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Noch ist Polen nicht verloren…

Russland hat die Gaslieferungen an Polen eingestellt, weil Polen auf die Zahlungsbedingungen nicht eingehen will.

Die polnische Regierung hat betont, dass dies kein Problem sei, da die polnischen Speicher fast voll seien.

Was ist aber die Realität?

Polen importiert zurzeit über zwei Übergänge Gas. Da ist einmal der Hafen Swinemünde, in dem LNG gelöscht wird. Dort können pro Tag zirka 220 Gigawattstunden Gas importiert werden. Außerdem fließt über die Yamal-Pipeline (russisches?) Gas von Deutschland nach Polen. In der Spitze sind dies 320 Gigawattstunden pro Tag. in der Summe also 540 Gigawatt Stunden pro Tag. Kontinuierliche Lieferung über das ganze Jahr vorausgesetzt, ergeben sich zirka 200 Terawattstunden Gas pro Jahr. Der jährliche Gasverbrauch Polens beträgt aber 250 Terawattstunden pro Jahr. Polen erwartet in diesem Sommer die Fertigstellung einer Pipeline über Dänemark nach Norwegen, um die Lücke zu füllen.

Polen ist also auf die beiden Lieferländer Norwegen und Deutschland angewiesen. Zum Glück gehören die beiden Länder zu den Guten.

Für das Gas aus Deutschland muss Polen, den aktuellen Preis am Spotmarkt vorausgesetzt, jeden Tag 30 Mio. € überweisen.

Mogelpackung?

Die Regierung hat beschlossen, dass die EEG-Zulage demnächst abgeschafft wird.

Was ist die EEG-Zulage?

Es gibt zwei Mechanismen, die die EEG-Zulage erzeugen. Bevor die Auktionen für Solar- und Windkraftanlagen eingeführt wurden, erhielten alle Anlagen eine garantierte Vergütung. Die Bundesnetzagentur verkaufte den Strom an der Börse. Manchmal machte sie dabei Gewinn, aber meistens Verluste. Diese Verluste muss der Stromkunde durch die Zulage ersetzen.

Seitdem es Auktionen für neue Anlagen gibt, müssen die Betreiber ihren Strom selbst vermarkten. Wenn Sie dabei Verluste machen, werden Ihnen diese durch die sogenannte Marktprämie ersetzt. Wenn Sie Gewinne machen, dürfen sie diese Gewinne behalten.

In den letzten Jahren lag der Strompreis an der Börse in der Regel bei circa 5 Cent pro Kilowattstunde. Die garantierten Vergütungen lagen aber etwas darüber.

In den letzten Wochen bis Monate lag der Strompreis an der Börse aber bei ca. 20 Cent pro Kilowattstunde und dort wird der Strompreis nach aller Wahrscheinlichkeit auch bleiben.

Für die Bundesnetzagentur bedeutet dies, dass ihre Verluste immer geringer werden. Auch für die Betreiber der neueren Anlagen tritt der Fall, dass sie die Marktprämie erhalten, immer seltener ein.

Der gestiegene Preis an der Börse führt also dazu, dass die Zulage langsam verschwindet.

Dies bedeutet aber letzten Endes keine Entlastung für den Stromkunden, denn die Reduzierung der Zulage kommt dadurch zustande, dass die Strompreise steigen. Sollten trotzdem noch Zahlungen notwendig sein, so werden sie über Steuern finanziert.

Die Betreiber der Anlagen werden also in der Zukunft größere Einnahmen haben. Diese höheren Einnahmen kommen vom Stromkunden.

Honi soit qui mal y pense

Auf SPON war ein Artikel, dass Russland kein Gas mehr an Polen liefert. Es wird berichtet, dass Polens Gasspeicher zu 76% gefüllt sind und die deutschen Gasspeicher nur zu 30%.

Aber was bedeutet das in Wirklichkeit? Die entscheidende Größe ist „stock per annual consumption“. Das heißt wieviel Prozent des jährlichen Verbrauches ist in den Speichern.

Die polnischen 75% entsprechen 11% des Jahresverbrauch, die deutschen 33% entsprechen 8% des Jahresverbrauchs.

Das bedeutet aber auch, dass Polen nur 15% seines Jahresverbrauchs speichern kann. Deutschland hat Speicher für 24% seines Jahresverbrauchs.

Polen will seinen steigenden Erdgasbedarf künftig aus Norwegen, durch LNG und durch Einfuhr aus seinen Nachbarländern decken. Auch aus Deutschland soll das Gas kommen. Doch woher kommt dieses Erdgas ursprünglich? Es gibt eine direkte, kurze Leitung von der Nordstream 1 Pipeline zum Übergabepunkt nach Polen. Honi soit qui mal y pense!

Wie ich unsere Welt im Großen sehe

Deutschland ist ein ressourcenarmes Land. Bedeutende Erzlager gibt es nicht (mehr). Unsere Steinkohle liegt zu tief im Boden und die Braunkohle will keiner mehr. Die Gas- und Erdölquellen decken höchstens 10% des Bedarfs. Das Land ist fruchtbar und kann sich im Prinzip selbst ernähren.

Der Wohlstand des Landes beruht auf der verarbeitenden Industrie (Maschinenbau, Auto- und Chemieindustrie). Wir importieren die Rohstoffe und machen daraus Produkte, die sich weltweit verkaufen lassen. Dazu brauchen wir Energie, viel Energie. Nach dem zweiten Weltkrieg lieferte die deutsche Steinkohle die Energie. Nachdem in anderen Ländern die Steinkohle im Tagebau abgebaut wird, ist die deutsche Steinkohle nicht mehr konkurrenzfähig. Ein neuer Energieträger musste her. Kernenergie war gesellschaftspolitisch irgendwann nicht mehr durchsetzbar. Der Ölpreisschock der 70er Jahre zeigte die Problematik der instabilen Lage der ölproduzierenden Länder, aber für den Autoverkehr war die Einfuhr von Öl unvermeidlich. In den 70er Jahren war man der Meinung, dass Erdgas viel zu wertvoll ist, um es zu verbrennen. Der Neubau von Gaskraftwerken war nicht mehr gestattet. Neue Lagerstätten, vor allem in der Nordsee, brachten eine Wende. Erdgas gab es in ausreichendem Mengen und die Verbrennung war entschieden umweltfreundlicher als die Verbrennung von Kohle. Gaskraftwerke wurden wieder gebaut. Der Bedarf an Erdgas stieg und neue Lieferanten wurden gebraucht. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion boten sich neue Möglichkeiten. Russland brauchte Geld, viel Geld und war bereit Erdgas, Öl, Kohle und andere Rohstoffe zu verkaufen. Außerdem bot sich dort ein neuer Markt für deutsche Produkte und Investitionen. Es wurden Pipelines gebaut und tausende deutsche Firmen investierten in Russland. Deutsche Firmen haben sogar Konzession zur Förderung von Erdgas in Russland erworben als Tausch für Gasspeicher in Deutschland.

Aber diese Entwicklung war nicht unproblematisch und wurde nicht überall gutgeheißen.

Ab 2005 gab es Streitigkeiten zwischen der Ukraine und Russland über die Durchleitung des russischen Erdgases und über den Gaspreis. Es kam sogar zu einem kurzfristigen Unterbruch der Gaslieferungen. Als Lösung wurde die Pipeline Nordstream 1 gebaut, die durch die Ostsee direkt von Russland nach Deutschland verläuft. Wirtschaftlich gesehen war die Entwicklung ein Erfolgsmodell.

Diese wirtschaftlich sinnvolle Entwicklung war aber politisch nicht ausreichend abgesichert.

Aus historischen Gründen sehen die osteuropäischen Länder, insbesondere Polen, eine Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland immer kritisch. Die Ukraine verdiente 5% ihres Staatshaushaltes mit den Transitgebühren für das Erdgas. Ausserdem hat es immer eine Erpressungsmöglichkeit, solange es nicht ausreichend Pipelines durch die Ostsee gibt.

Fast allen europäischen Ländern gefällt ein sehr starkes Deutschland nicht. Man möchte daher Deutschland gerne in die EU einbinden, aber nicht als starke Führungsmacht.

Deutschland möchte die Führungsrolle auch nicht. Man lässt lieber andere vorangehen.

Den USA ist eine Verbindung aus deutschem Knowhow und Kapital und russischen Ressourcen seit jeher eine Horrorvorstellung, behauptet der amerikanische Politologe George Friedman.

Die US-amerikanische geopolitische Strategie beruht darauf, in Ländern, die den USA nicht wohl gesonnen sind, eine Änderung des Regimes zu unterstützen oder notfalls herbeizuführen. Es wird erwartet, dass danach demokratische Regierungen die Macht übernehmen. Demokratische Regierungen sind immer den USA wohlgesonnen und Demokratien führen keine Kriege, ist die Erwartung. Das Ziel ist also weltweites „Friede, Freude, Eierkuchen“. Die Maidankrise 2014 scheint diese Strategie zu bestätigen. In vielen Ländern hat sie aber nicht funktioniert.

Bisher waren die USA die einzig übriggebliebene Weltmacht, aber es ist offensichtlich, dass China ihnen diese Position streitig machen wird. Für China war das Jahrhundert von 1850 bis 1950 das große Jahrhundert der Demütigung durch den Westen (hauptsächlich den USA). Chinesen halten sich dem Rest der Welt für überlegen und beanspruchen von daher wie selbstverständlich eine Führungsrolle.

Die USA können sich nicht mit China auseinandersetzen und gleichzeitig noch ein starkes Russland mit europäischen Partnern akzeptieren. Es gab in den USA verschiedene Vorschläge für Vorgehen. Oppositionelle wurden in Russland unterstützt, die Nato wurde immer weiter nach Osten ausgedehnt. Es gab Vorschläge nach dem Kündigen der Abrüstungsverträge mit Russland einen neuen Rüstungswettlauf mit Russland zu starten.

Die EU und Deutschland gelten in den USA nicht als starke Kräfte, die US-amerikanischen Entscheidungen widersprechen könnten. Für die EU reicht es, dass man die Länder unterstützt, die als Störenfriede eine Einigkeit in der EU nicht wünschen. Das sind z.B. Polen, Ungarn und Dänemark. G. Schröder als Bundeskanzler wagte es, den USA beim Irakkrieg zu widersprechen. Aber das war die große Ausnahme.

Nach der Bukarest-Konferenz der NATO 2008 ließen die USA verkünden, dass man die Ukraine und Georgien in der NATO willkommen heiße. Angela Merkel hatte ihr Veto eingelegt, aber das wurde nicht berücksichtigt.

Russland antwortete sofort, dass man das als nicht-akzeptable Bedrohung sieht. Dies wurde aber auch ignoriert.

Im Maidan-Putsch, der die russlandfreundliche Regierung 2014 verjagte, wurde die Opposition von den USA und der EU unterstützt. In den folgenden Jahren wurde die Ukraine massiv aufgerüstet und finanziell unterstützt. Bei den Einberufungen in den folgenden Jahren erschienen 75% und mehr der Rekruten nicht. Die jungen Ukrainer zogen vermutlich lieber ins Ausland, als im Donbass Krieg zu führen. Die Ukraine verlor zwischen 2014 und 2020 ca. 10% der Bevölkerung.

Wie stark der Einfluss der USA in der Ukraine war, zeigt eine Episode die J. Biden erzählt hat. Der Generalstaatsanwalt der Ukraine hatte Ermittlungen gegen eine ukrainische Firma (im Gasgeschäft) aufgenommen, die Hunter Biden (Sohn des Vizepräsidenten Joe Biden) als Aufsichtsratsmitglied angestellt hatte. Joe Biden hat den damaligen Präsidenten der Ukraine angerufen und ihm 6 Stunden gegeben, um den Generalstaatsanwalt zu entlassen oder die versprochene Milliarde Finanzhilfe kommt nicht. Joe Biden hat stolz erzählt, dass es keine 6 Stunden gebraucht hat.

Gemäß der Staatssekretärin des Auswärtigen (Frau Nuland) hat man 5 Mrd. Dollar investiert. Für ein Land, wo das Durchschnittseinkommen bei etwa 400 Euro liegt, ist das sehr viel. Die Armee der Ukraine erhielt neueste Waffen und wurde von den USA ausgebildet. Dabei hat die Ukraine nicht die geringste strategische Bedeutung für die USA.

Russland betrachtet die Ukraine als Pufferstaat zwischen sich unter der NATO.

Viele Politiker haben dieses Verhalten als Spiel mit dem Feuer betrachtet. Helmut Schmidt hat dem Spiegel 2014 gesagt, dass einige in Brüssel wohl größenwahnsinnig geworden seien. Die EU habe dort nichts zu suchen und es könnte böse enden. G. Schröder hat ebenfalls davor gewarnt. Henry Kissinger hielt es ebenfalls für gefährlich. George Kennan hielt schon 1997 die NATO-Osterweiterung für den größten strategischen Fehler.

Letzten Endes prallten hier zwei Länder aufeinander, die ihre Interessen als noch- und ehemalige Großmächte offensiv vertreten. Die EU und Deutschland haben ihre Interessen nicht offensiv vertreten.

Die Interessen der EU und Deutschlands sind eine gedeihliche wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland und die Verhinderung eines Krieges in Europa. Eine wirksame Vertretung deutscher / europäischer Interessen hätte bedeutet, dass man die USA aus der Ukraine raushält und der Ukraine klar gemacht hätte, dass sie eine Chance als neutraler Pufferstaat und wirtschaftliche Drehscheibe zwischen Ost und West hat.

Der damalige Bundespräsident Köhler hatte in einem Interview geäußert, dass Außenpolitik auch dazu dient, unsere wirtschaftlichen Interessen zu schützen. Das löste in den Medien einen Sturm der Entrüstung aus und führte letztlich zu seinem Rücktritt. In den USA ist das offizielle Politik.

Das Interesse der USA ist es alleinige Weltmacht zubleiben und das ist mit China schon ausreichend gefährdet. Weder eine starke EU noch eine Wiedererstarkung Russland ist in ihrem Interesse.

Großmächte haben heute nicht mehr das Ziel ihre Sicherheit zu erhöhen, indem sie andere Länder erobern wollen. Spätestens nach den Kolonialkriegen, dem Vietnamkrieg und Afghanistan weiß man, dass das nur in die Katastrophe führt. Wenn man Konkurrenten zum Erobern andere Länder verlockt, ist das auf jeden Fall die bessere Strategie. Wenn die Ukraine zu einem zweiten Afghanistan für Russland wird, wäre es für die USA maximaler Erfolg bei minimalem Einsatz.

Alle Länder haben Interessen, aber Großmächte vertreten sie konsequent. Zur US-amerikanischen Sicherheitsdoktrin gehört die Monroe-Doktrin. Heute bedeutet sie, dass keine fremde Macht auf dem amerikanischen Kontinent akzeptiert wird. Falls ein südamerikanisches Land eine Allianz mit China eingehen sollte und chinesische Soldaten in Südamerika installieren würde, würde dies von den USA militärisch verhindert. China vertritt ähnliches. Taiwan ist ein feindliches Regime in ihrem Vorgarten. Nordkorea profitiert davon, dass es einen Puffer zwischen China und dem US-amerikanischen Alliierten Südkorea bildet.

Russland will keine feindlichen NATO-Truppen an seiner Grenze haben. Gemäß B. Obama ist Russland aber nur eine Regionalmacht, der derartiges nicht zusteht. Es ist nicht überraschend, dass Russland, das anders sieht.

Die EU vertritt ihre Interessen nicht offensiv und wird von den USA noch nicht mal als Regionalmacht betrachtet und dann wird man zum Spielball der anderen. Mehr als ein Spielball ist die Ukraine auch nicht.

Wer nicht führen will, muss damit rechnen, dass er (vor-, an der Nase herum, unter ferner liefen) geführt wird.

Prognosen über die Zukunft mache ich nicht.

Eine wirtschaftliche Zerstörung Europas liegt zu unserem Glück weder im Interesse Russlands noch der USA noch Chinas.

Die Auswirkungen der Sanktionen werden in meinen Augen unterschätzt. Die russischen Rohstoffe lassen sich nicht so einfach, wenn überhaupt ersetzen. Die Vorschläge von „ein wenig Frieren“, über Ausbau der Erneuerbaren Energien zu Tempolimit zeigt nur die Unwissenheit der Kommentatoren. Nur die Ankündigung russisches Erdgas durch LNG zu ersetzen, führt bereits jetzt dazu, dass sich der LNG-Preis verfünffacht hat und Länder wie Argentinien und Peru das Gas nicht mehr bezahlen können. Wenn die Sanktionen länger durchgesetzt werden, ist nicht auszuschließen, dass die Sanktionen mehr Menschenleben fordern, als der Krieg. Aber vielleicht setzt die Vernunft gegen das Kriegsgeschrei noch durch.

Woher her ich meine Einsichten habe? Ich verzichte seit Jahren auf Nachrichten und politische Magazine bzw. Talkshows in den Medien. Ich lese im Internet keine Kommentare von Journalisten (Ausnahme: Thomas Fischer, aber der ist auch kein Journalist). Ich beschränke mich beim Lesen im Internet häufig auf die Überschriften. Nur Artikel zur Energiewirtschaft lese ich vollständig. Sobald mir irgendwas nicht schlüssig erscheint, recherchiere ich selbst und rechne alles nach. Alle Quellen stammen aus den USA (z.B. von der RAND Corp.) oder Westeuropa. Ich kann kein Kyrillisch lesen. Das Schöne an den US-Amerikanern ist, dass sie fast nichts geheim halten. Eine Einschätzung Russlands (Tenor: Russland ist außer an seinen direkten Grenzen nicht aggressiv), die die RAND Corporation im Juli 2020 für die US-Army erstellt hat, kann im Internet heruntergeladen werden. Dass die USA auch einseitig militärisch tätig werden, wenn ihre Interessen gefährdet sind, ist spätestens seit B. Clinton offizielle Politik (auch wenn das völkerrechtswidrig ist). Auch wo sie uns belogen haben (Tonkin-Zwischenfall, Saddams Massenvernichtungswaffen oder die Babys in den Brutkästen in Kuwait, etc.) wird nicht verheimlicht. Wenn jemand Kriegsverbrechen amerikanischer Soldaten veröffentlicht, dann sagt man ganz offen, das man dafür 130 Jahre Gefängnis riskiert.

Auf das meiste komme ich selbst beim Radfahren im schönen Ammerland. Ich glaube nicht an Verschwörungstheorien oder daran, dass alle Menschen korrupt sind. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass nicht alle Menschen, die hierarchisch über mir stehen, deshalb schlauer sind.

Meine Ansichten zur Geopolitik sind stark von Prof. John Mearsheimer beeinflusst. Vielleicht ändert sich das, weil ich im nächsten Semester eine Vorlesung über internationale Beziehungen belegt habe.

Ich denke, dass der Mensch einen freien Willen hat, aber wenn mir die Welt zu verrückt erscheint, dann tröstet mich der Gedanke, dass der freie Wille vielleicht doch nur eine Illusion und alles bereits seit dem Urknall durch die Naturgesetze festgelegt ist.

NAO, was sonst

Wir hatten im Februar milde Temperaturen und extrem viel Regen und Wind. Jetzt (Anfang März) ist es kälter, wenig Wind und die Sonne scheint bei wolkenlosem Himmel.

Die Ursache ist die Nordatlantische Oszillation (NAO). Dies ist ein bereits seit 150 Jahren bekanntes Phänomen. Der Luftdruckunterschied (gemessen auf den Azoren und Island) schwankt unregelmäßig hin und her. Dies hat einen Einfluss auf den Verlauf von Tiefdruckgebieten und damit auf unser Wetter. Der Einfluss ist im Winter stärker zu spüren als im Sommer. Wenn der aus den beiden Druckwerten gebildete Index positiv ist, ist das Wetter mild und nass, bei negativem Index trocken und kalt.

Die folgende Grafik zeigt den Index der letzten Monate. Man sieht, dass wir über lange Zeit einen stark positiven Index hatten und entsprechend mild und nass war es. Jetzt schwächt sich der Index ab und das Wetter wird kälter und trockener.

Die Schönwetterperiode im März sollte jetzt möglichst durch einen negativen NAO-Index beschrieben werden, um die Theorie zu bestätigen. Dummerweise wird die Seite seit dem 3. März nicht mehr aktualisiert.

Eine Lanze für Gerd

Es ist ein seltsamer Ausdruck: für jemanden eine Lanze brechen.

Also ist breche jetzt mal eine Lanze und zwar für Gerhard Schröder.

Ich muss zugeben, dass ich nicht unbedingt ein großer Fan von G. Schröder war und unser Hund namens „Schröder“ war auch nicht nach ihm benannt.

Was mir aber gefallen hat, war seine Absage an die Teilnahme am Irakkrieg. Den US-Amerikanern einfach nein zu sagen, wenn sie militärische Unterstützung haben wollen, dazu muss man erst mal die Eier haben(, würde Oli Kahn sagen). Der Mann hat einfach Format.

In der jetzigen Situation hat man das Gefühl, dass viele Politiker jetzt genau das sagen, was die außer Rand und Band geratenen Medien verlangen. Eine Ausnahme : Oskar Lafontaine, aber der ist eigentlich immer die Ausnahme. Gerhard Schröder macht nicht den Kotau.

Ich glaube, dass es mit einem Bundeskanzler G. Schröder nicht zur jetzigen Malaise gekommen wäre. Das Problem begannt auf der NATO-Konferenz 2008 in Bukarest. In der Abschlusserklärung hieß es:

„NATO welcomes Ukraine’s and Georgia’s Euro Atlantic aspirations for membership in NATO. We agreed that these countries will become members of NATO.“

Es heißt, dass A. Merkel ihr Veto eingelegt hat, aber die USA auf dieser Formulierung bestanden haben. Die Russen haben sofort geantwortet, dass sie dies eine großer strategischer Fehler mit schwerwiegenden Konsequenzen sei.

Ich traue nur G. Schröder zu, dass er mit einem „Die Ukraine kommt nicht in die NATO und nicht in die EU! Basta!!“ die Diskussion erledigt hätte und damit sehe die Welt heute vielleicht anders aus.

80-20 Pareto!

Ob ein Politiker schon mal was vom Pareto-Prinzip oder der 80-20-Regel gehört hat?

Vermutlich nicht, weil man das im ersten Studienjahr nicht lernt.

Vilfredo Pareto hatte herausgefunden, dass es häufig vorkommt, dass man für die ersten 80% des Aufwandes nur 20% des Einsatzes benötigt, für die letzten 20% aber 80% des Aufwandes nötig sind.

Dummerweise kann man häufig aber nicht nach 80% aufhören.

Für die Energiewende trifft die 80-20-Regel im Prinzip auch zu. Die ersten CO2-Einsparungen sind noch für Verhältnis wenig Geld zu bekommen. Die letzten Prozente werden aber immer teurer. Dies lässt sich auch mit Modellrechnungen belegen. Die letzte Elektrolyse-Einheit und die letzte Gasturbine, die sicherstellen, dass man die 100% erreicht, werden vielleicht nur alle paar Jahre für wenige Stunden genutzt. Das ist eine sinnlose Verschwendung.

Was sollte man also tun?

Die Länder beschränken sich auf eine hohe Reduzierung, aber nicht eine vollständige. Das eingesparte Geld für die restlichen Prozente wird international, marktwirtschaftlich vergeben. Wer am meisten CO2-Reduzierung für das wenigste Geld bietet, erhält das Geld.

Die Methode hätte aber einen großen Nachteil. Deutschland würde wohl nicht als Vorbild für die Welt in die Geschichte eingehen.

Zwickmühle

R. Habeck hat verkündet, dass er für 1,5 Mrd. Euro LNG kaufen und in die deutschen Speicher füllen will. Die deutschen Speichersind aber nicht weniger gefüllt als im letzten Frühjahr und es gibt auch aktuell keinen Mangel, sagte wer? Genau R. Habeck, aber was soll’s.

Er kauft natürlich nicht selbst, sondern beauftragt eine Firma, die wie eine Netzagentur für das deutsche Gasnetz arbeitet.

Steuergelder müssen natürlich nach gewissen Regeln ausgegeben werden, sonst meckert der Bundesrechnungshof und ob das weitere Folgen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall gibt eine schlechte Presse.

Von wem kauft man jetzt das LNG? Von den USA? Wegen Fracking nicht so optimal. Deutsche sind rechtstreu: wir kaufen bei dem billigsten. Wer bietet denn LNG an? Die größten Anbieter sind USA, Qatar und …. Russland. Wenn die Russen jetzt die billigsten sind, hat R. Habeck ein Problem. Irgendein Journalist tanzt sicher aus der Reihe und schreibt dann, dass wir russisches LNG kaufen, um von russischem Pipelinegas unabhängig zu werden. Aber wir sanktionieren Russland doch. Wir kaufen teures russisches LNG, um billiges russisches Pipelinegas zu sanktionieren. Auch nicht unbedingt der Wahlkampfschlager, wenn der Bürger auf seine Gasrechnung schaut.

Act of god

Die US-Amerikaner passen bei den Sanktionen gegenüber Russland gut auf, dass es ihnen möglichst wenig kostet.

Wer zahlt dann bei uns?

Man kann so argumentieren, dass die Firmen Verluste machen und versuchen werden, die Verluste über Preiserhöhungen bei ihren Kunden wieder reinzuholen. Das klappt aber nicht immer, wenn Konkurrenten diese Verluste nicht haben.

Aber es gibt noch einen direkteren Weg.

Deutschlands Wohlstand beruht zu einem großen Teil auf den Erfolgen der deutschen Exportwirtschaft. Daher ist die deutsche Regierung darin interessiert, dass die deutschen Firmen exportieren. Nun ist es bei vielen Ländern nicht immer sicher, dass sie auch zahlen, unter anderem wegen der politischen Lage. Daher versichert der Bund die Exporte deutscher Unternehmen gegen politische Risiken. Mit der Abwicklung ist die Firma Euler Hermes beauftragt. Man spricht deswegen häufig von „Hermes-Bürgschaften“. Die Firma führt nur die Geschäfte durch. Die Bundesrepublik haftet für den Schaden. In anderen europäischen gibt es ähnliche Regelungen.

(Hermes war bei den alten Griechen der Götterbote, der Gott der Kaufleute, aber auch der Diebe. Woraus manche schließen, dass das das Selbe sei.)

Für Nordstream 2 haben die beteiligten Firmen Kredite von mindestens 3,1 Mrd. Euro aufgenommen, die von Hermes abgesichert wurden.

Die interessante Frage ist nun, ob nur die politischen Risiken im Lande des Importeurs (in diesem Fall Russland?) oder ob auch die politischen Risiken im Lande des Exporteurs abgesichert sind. Vermutlich nicht, denn per Definition gibt es in einem Rechtsstaat wie Deutschland keine politischen Risiken.

Bisher mussten ausländische Firmen ihre Exporte nach Deutschland gegen politische Risiken nicht versichern. Vielleicht ändert sich das gerade.