Kerosin ab.

Jetzt soll ja durch eine CO2-Steuer das Benzin teurer werden. Damit wird automatisch die Subvention für Kerosin erhöht.

Mit der Ausnahme von Hunden werden Haustiere nach diesem Schema subventioniert, denn es gibt eine Hundesteuer, aber keine Katzen- oder Hamstersteuer und auch keine Kanarienvogelsteuer.

Man könnte natürlich auch so argumentieren, dass die Hunde diskriminiert werden. Ist das Gegenteil von Subvention Diskriminierung?

Wahrscheinlich gilt der weise Ausspruch eines früheren Kollegen: «Jede Berechnung ist sinnlos, wenn man nicht weiß, was rauskommen muss.»

Energiewende theologisch

Heute ging es in unserer Regionalzeitung (Nordwest-Zeitung, NWZ) natürlich auch uns Klima. An wen stellt man wohl die Frage: «Wie steht Deutschland aus Ihrer Sicht bei der Energiewende da?» Sie haben richtig geraten: an den Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck. Die Antworten erspare ich dem Leser.
Der Weltklimarat (IPCC) gilt bei allgemein als die unantastbare Instanz, was die Erforschung des Klimawandels und seine Bekämpfung betritt. Kritik an ihm gilt als Häresie. Wer behauptet, dass der IPCC hat auch politische Agenda hat, hat sich disqualifiziert.
Dummerweise ist der IPCC der Meinung, dass man mit Sonnen- und Windenergie den Klimawandel nicht in den Griff bekommt. Man braucht auch Kernenergie und CCS (das Abtrennen von Kohlendioxid aus den Abgasen und Verpressen unter der Erde). Diese Techniken fürchtet der aufrechte deutsche Grüne aber mehr als der Teufel das Weihwasser. Ein Herr Christoph von Lieven, Sprecher für Greenpeace, erklärte dies in der NWZ für ein «politisches Zugeständnis». Der Weltklimarat macht politische Zugeständnisse?? An wen?
«Technologien wie CCS sind im Interesse von Erdölexporteuren wie Saudi-Arabien und der Kohleindustrie, die Geschäftsmodelle bedroht sehen.» erklärt er.
Wem soll man da noch glauben, wenn selbst der IPCC von RWE unterwandert ist?

Erst die Kernkraft, dann die Kohle

Die deutsche Energiewende ist bezüglich der Reduktion des CO2-Ausstosses nicht sehr erfolgreich. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Strom aus Wind und Solarenergie zum grossen Teil benötigt wurde, um den Strom aus der Kernenergie zu ersetzen. Der Strom aus Braun- und Steinkohle wurde praktisch nicht reduziert.
Wenn man die Kernkraftwerke beibehalten hätte, wäre es möglich gewesen, den Strom aus der Braunkohle um 40% zu reduzieren.
In den nächsten 4 Jahren schalten die letzten Kernkraftwerke ab. Kann deren Strom durch Windenergie ersetzt werden? Dazu müsste der Windstrom um ca. 70% zunehmen. Die jetzige Zubaurate beträgt aber nur 4% pro Jahr. Damit würde es ca. 15 Jahre dauern bis der Strom aus Kernenergie kompensiert ist. Danach kann man dann mit dem Ausstieg aus der Kohle anfangen.
Für den Klimaschutz war es wohl das Dümmste aus der Kernenergie auszusteigen. Der Weltklimarat (IPCC) war schon immer der Meinung, dass Klimaschutz ohne Kernkraftwerke nicht geht. Dass sich die deutsche Ökologiebewegung gegen den Weltklimarat stellt, ist in Deutschland praktisch unbekannt.

Neue Zeitkonstante

In der Physik gibt es ein Bonmot, dass der erste Fusionsreaktor in 50 Jahren fertig ist und dass diese Aussage unabhängig davon ist, wann sie gemacht wurde.
Ich erwarte mit dem Klimawandel eine ähnliche Aussage. Jetzt heißt es, dass wir noch 10 Jahre Zeit haben, um ihn aufzuhalten. Diese Aussage wird auch in der Zukunft gelten.
Was würde passieren, wenn man plötzlich erkennt, dass man den Zeitpunkt verpasst hat? Warum sollte man dann noch Geld für die Energiewende ausgeben? Warum sollte man dann noch Klimaforschung betreiben?

Lasche Haltung

Vor kurzem gab Prof. Schellnhuber der FR ein Interview. In darauffolgenden Leserbriefen wurde er für seine «lasche» Haltung kritisiert.
Wenn man das Interview genau durchliest, dann stellt man fest, dass Prof. Schellnhuber meistens im Konjunktiv spricht. Er hat dazugelernt. Vor Jahrzehnten hat man noch grosszügig Prognosen gemacht in der Art «2010 gibt es keinen Schnee mehr in den Alpen.».
Wenn mal ehrlich ist, muss man zugeben, dass man zwar weiss, dass es wärmer wird. Wieviel es jedoch wärmer wird und wo und welche Folgen das hat, das wissen wir nicht genau und können es vielleicht auch gar nicht wissen bei einem chaotischen System wie dem Klima. Die Vorhersagen schwanken zwischen 1.5° und 4.5° bis zum Jahr 2100.
Leute wie Prof. Schellnhuber meinen, dass eine vollkomme Änderung unserer Lebensweise und unseres Gesellschaftssystems notwendig seien. Das hat ihm den Vorwurf einer «Ökodiktatur» eingetragen.
Wenn ich derartig starke Veränderung fordere, dann müssen dahinter auch Annahmen für die Folgen des Klimawandels stecken. Ich habe den Eindruck, dass wer maximale Veränderung fordert auch von maximalem Schaden ausgeht. J. Trittin hat sich mal in einem Interview auf Phoenix dahingehend geäussert. Man müsse die pessimistischsten Prognosen zur Basis der Politik machen.
Dieses wurde mMn niemals in Deutschland diskutiert.
Nach meinem Eindruck widerspricht es der menschlichen Natur immer vom schlimmsten auszugehen (Ausnahmen bestätigen die Regel.). Wenn ich vom schlimmsten ausgehe (in zwei Minuten bin ich tot), dann führt das zum Fatalismus.

Viel mal wenig = wenig

Der diesjährige warme und trockene Sommer gab zu vielen Analysen Anlass. Ein Aspekt wurde aber nicht gewürdigt. Warme und trockene Sommer entstehen durch festliegende Hochdrucksysteme. Die Luftdruckunterschiede sind über weite Strecken gering und dies bedeutet, dass es wochenlang sehr windstill ist. Die Windturbinen stehen meistens still oder drehen sich nur langsam.
Wenn man also mal annimmt, dass durch den Klimawandel solche Sommer zum Normalfall werden, dann fällt die Windenergie als Stromlieferant im Sommer praktisch aus. Wenn kein Wind weht, nützt es auch nichts, wenn man mehr Turbinen aufstellt, die sich dann auch nicht drehen.

Alptraum oder Parabel über die Energiewende

Ich stehe auf einem Deich an der Nordsee. Es ist auflaufendes Wasser und stürmischer Nordwestwind. Windstärke 9, in Böen 10. Man kann sich nur mit Mühe halten. Neben mir steht ein vegetarischer Arzt aus Marienhafe und bläst mit voller Kraft gegen den Sturm an. Ich schaue ihn entgeistert an und sage: «Was soll das denn werden?». Er dreht sich zu mir und schreit: «Immerhin besser als gar nichts tun.» Ich will gerade richtig loslachen, da schläft der Sturm plötzlich ein. «Ich muss jetzt leider gehen, noch Hausbesuche zu machen», sagt der Arzt.

Kohle mit Kohle ohne Kohle machen…

Versorgungsunternehmen kaufen Strom nicht nur an der Börse. Um einen günstigen Einkaufspreis zu erzielen, kaufen sie den Strom bereits Jahre im voraus ein. Aber nur konventionelle Kraftwerke können garantieren, dass sie den Strom auch wirklich liefern können.
Also kauft z.B. ein Versorger 3 Jahre im voraus den Strom bei einem Kohlekraftwerkbetreiber für 40 Euro / MWh.
Wenn der Strom geliefert werden muss, ist zufälligerweise sehr viel Wind. Der Strom kostet an der Börse fast nichts.
Der Kohlekraftwerksbetreiber reduziert seine Leistung oder schaltet ganz ab und kauft den Strom billig an der Börse ein. Er liefert den fast kostenlosen Strom für 40 Euro / MWh und spart auch noch die Kohlekosten.
Sind das „windfall profits“?

Netzzeit

In den letzen Tagen liefen die Backofenuhren 6 Minuten nach. Jetzt berichtet das Manager-Magazin und der Spiegel, dass das Problem in Kosovo und Serbien entstanden sei. Dadurch sei die durchschnittliche Frequenz von 50 Hz auf 49.95 Hz abgesunken und das hätte sich in 2 Monaten zu 6 Minuten addiert.
Rechnen wir mal schnell nach. Wenn die Frequenz 49.95 statt 50.00 ist, laufen die Uhren genau ein Tausendstel zu langsam. Um 6 Minuten zu erreichen, müssen also 6000 Minuten vergehen, bis 6 Minuten erreicht sind. Das sind etwa 4 Tage (6000 / 60 / 24), aber nicht 60 Tage.
Ich vermute mal, dass die Frequenz nur auf 49.995 Hz gefallen ist und es 40 Tage (= 6 Wochen) gedauert hat. Dann passen die Zahlen.
Gibt es bei Zeitungen eigentlich eine Qualitätskontrolle?