Archiv für den Monat: Februar 2022

Keine Ahnung

In der Regionalpresse hieß es, dass die Landesregierung keine Informationen habe über den Füllstand der Erdgasspeicher. Auch die Landesbehörde für Rohstoffe könne keine Auskunft geben. Am nächsten Tag hieß es, dass man inzwischen einige Daten habe, aber noch keine Übersicht.

Die EU hat aber bereits vor einiger Zeit eine Regelung erlassen, dass solche Daten veröffentlicht werden müssen. Daher gibt es eine Webseite, auf der man alle Daten findet:

 Gasspeicher

Wie man so etwas findet? Googlen!

Sanktionen und Käse

Sanktionen, die zu einem Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen führen, treffen in der Regel die kleinen Leute. Ob ein Politiker sich durch Sanktionen getroffen fühlt, ist doch sehr zweifelhaft. Finanzielle Einbußen beeindrucken eher nicht. Sich von Sanktionen nicht erschrecken zu lassen, wird eher als Nichterpressbarkeit interpretiert.

Damit Sanktionen wirken, muss der Umweg über die kleinen Leute genommen werden. Wenn die kleinen Leute ihre Arbeit verlieren oder die Lebenshaltungskosten stark steigen, kann dies zu Unruhen führen und dies die Regierung in Schwierigkeiten bringen. Nur sind die kleinen Leute in der Regel vollkommen unschuldig an der Misere, die sie ausbaden müssen.

Sanktionen können aber auch Rohrkrepierer sein.

Vor einigen Jahren gab es bereits Sanktionen gegen Russland. Daraufhin hat Russland mit dem Importverbot von deutschem Käse reagiert. Das war schlecht für unsere Milchbauern. Einer der Gründe, der zur Milchkrise führte. Eine große deutsche Molkerei hat daraufhin ca. 20 Millionen in eine Käsefabrik in Russland investiert und produziert den Käse einfach vor Ort.

Die Russen haben jetzt Käse und die deutschen Bauern den Käse.

Wo geht das Erdgas hin?

Vor kurzem hörte ich im Internet, dass Deutschland sich durch die Energiewende in die Erdgasabhängigkeit von Russland begeben habe.

Wer verbraucht eigentlich das Erdgas in Deutschland?

Für die Stromversorgung gingen 2020 14% des Erdgases drauf. Dass war aber schon 2010 so.

Der Verbrauch der Industrie ist in den 10 Jahren von 34% auf 36% gestiegen, der der Haushalte von 32% auf 31% gefallen. Gewerbe, Handel und Dienstleistungen verbrauchen konstant 12% und die restlichen 7% bzw. 8% landen in der Fernwärme.

Zwei Drittel verbrauchen die Haushalte und die Industrie. Diese von Erdgas auf eine andere Quelle umzustellen, dauert sehr lange.

Rapallo 2-das Ende

Ich habe mich immer gefragt, warum für die USA Nordstream 2 eine so wichtige Sache ist. Zurzeit ist die Pipeline nicht unbedingt notwendig. Die bestehenden Pipelines reichen für die jetzt benötigten Mengen an Gas aus. Es wurde immer damit argumentiert, dass die Pipeline Deutschland von Russland abhängig macht und dass das verhindert werden soll. Woher diese übergroße Fürsorge? Eine Warnung an Deutschland sollte eigentlich ausreichen. Stattdessen überzieht man die Beteiligten mit Sanktionen.

Deutschland ist natürlich schon längst von den Gas- und auch Öllieferungen aus Russland abhängig. Andererseits sind die Deviseneinnahmen aus diesen Geschäften für Russland wichtig.

Das meiste Gas geht durch die Transgas-Pipeline durch die Ukraine, die Slowakei und Tschechien. Die Ukraine kassiert dafür 1,8 Mrd. Euro pro Jahr. Das macht zwar 5% des Staatshaushaltes aus, ist aber für große Länder aus der Portokasse zu bezahlen.

Warum ist Nordstream 2also  so wichtig? Ich glaube, dass Nordstream 2 ein Symbol ist für die zunehmende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland ist.

Die USA, die sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als einzige übriggebliebene Weltmacht sah, sieht ihre Position von mehreren Seiten bedroht. Im Osten winkt China mit seiner größer werdenden Wirtschaft. In Eurasien gibt es die EU und die Gefahr einer „Zusammenarbeit“ der EU (hauptsächlich Deutschland) mit Russland.

Die Ukraine ist ein armes, von korrupten Oligarchen kontrolliertes Land. Eigentlich sollte man erwarten, dass sich niemand für so ein Land interessiert. Es gab aber erstaunlich viel Aktivitäten der USA in dem Land bis hin zum Sohn des jetzigen US-Präsidenten. Das Land ist selbst nicht wichtig. Es kann aber als Mittel dienen auf Grund seiner geografischen Lage.

Wer sind also die Gewinner und Verlierer der jetzigen Auseinandersetzung?

Russland gehört sicherlich zu den Verlierern. Aber Russland sah sich vermutlich schon vorher als Verlierer. In seiner Sicht hat sich die Position vielleicht nicht geändert. Man orientiert sich künftig vermutlich mehr Richtung Süden. Mit dem Iran wurde gerade ein Abkommen für strategische Zusammenarbeit abgeschlossen. Geschichte spielt für das Denken der Menschen immer eine erstaunliche Rolle und aus russischer Sicht kam aus dem Westen wieder mal nichts Gutes.

Die Ukraine gehört sicherlich auch zu den Verlierern. Die USA werden keinen Finger für die Ukraine rühren. Die USA kaufen Rohöl von Russland. Ob dies eingestellt wird, ist fraglich. Die Oligarchen werden whrscheinlich in den USA Asyl erhalten. Ihr Geld ist vermutlich schon da.

Deutschland gehört auch zu den Verlierern. Wir werden das an der Gas- und Stromrechnung sehen. Die USA hat uns gezeigt, das eigenmächtiges Handeln keine gute Idee ist.

Die anderen EU-Länder haben keinen Vorteil, auch wenn die Polen vielleicht dies glauben. Aus historischen Gründen glauben Polen, dass eine Zusammenarbeit von Deutschland und Russland immer auf ihre Kosten geht.

Der einzige Gewinner sind die USA. Die Entwicklung läuft zu ihren Gunsten. Erst der EU-Austritt des UK, jetzt die Zerstörung des deutsch-russischen Verhältnisses. Die Bedeutung der EU bleibt limitiert und man kann sich jetzt wieder China zuwenden.

Das Boomproblem

Verbrauchsgüter und Investitionsgüter unterscheiden sich unter anderem durch die Lebensdauer der Produkte. Brot ist nach 2 Tagen in der Regel gegessen. S-Bahnwagen halten in Berlin schon mal 80 Jahre und länger. Deshalb ist die Wirtschaft für Verbrauchsgüter einfacher zu handhaben. Für Brot gibt eine kontinuierliche Nachfrage. Bei Investitionsgütern gibt es öfter einen Boom und dann wieder eine Flaute. Die Firmen müssen die Flaute überstehen und möglichst kein geschultes Personal entlassen.

Für die Energiewende sollen jetzt 70 GW Gas oder GuD-Kraftwerke installiert werden. Dazu noch einige Millionen Wärmepumpen und das alles bis 2030.

Niemand stellt und/oder untersucht die Frage, ob die industriellen Kapazitäten dafür ausreichen, vor allem, wenn man das nicht nur in Deutschland, was ziemlich sinnfrei wäre, sondern weltweit machen will.

Wenn man die Kapazitäten gewaltig erhöht, ist dies vielleicht möglich. Nur ab 2030 werden diese Kapazitäten nicht mehr benötigt. Die explodierende Nachfrage und das abzusehende Ende des Booms werden mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Preisexplosion führen.

Im Idealfall wäre die industrielle Produktionskapazität gerade so hoch, dass immer genug Nachfrage nach Ersatz vorhanden ist. Beispiel: Wir installieren jedes Jahr 12 GW Gaskraftwerke in Deutschland. Dann hätten wir 2030 die geforderten 100 GW. Im Jahr 2031 ersetzen wir dann die 8 Jahre alten Anlagen und so weiter. Dummerweise ist die Lebensdauer der Gaskraftwerke viel länger. Bei kontinuierlicher Produktion muss die Produktionsmenge pro Jahr [in %] gerade der reziproke Werte der Lebensdauer sein und die geforderte installierte Menge ist erreicht nach der Lebensdauer. Da Gaskraftwerke bei geringer Auslastung sicher 40 Jahre laufen können, müsste man dann 1,8 GW jedes Jahr installieren und erreicht nach 40 Jahren die geforderten 70 GW. Dann gibt es jedes Jahr 1,8 GW Ersatzbedarf.

Das ist aber keine Lösung.

Da die Energiewende aber markwirtschaftlich gehandhabt wird, muss man die Privatwirtschaft dazu bringen diese gewaltigen Investitionen zu stemmen und das geht wiederum vermutlich nur mit viel Geld, wenn überhaupt.

Die Alternative einer „Kriegswirtschaft“ steht wohl nicht zur Diskussion.