Archiv für den Monat: April 2021

Panik wg. Umfragen?

Update (26.4.2021) siehe am Ende des Textes

Mal wieder was zur Energiewende, was ich nicht verstehe.

Die Bundesregierung hat heute beschlossen, dass 2022 zusätzliche Windenergieanlagen mit 4 Gigawatt Leistung installiert werden sollen. Das bedeutet eine Verdoppelung der bisher geplanten Menge. Wann vergibt die Bundesregierung die Bauaufträge und wo wird gebaut?

Die Bundesregierung vergibt natürlich gar keine Aufträge und wo gebaut wird, weiss heute auch keiner. Die Bundesnetzagentur erhöht nur die ausgeschriebene Menge. Firmen („Projektentwickler“) müssen sich Orte suchen, an denen noch Windturbinen aufgestellt werden dürfen, müssen sich um eine Genehmigung bemühen, müssen die Finanzierung beschaffen, etc. Wenn sie die Genehmigung haben, können sie sich an der Auktion der Bundesnetzagentur beteiligen und wenn sie den Zuschlag bekommen, können sie die Anlagen bauen. Wo ist das Problem? Die zugeteilte Menge wird nur gebaut, wenn zu mindestens die gleiche Menge geboten wird. Wie sah es den bei bisherigen Auktionen aus? Hier ein Diagramm aus den offiziellen Zahlen der Bundesnetzagentur:

Wie man sieht, war die letzte Auktion überzeichnet, aber die sechs Auktionen davor waren unterzeichnet. Die gesamte nicht vergebene Leistung betrug 1,2 Gigawatt.

Damit bei einer Unterzeichnung die gebotenen Preise nicht in die Höhe schnellen, gibt es eine Obergrenze für die Gebote. Sind aber die Auktionen immer unterzeichnet, wäre jeder Bieter dumm, wenn er nicht mit der Obergrenze anbieten würde. Einige taten es trotzdem. Bei ständiger Unterzeichnung findet daher kein Wettbewerb mehr statt.

Um dieses zu verhindern, hat man im EEG 2021 (verabschiedet kurz vor Weihnachten) eine sogenannte endogen Mengensteuerung eingebaut. Wenn nicht ausreichend neue Genehmigungen vergeben wurden und die letzte Ausschreibung bereits unterzeichnet war, muss die Bundesnetzagentur die ausgeschriebene Menge reduzieren. Wenn dieser Mechanismus funktioniert (was einige Ökonomen bezweifeln), dann wird die ausgeschriebene Menge bestimmt durch die Menge der Genehmigungen und die Angebote. Dies ist durch Gesetz geregelt.

Der Beschluss der Bundesregierung ist nur eine Festsetzung der Obergrenze, die eventuell nie erreicht wird.

Die letzte Ausschreibung war am 1. Februar 2021. Bisher (22.4.2021) sind keine Ergebnisse veröffentlicht worden. Bei anderen Ausschreibungen waren die Ergebnisse zu diesem Zeitpunkt längst bekannt. Bei dieser Ausschreibung war die Obergrenze von bisher 6,2 ct/kWh auf 6,0 ct/kWh gesenkt worden. Ausserdem war mit 1500 Megawatt eine sehr grosse Menge ausgeschrieben.

Ich tippe auf eine Unterzeichnung der Ausschreibung.

Update (26.4.2020):

Die Ergebnisse der Auktion vom 1. Februar wurden noch nicht veröffentlicht mit folgender Begründung:

Die nach § 105 Absatz 1 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vorgesehene beihilferechtliche Genehmigung durch die Europäische Kommission liegt derzeit noch nicht vor. Sobald die Genehmigung der Europäische Kommission vorliegt, können die Zuschläge erteilt werden.

Die nächste Auktion findet man 1. Mai 2021 statt . Die Bundesnetzagentur hat die Ausschreibungsmenge um ca. 20% reduziert, weil auf Grund fehlender Genehmigungen mit einer Unterzeichnung zu rechnen ist.