Archiv für den Monat: September 2019

Dramatisch, dramatischer, Klimawandel

Bis vor kurzem konnte man auf SPON Artikel zum Klimawandel vom Diplom-Geologen Axel Bojanowsky lesen. Jetzt schreibt die Artikel eine promovierte Historikerin.

Heute war es mal wieder sehr dramatisch.

Zitat:» Der Meeresspiegel steigt noch schneller, die Eismassen schmelzen dramatisch ab»

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/sonderbericht-des-weltklimarats-land-unter-a-1288496.html

Dazu das Bild eines Jungen, der bis zum Hals im Wasser steht.

Das dramatische Ansteigen des Meeresspiegels kann man z. B. hier sehen.

Im Artikel wird erwähnt, um wie viel das Eis in der Antarktis jedes Jahr abnimmt (3mal der Bodensee).

Es wird nicht erwähnt, wie viel Eis es in der Antarktis gibt.

Laut Wikipedia nimmt das Eisvolumen in der Antarktis jedes Jahr um 1 Hunderttausendstel ab. Wenn der Prozess also linear verläuft (was sicherlich nicht der Fall ist), dauert es etwa 100’000 Jahre bis die Antarktis abgeschmolzen ist.

Als Physiker frage ich mich, wie man etwas so genau messen kann. Das Eis in der Antarktis ist etwa 2000 m dick. Es schmelzen im Jahr daher etwa 2 cm ab. Laut Artikel haben sich diese 2 cm um etwa 5% erhöht. Es sind jetzt 2.1 cm, also 1 mm mehr. Damit das Messergebnis signifikant ist, muss die Messgenauigkeit noch geringer sein. Man kann also die mittlere Eisdicke in der Antarktis auf weniger als einen 1mm genau bestimmen. Hört sich formidabel an, nur mir fehlt der Glaube.

Meiner Meinung nach ist das Dramatisieren in der Klimawandelproblematik kontraproduktiv. Es verhindert jede sachliche Diskussion. Am Ende stehen sich alle mit geschlossenem Visier gegenüber und nichts passiert.

Sitzen zwei Touristen («Landratten») bei auflaufendem Wasser auf einer Bank auf dem Deich. «Schau mal wie der Meeresspiegel steigt! So dramatisch hatte ich mir das gar nicht vorgestellt!»

Auch Du, mein Bruder

Greta Thunberg sagt, dass man ihre Kindheit gestohlen hat.

Nichts was ich in meinem Leben getan habe, habe ich getan, um den Klimawandel zu stoppen. Ich fahre zwar wenig Auto und auch nur ein kleines Auto, aber nicht wegen des Klimawandels. Habe daher auch ich ihre Kindheit gestohlen?

Vor kurzem las ich von einem Psychologen, dass man die Psyche von Kindern beschädigt, wenn man ihnen Angst macht. Greta Thunberg wurde ihre Kindheit gestohlen, weil sie in Angst lebt. Die Ursache ihrer Angst ist der Klimawandel.

Jetzt haben die meisten Kinder aber keine Angst vor dem Klimawandel. Vielleicht weil ihre Eltern ihnen keine Angst vor dem Klimawandel machen. Vielleicht hat Greta Thunberg ja Angst, weil ihre Eltern Aktivisten sind und ihr Angst vor dem Klimawandel gemacht haben.

Greta Thunberg lebt in Schweden. Schweden ist eins der Länder, das vom Klimawandel profitieren wird.

Schmerz, lass nach!

Wenn man, wie ich, 25 Jahre als Marathonläufer verbringt, dann stellt man sich irgendwann die Frage, ob man unter Masochismus leidet. Es heißt ja auch, das Schönste am Marathon sei das Nachlassen des Schmerzes. Ein wenig Masochismus gibt es wohl in jedem.

Wenn alle, die Angst vor dem Klimawandel haben, etwas dagegen tun wollten, könnten sie es.

Man darf seine Zimmertemperatur beliebig weit absenken (in Mietshäusern gibt es für innenliegende Wohnungen vielleicht eine Begrenzung). Man darf den Kühlschrank verschrotten. Man darf nur noch kalt duschen und hauptsächlich Rohkost essen. Man darf alles Geld, das man nicht zum Überleben braucht, in eine Wärmepumpe und Solaranlagen investieren.

Auch das Klimapaket der Bundesregierung verbietet nichts davon. Wenn zu mindestens die 41% der Bevölkerung, die Angst vor dem Klimawandel haben, ihren CO2-Ausstoss um 80% reduzieren, sollten die deutschen Klimaziele in greifbare Nähe gelangen.

Wenn Deutschland den Vorreiter macht und die Welt dann folgt, warum sollte es dann nicht auch innerhalb Deutschlands funktionieren? 41% machen den Vorreiter und die anderen folgen.

Aber nein, so geht es nicht. Wir wollen, dass die Bundesregierung uns so mit der CO2-Steuer quält, dass wir laut aufschreien und sofort die Wärmepumpe bestellen und uns schon darauf freuen, wie der Schmerz nachlässt, wenn sie geliefert wird.

Steigen oder Sinken?

Die indonesische Regierung überlegt den Regierungssitz aus Jakarta weg zu verlegen, weil die Stadt zum Teil im Meer versinkt.

In Spiegel-Online muss das als Warnung vor dem Klimawandel und dem Meeresspiegelanstieg dienen.

Der Meeresspiegel steigt um 3 mm im Jahr und deshalb versinkt die Stadt im Meer?

Die NZZ hat einen genauen Bericht geliefert (https://www.nzz.ch/international/indonesien-hauptstadt-jakarta-droht-im-meer-zu-versinken-ld.1399833) .

Jakarta ist auf einem instabilen Untergrund gebaut und es gibt keine ausreichende Wasserversorgung. Deshalb wir ein Großteil des Trinkwassers aus illegalen Brunnen gefördert. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel ab und der Boden schrumpft. Der Boden sinkt im Durchschnitt 60 mm im Jahr, also 20-mal mehr als dass der Meeresspiegel steigt.

Das bringt mich zu der Frage, wie man den Meeresspiegelanstieg misst. Wie kann man unterscheiden ob sich der Meeresspiegel hebt oder ob der Pegel sinkt?

Weltweit steigt der Meeresspiegel um 3.3 mm/Jahr, aber in der Nordsee nur um 1.5 mm. Hebt sich die Nordsee immer noch an, weil die Gletscher der letzten Eiszeit geschmolzen sind?

Wie teuer wird’s eigentlich?

Im letzten Sachstandsbericht hat sich der Weltklimarat auch dazu geäussert, wie hoch die Schäden sein werden, wenn sich die globale mittlere Temperatur um 2°C erhöht. Natürlich ist es sehr schwierig so etwas vorherzusagen, wie immer bei Vorhersagen über die Zukunft. Aber man bekommt aber zu mindestens einen Eindruck von der Größenordnung. Hier der Text:

“the incomplete estimates of global annual economic losses for additional temperature increases of ~2°C are between 0.2 and 2.0% of income (±1 standard deviation around the mean) (medium evidence, medium agreement).

Mit income ist hier das Bruttoinlandsprodukt gemeint. Maximal 2% des BIP. Die Zahl kommt einem irgendwie bekannt vor. 2% des BIP sind die geforderten Militärausgeben innerhalb der NATO.

Wir hören jetzt jeden Tag, dass die Welt durch den Klimawandel untergeht. Wieder sorgt der Weltklimarat im Kapitel 10 des fünften Sachstandsberichts für Verwirrung:

“For most economic sectors, the impact of climate change will be small relative to the impacts of other drivers (medium evidence, high agreement). Changes in population, age, income, technology, relative prices, lifestyle, regulation, governance, and many other aspects of socioeconomic development will have an impact on the supply and demand of economic goods and services that is large relative to the impact of climate change.”

Greta sagt, dass wir auf die Wissenschaftler hören sollen. Wenn die aber jetzt etwas anderes sagen als Greta?

Wie soll das gehen?

In dem ganzen Klimaschutzpaket wird davon geschrieben, dass von der Verbrennung von Kohle (oder Gas) auf Strom umgestiegen werden soll.

Im Jahr 2018 produzierten die Kernkraftwerke noch 72 TWh Strom. Der Wind lieferte 112 TWh und die Solaranlagen 46 TWh.

In den nächsten drei Jahren fallen die Kernkraftwerke weg. Realistischerweise kann der Kernkraftstrom CO2-frei nur durch Windkraftwerke ersetzt werden. Die Windenergie müsste innerhalb von 3 Jahren um 64% ausgebaut werden, um den Kernkraftstrom zu ersetzen. Das sind etwa 39’000 MW zusätzliche Windenergieanlagen. 2019 wurden von der Bundesnetzagentur 3675 MW ausgeschrieben. Bei diesem Tempo würde es 12 Jahre dauern, bis die Kernkraftwerke kompensiert sind.

In den bisher beendeten Auktionen wurden aber nur 1133 von 2500 MW vergeben. Wenn sich diese Quote nicht verbessert, dauert es sogar 23 Jahre, bis die Kernenergie kompensiert ist und CO2-Emissionen gesenkt werden können.

Auf die Solarenergie würde ich nicht setzen, solange es keine preisgünstigen Speicher gibt und die wird es in ausreichender Zahl in den nächsten 10 Jahren nicht haben.

Nicht korrekt.

Bei der Pressekonferenz der Bundesregierung zum Klimaschutzpaket ist mir einiges aufgefallen.

Angela Merkel spricht vom Klimawandel und der Erderwärmung. Politisch korrekt muss es jetzt Klimakrise und Erderhitzung heißen.

Markus Söder sprach davon, dass man jetzt Einigkeit in der Bevölkerung schaffen könne und nicht noch mehrere Wahlkämpfe zu dem Thema führen wolle.

SPD und CDU wollen, dass das Thema vom Tisch kommt, weil das Thema nur den Grünen hilft.

Die Grünen haben jetzt ein kleines Dilemma. Das Paket muss durch den Bundesrat und da sitzen die Grünen in vielen Regierungen. Sie müssen natürlich das Paket jetzt kritisieren und ihren Wählern eine Verschärfung im Bundesrat versprechen. Die Bundesregierung hat die Belastungen für die Wähler sehr moderat gelassen. Kommt es zu Verschärfungen und die Wähler ärgern sich später, wenn sie die Heizkostenrechnung bekommen, können CDU und SPD dies leicht den Grünen in die Schuhe schieben.

Was kostet es?

Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung ist herausgekommen und ich werde mal schauen, was es für uns bedeutet.

Wir emittieren mit unserer Gasheizung 4 t CO2 pro Jahr. Zusätzlich verbrauchen wir noch 2400 kWh Strom und verfahren 360 l Benzin.

Mit den vorgeschlagenen Aufschlägen und beim Benzin und der Einsparung beim Strom erhalten wir folgende Tabelle:

Jahr Gas Benzin Strom Summe
2021 40 10 -6 44
2022 80 20 -12 88
2023 100 25 -15 110
2024 120 30 -18 132
2025 140 35 -21 154

In 6 Jahren zahlen wir also 154 Euro mehr im Jahre für Gas und Strom. Die Einsparungen beim Strom sind eigentlich zu vernachlässigen. Bringt uns das dazu von der Gasheizung auf eine Wärmepumpe umzusteigen? Nein, denn dazu müssten wir mindestens 1000 Euro im Jahr mehr zahlen. Unser «Kipppunkt» für eine CO2-Bepreisung liegt bei fast 300 Euro / t.

Windige Zinsen

Ich habe mal “Windenergie Rendite” gegoogelt und bin auf einer Seite gelandet, die eine Verzinsung von 12% bei 2 Jahren Laufzeit verspricht.

Dann folgt dieser schöne Satz:

«Gerade während der Zeit von der Projektierung bis zur Fertigstellung des Windparks werden wesentlich höhere Gewinne als während des eigentlichen stromproduzierenden Betriebs erzielt. Auch daher ist der Ausstieg nach Beendigung der Bauphase interessant.»

Warum zahlt jemand in einer Niedrigzinsphase 12% Zinsen? Woher kommt der Gewinn in einer Zeit, wo nichts produziert wird, sondern nur investiert wird? Ist keine Bank bereit dieses Projekt zu finanzieren?

Wird hier jemand über den Tisch gezogen?