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Abgeregelt…

Die Bundesregierung hat in ihrem Klimaschutzprogramm angegeben, welche Beiträge die erneuerbaren Energien 2030 zur Stromerzeugung erbringen sollen. Wenn man die erzeugte Strommenge mit der Menge von 2018 vergleicht, könnte man die neuen installierten Leistungen berechnen.

Wind an Land soll um den Faktor 1.62, Wind auf See um den Faktor 4.40 und Solarenergie um den Faktor 2.20 erhöht werden. Biomasse und Wasserkraft sollen etwa gleichbleiben.

Wenn man die Stromerzeugung von 2018 stundenweise mit diesen Faktoren erhöht und noch dazu annimmt, dass aus Stabilitätsgründen 7 GW konventionelle Anlagen nötig sind, so stellt man fest, dass in 2800 Stunden (= 32%) die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen die Last überschreitet. Es muss ca. 10% der erzeugten Strommenge abgeregelt werden. Man könnte auf die Idee kommen, einfach 10% mehr zu installieren. Mit mehr installierter Leistung steigt aber auch die abgeregelte Menge. Um die im Klimaschutzprogramm vorgesehene Energie zu erreichen, muss die installierte Leistung um weitere 35% erhöht werden. Damit müssen erhöht werden gegenüber heute: Wind an Land um den Faktor 2.15, Wind auf See um den Faktor 5.85 und Solarenergie um den Faktor 2.93.

Für Wind an Land bedeutet das einen Zubau von 6000 MW pro Jahr. Bisher wurden maximal 5000 MW in einem Jahr (2017) installiert. Für Wind auf See sind es 3500 MW pro Jahr und es wurden bisher maximal 1270 installiert. Die Solarenergie müsste jedes Jahr um 9300 MW wachsen. Bisher war der maximale Wert 7900 MW im Jahr 2011. Nichts ist unmöglich, aber vieles ist nicht wahrscheinlich.

Wird es so ausgeführt, dann wird Deutschland in über 50% der Zeit, abgesehen von den 7 GW, nur von den erneuerbaren Energien versorgt. Leider müssen 23% der Energie abgeregelt oder ins Ausland verschenkt werden. Es handelt sich um 112 TWh, die bei einem Strompreis von 6.2 ct/kWh (Wind an Land), einen Wert von ca. 7 Mrd. Euro haben.

Diese 7 Mrd. Euro müssen auf jeden Fall bezahlt werden. Sollte man das EEG ändern, dass der Überschussstrom nicht mehr bezahlt wird, müssen die Betreiber der Anlagen notgedrungen das Geld auf die bezahlten Stunden umlegen.

Diese Überlegungen berücksichtigen keine Speicher (da ich nicht daran glaube, dass bis 2030 diese zur Verfügung stehen). Ausserdem wird davon ausgegangen, dass der Stromverbrauch nicht zunimmt. Ich glaube nicht daran, aber es macht die Rechnung einfacher und die Bundesregierung glaubt daran.

Schmerz, lass nach!

Wenn man, wie ich, 25 Jahre als Marathonläufer verbringt, dann stellt man sich irgendwann die Frage, ob man unter Masochismus leidet. Es heißt ja auch, das Schönste am Marathon sei das Nachlassen des Schmerzes. Ein wenig Masochismus gibt es wohl in jedem.

Wenn alle, die Angst vor dem Klimawandel haben, etwas dagegen tun wollten, könnten sie es.

Man darf seine Zimmertemperatur beliebig weit absenken (in Mietshäusern gibt es für innenliegende Wohnungen vielleicht eine Begrenzung). Man darf den Kühlschrank verschrotten. Man darf nur noch kalt duschen und hauptsächlich Rohkost essen. Man darf alles Geld, das man nicht zum Überleben braucht, in eine Wärmepumpe und Solaranlagen investieren.

Auch das Klimapaket der Bundesregierung verbietet nichts davon. Wenn zu mindestens die 41% der Bevölkerung, die Angst vor dem Klimawandel haben, ihren CO2-Ausstoss um 80% reduzieren, sollten die deutschen Klimaziele in greifbare Nähe gelangen.

Wenn Deutschland den Vorreiter macht und die Welt dann folgt, warum sollte es dann nicht auch innerhalb Deutschlands funktionieren? 41% machen den Vorreiter und die anderen folgen.

Aber nein, so geht es nicht. Wir wollen, dass die Bundesregierung uns so mit der CO2-Steuer quält, dass wir laut aufschreien und sofort die Wärmepumpe bestellen und uns schon darauf freuen, wie der Schmerz nachlässt, wenn sie geliefert wird.

Wie teuer wird’s eigentlich?

Im letzten Sachstandsbericht hat sich der Weltklimarat auch dazu geäussert, wie hoch die Schäden sein werden, wenn sich die globale mittlere Temperatur um 2°C erhöht. Natürlich ist es sehr schwierig so etwas vorherzusagen, wie immer bei Vorhersagen über die Zukunft. Aber man bekommt aber zu mindestens einen Eindruck von der Größenordnung. Hier der Text:

“the incomplete estimates of global annual economic losses for additional temperature increases of ~2°C are between 0.2 and 2.0% of income (±1 standard deviation around the mean) (medium evidence, medium agreement).

Mit income ist hier das Bruttoinlandsprodukt gemeint. Maximal 2% des BIP. Die Zahl kommt einem irgendwie bekannt vor. 2% des BIP sind die geforderten Militärausgeben innerhalb der NATO.

Wir hören jetzt jeden Tag, dass die Welt durch den Klimawandel untergeht. Wieder sorgt der Weltklimarat im Kapitel 10 des fünften Sachstandsberichts für Verwirrung:

“For most economic sectors, the impact of climate change will be small relative to the impacts of other drivers (medium evidence, high agreement). Changes in population, age, income, technology, relative prices, lifestyle, regulation, governance, and many other aspects of socioeconomic development will have an impact on the supply and demand of economic goods and services that is large relative to the impact of climate change.”

Greta sagt, dass wir auf die Wissenschaftler hören sollen. Wenn die aber jetzt etwas anderes sagen als Greta?

Wie soll das gehen?

In dem ganzen Klimaschutzpaket wird davon geschrieben, dass von der Verbrennung von Kohle (oder Gas) auf Strom umgestiegen werden soll.

Im Jahr 2018 produzierten die Kernkraftwerke noch 72 TWh Strom. Der Wind lieferte 112 TWh und die Solaranlagen 46 TWh.

In den nächsten drei Jahren fallen die Kernkraftwerke weg. Realistischerweise kann der Kernkraftstrom CO2-frei nur durch Windkraftwerke ersetzt werden. Die Windenergie müsste innerhalb von 3 Jahren um 64% ausgebaut werden, um den Kernkraftstrom zu ersetzen. Das sind etwa 39’000 MW zusätzliche Windenergieanlagen. 2019 wurden von der Bundesnetzagentur 3675 MW ausgeschrieben. Bei diesem Tempo würde es 12 Jahre dauern, bis die Kernkraftwerke kompensiert sind.

In den bisher beendeten Auktionen wurden aber nur 1133 von 2500 MW vergeben. Wenn sich diese Quote nicht verbessert, dauert es sogar 23 Jahre, bis die Kernenergie kompensiert ist und CO2-Emissionen gesenkt werden können.

Auf die Solarenergie würde ich nicht setzen, solange es keine preisgünstigen Speicher gibt und die wird es in ausreichender Zahl in den nächsten 10 Jahren nicht haben.

Nicht korrekt.

Bei der Pressekonferenz der Bundesregierung zum Klimaschutzpaket ist mir einiges aufgefallen.

Angela Merkel spricht vom Klimawandel und der Erderwärmung. Politisch korrekt muss es jetzt Klimakrise und Erderhitzung heißen.

Markus Söder sprach davon, dass man jetzt Einigkeit in der Bevölkerung schaffen könne und nicht noch mehrere Wahlkämpfe zu dem Thema führen wolle.

SPD und CDU wollen, dass das Thema vom Tisch kommt, weil das Thema nur den Grünen hilft.

Die Grünen haben jetzt ein kleines Dilemma. Das Paket muss durch den Bundesrat und da sitzen die Grünen in vielen Regierungen. Sie müssen natürlich das Paket jetzt kritisieren und ihren Wählern eine Verschärfung im Bundesrat versprechen. Die Bundesregierung hat die Belastungen für die Wähler sehr moderat gelassen. Kommt es zu Verschärfungen und die Wähler ärgern sich später, wenn sie die Heizkostenrechnung bekommen, können CDU und SPD dies leicht den Grünen in die Schuhe schieben.

Was kostet es?

Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung ist herausgekommen und ich werde mal schauen, was es für uns bedeutet.

Wir emittieren mit unserer Gasheizung 4 t CO2 pro Jahr. Zusätzlich verbrauchen wir noch 2400 kWh Strom und verfahren 360 l Benzin.

Mit den vorgeschlagenen Aufschlägen und beim Benzin und der Einsparung beim Strom erhalten wir folgende Tabelle:

Jahr Gas Benzin Strom Summe
2021 40 10 -6 44
2022 80 20 -12 88
2023 100 25 -15 110
2024 120 30 -18 132
2025 140 35 -21 154

In 6 Jahren zahlen wir also 154 Euro mehr im Jahre für Gas und Strom. Die Einsparungen beim Strom sind eigentlich zu vernachlässigen. Bringt uns das dazu von der Gasheizung auf eine Wärmepumpe umzusteigen? Nein, denn dazu müssten wir mindestens 1000 Euro im Jahr mehr zahlen. Unser «Kipppunkt» für eine CO2-Bepreisung liegt bei fast 300 Euro / t.

Windige Zinsen

Ich habe mal “Windenergie Rendite” gegoogelt und bin auf einer Seite gelandet, die eine Verzinsung von 12% bei 2 Jahren Laufzeit verspricht.

Dann folgt dieser schöne Satz:

«Gerade während der Zeit von der Projektierung bis zur Fertigstellung des Windparks werden wesentlich höhere Gewinne als während des eigentlichen stromproduzierenden Betriebs erzielt. Auch daher ist der Ausstieg nach Beendigung der Bauphase interessant.»

Warum zahlt jemand in einer Niedrigzinsphase 12% Zinsen? Woher kommt der Gewinn in einer Zeit, wo nichts produziert wird, sondern nur investiert wird? Ist keine Bank bereit dieses Projekt zu finanzieren?

Wird hier jemand über den Tisch gezogen?

Der zweite Schritt

Mein Vater hat mir mal gesagt, dass ich immer an den zweiten Schritt denken solle, denn der erste Schritt sei einfach. Danach wird es immer schwieriger.

Wenn man mit dem Laufen beginnt, macht man am Anfang riesige Fortschritte. Aber je besser man wird, desto größer wird der Aufwand um besser zu werden. Das gleiche gilt auf für das Musizieren.

Auch in der Technik findet man dieses Verhalten. Je mehr man den Wirkungsgrad einer Anlage verbessern will, desto größer wird der Aufwand.

Dies ist ein allgemeines Phänomen.

Wenn man jetzt aber nicht einen einzelnen Prozess optimieren will, sondern die Summe mehrerer paralleler Prozesse? Nehmen wir als Beispiel eine Laufstaffel. Es macht keinen Sinn, wenn der Läufer, der bereits am meisten trainiert, sein Training steigert. Der Läufer, der bisher am wenigsten trainiert, muss sein Pensum steigern, weil bei ihm der größte Erfolg zu erwarten ist.

Was bedeutet, dass für die CO2-Emissionen? Eine Reduktion von 100% auf 90% ist in den meisten Fällen billig und einfach zu haben. Die Reduktion auf 0% ist wahrscheinlich kaum möglich und wenn ja, dann extrem teuer.

Man sollte also dort anfangen, wo mit dem geringsten Aufwand der größte Effekt erzielt werden kann.

Alle Länder sollten in etwa parallel arbeiten. Wenn ein Land als Vorreiter demonstriert, dass die CO2-Reduktion immer teurer wird oder am Ende fast unbezahlbar wird, ist das eine Verschwendung von Ressourcen, die besser an anderer Stelle eingesetzt werden.

Ingenieuren ist das alles bekannt. Den Akteuren der Energiewende wohl kaum.

33mal Weltrekord

Shell und ITM Power errichten die weltgrößte Anlage zur Elektrolyse von Wasserstoff (https://www.shell.de/medien/shell-presseinformationen/2018/weltweit-groe%C3%9Fte-wasserstoff-elektrolyse-anlage-rheinland.html).

Die Anlage hat eine elektrische Anschlussleistung von 10 MW. Sie wird in einer Raffinerie errichtet und deckt künftig 0,7% des Wasserstoffbedarfes der Raffinerie.

Die Bundesregierung hat einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben «Reallabore der Energiewende».

Die 20 Gewinner findet man hier: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/P-R/reallabore-der-energiewende-gewinner-ideenwettbewerb-steckbriefe.pdf?__blob=publicationFile&v=9

8 von 20 Ideen sind die Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse. Insgesamt wurden Elektrolyseure mit einer Anschlussleistung von 329,5 MW vorgeschlagen.

Wenn man den gesamten Wasserstoffbedarfs Deutschlands durch Elektrolyse erzeugen wollte, bräuchte man Anlagen mit einer kontinuierlichen Leistung von 13’000 MW. Die pro Jahr benötigte Energie wäre ca. 110 TWh. Dies entspricht in etwa der jetzigen Produktion aus Windenergie.

Dummerweise ist der Wasserstoff aus regenerativen Quellen dreimal so teuer wie Wasserstoff aus Erdgas.