Archiv für den Monat: Oktober 2019

Moderne rückwärts?

Auf Zeit online findet man heute einen interessanten Artikel des Soziologen Armin Nassehi (https://www.zeit.de/2019/44/klimakrise-bekaempfung-moderne-gesellschaft-armin-nassehi) 1.

Im Folgenden ein kurzes Zitat:

Modernität bedeutet letztlich so etwas wie das, was man im politischen Bereich Gewaltenteilung nennt. Es ist ein evolutionärer Prozess, dessen Gesamtrichtung dahin geht, dass es Instanzen, die alles zusammenführen und in einem Prinzip aufheben, nicht mehr geben kann. Alles ist auf Wechselseitigkeit angewiesen und erfährt an sich selbst, dass sich das Gesamtsystem nicht allein ökonomisch, nicht allein rechtlich, nicht allein wissenschaftlich, nicht einmal allein religiös bestimmen, führen, verändern, gestalten lässt.»

Damit begründet er, dass die Forderung, dass alles sofort geändert werden müsse, (um den Klimawandel zu verhindern) in einer modernen Gesellschaft nicht realisierbar sei.

Für mich bedeutet das, dass die Forderung nach dem „alles und zwar sofort“ nur erfüllbar ist durch die Rückabwicklung der Moderne.

Ich empfinde es als fahrlässig, wenn Wissenschaftler jungen Menschen den Eindruck vermitteln, dass dies in einer modernen Demokratie möglich ist. Wenn die jungen Menschen irgendwann (wahrscheinlich sehr bald) merken, dass dies nicht geht, was wird ihre Schlussfolgerung sein?

In einigen Befragungen, die im Fernsehen zu sehen waren, äußerten sich junge Demonstranten bereits negativ über die Demokratie.

1 Kaum hatte ich den Artikel gelesen, verschwand er hinter der Bezahlschranke.

Das zunehmende Nichtsein…

Ich bin Gasthörer in Philosophie. In der letzten Woche haben wir für die ersten drei Sätze aus David Humes «Traktat über die menschliche Natur» 90 Minuten gebraucht. Man lernt wirklich Sätze sehr genau zu lesen.

Heute lese ich im Spiegel etwas von «zunehmenden Überflutungen unserer Städte». Grund für die zunehmenden Überflutungen ist der kommende Klimawandel.

Wenn etwas zunehmen soll, muss es zuerst existieren. Etwas das nicht existiert, kann nicht zunehmen.

Werden unsere Küstenstädte denn bereits regelmässig vom Meerwasser überflutet? Mir ist das nicht bekannt. Manchmal gibt es schwere Gewitter mit Starkregen, so dass das Wasser erstmal auf der Straße stehen bleibt. Aber das gab es auch zu meiner Jugend schon.

Abgeregelt…

Die Bundesregierung hat in ihrem Klimaschutzprogramm angegeben, welche Beiträge die erneuerbaren Energien 2030 zur Stromerzeugung erbringen sollen. Wenn man die erzeugte Strommenge mit der Menge von 2018 vergleicht, könnte man die neuen installierten Leistungen berechnen.

Wind an Land soll um den Faktor 1.62, Wind auf See um den Faktor 4.40 und Solarenergie um den Faktor 2.20 erhöht werden. Biomasse und Wasserkraft sollen etwa gleichbleiben.

Wenn man die Stromerzeugung von 2018 stundenweise mit diesen Faktoren erhöht und noch dazu annimmt, dass aus Stabilitätsgründen 7 GW konventionelle Anlagen nötig sind, so stellt man fest, dass in 2800 Stunden (= 32%) die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen die Last überschreitet. Es muss ca. 10% der erzeugten Strommenge abgeregelt werden. Man könnte auf die Idee kommen, einfach 10% mehr zu installieren. Mit mehr installierter Leistung steigt aber auch die abgeregelte Menge. Um die im Klimaschutzprogramm vorgesehene Energie zu erreichen, muss die installierte Leistung um weitere 35% erhöht werden. Damit müssen erhöht werden gegenüber heute: Wind an Land um den Faktor 2.15, Wind auf See um den Faktor 5.85 und Solarenergie um den Faktor 2.93.

Für Wind an Land bedeutet das einen Zubau von 6000 MW pro Jahr. Bisher wurden maximal 5000 MW in einem Jahr (2017) installiert. Für Wind auf See sind es 3500 MW pro Jahr und es wurden bisher maximal 1270 installiert. Die Solarenergie müsste jedes Jahr um 9300 MW wachsen. Bisher war der maximale Wert 7900 MW im Jahr 2011. Nichts ist unmöglich, aber vieles ist nicht wahrscheinlich.

Wird es so ausgeführt, dann wird Deutschland in über 50% der Zeit, abgesehen von den 7 GW, nur von den erneuerbaren Energien versorgt. Leider müssen 23% der Energie abgeregelt oder ins Ausland verschenkt werden. Es handelt sich um 112 TWh, die bei einem Strompreis von 6.2 ct/kWh (Wind an Land), einen Wert von ca. 7 Mrd. Euro haben.

Diese 7 Mrd. Euro müssen auf jeden Fall bezahlt werden. Sollte man das EEG ändern, dass der Überschussstrom nicht mehr bezahlt wird, müssen die Betreiber der Anlagen notgedrungen das Geld auf die bezahlten Stunden umlegen.

Diese Überlegungen berücksichtigen keine Speicher (da ich nicht daran glaube, dass bis 2030 diese zur Verfügung stehen). Ausserdem wird davon ausgegangen, dass der Stromverbrauch nicht zunimmt. Ich glaube nicht daran, aber es macht die Rechnung einfacher und die Bundesregierung glaubt daran.

Die Erde ist flach! :)

Ob ich das behaupten wolle, hat mich ein Philosophie-Professor im letzten Semester gefragt, als ich bemerkte, dass man in der Naturwissenschaft nichts beweisen kann.

Durch Zufall bin ich darauf gestossen, dass in den Klimamodellen die Erde als eine flache Scheibe modelliert wird.

Im Vergleich zum Erdradius ist unsere Atmosphäre aber sehr dünn, so dass der Rechenfehler vermutlich nicht sehr groß ist. Im Vergleich zur unvermeidlichen Ungenauigkeit der Modelle fällt er wohl kaum ins Gewicht.