Archiv für den Monat: Februar 2019

Kosten gespart?

Es wird häufig in der Presse behauptet, dass die Energiewende Kosten beim Import von Brennstoffen spart.

Im Jahre 2004 produzierten die deutschen Kernkraftwerke 158 TWh Strom. Im Jahre 2018 produzierten die Wind- und Solarkraftwerke in Deutschland 157 TWh Strom. Die verbliebenden Kernkraftwerke produzierten 72 TWh. Es ist nicht anzunehmen, dass die Produktion der Wind- und Solaranlagen in den nächsten 3 Jahren um 50% steigt. Das bedeutet, dass die Wind- und Solaranlagen nicht ausreichen, um den Ausfall der Kernenergie zu kompensieren. Vermutlich wird das Defizit durch den Import von Steinkohle und Erdgas ausgeglichen.

Die Aussage in der Presse ist also richtig, wenn man den Ausstieg aus der Kernenergie nicht als einen Teil der Energiewende betrachtet. Für die meisten gehört der Kernenergieausstieg aber zur Energiewende.

Aber man hat ja immerhin die Brennstoffkosten für die Brennstoffkosten der Kernkraftwerke eingespart. Dies sind grob geschätzt 1 Mrd. Euro pro Jahr. Um diese 1 Milliarde einzusparen, zahlen wir über 20 Milliarden für die EEG-Umlage. Nicht unbedingt ein gutes Geschäft.

Ohne den Kernenergieausstieg würden alle CO2-freien Kraftwerke (Kernenergie, Wind, Solar, Wasser und Biomasse) 70% des Stromverbrauches der öffentlichen Netze liefern.

Vorzeitig gestorben! Aber wie lange?

In der Presse liest man fast täglich von vorzeitigen Todesfällen durch Luftverschmutzung. Woher weiß man aber, ob jemand vorzeitig gestorben ist? Vor allem würde mich interessieren, um wieviel die Menschen vorzeitig gestorben sind.

Man vergleicht die durchschnittliche Lebensdauer von Personengruppen und rechnet dann auf die Anzahl vorzeitiger Todesfälle um.

Es wird aber verschwiegen, dass die Umrechnung sehr problematisch ist. Man weiß nicht, ob sie richtig ist. Auf der Seite «unstatistik.de» wird das kritisiert.

Ein Beispiel: es gibt drei Zwillingspärchen Au, Ab, Bu, Bb, Cu und Cb. Die mit dem zweiten Buschstaben «u» leben in einer unbelasteten Gegend, die mit dem «b» in einer belasteten Gegend. Sie erreichen folgendes Lebensalter: Au 79, Ab 78, Bu 80, Bb 79, Cu 81 und Cb 80 Jahre. Die Menschen in der belasteten Gegend leben im Schnitt 1 Jahr weniger. Daraus werden 3 vorzeitige Todesfälle errechnet.

Bei einer anderen Messung ergibt sich für drei Zwillingspärchen: Au, Ab, Bu Bb werden 79 Jahre alt, Cu 81 und Cb 78 Jahre. Im Durchschnitt leben die belasteten 1 Jahr weniger und es werden ebenfalls 3 vorzeitige Todesfälle berechnet. In Wirklichkeit ist aber nur eine Person vorzeitig gestorben.

Wie man sieht ist die Berechnung durchschnittlicher Verkürzung der Lebenszeit sinnvoll, aber daraus die Anzahl vorzeitiger Todesfälle zu berechnen, doch sehr zweifelhalft.

Bauernschläue

In Bayern gab es eine Volksinitiative zur Rettung der Bienen (und anderer Insekten).

Ein Bauer bietet jetzt Parzellen an, um sie mit Blumen und Gräsern zu bepflanzen, die Bienen mögen. Für 30 Euro im Jahr bepflanzt er 50 Quadratmeter, für 50 Euro 100 Quadratmeter. Er gibt eine große Nachfrage.

Ohne großen Aufwand hat er Einnahmen von 5-6000 Euro pro Hektar im Jahr. Mit konventioneller Landwirtschaft kommt vielleicht auf 1000 Euro und hat noch das Wetter- und Marktrisiko.

Eine typische Win-Win-Situation: der «Blühpächter» hat ein gutes Gewissen und der Bauer das Geld.

Wer wird da schon an Ablasshandel denken.

Pest oder Cholera?

Gestern sah ich (im Fernsehen) zwei Forscherinnen, die in den französischen Alpen Insekten fingen. Nach ihrer Aussage nimmt die Anzahl der Insekten dort nicht ab. In Deutschland hat man in der Krefelder Insektenstudie das Gegenteil festgestellt.

Die Krefelder Insektenstudie hat aber keine Einflussfaktoren auf die Abnahme der Insekten finden können.

Es fällt auf, dass etwa 2003-2004 das Insektensterben sich beschleunigt hat. Üblicherweise ist der erste Verdächtige das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Der Gebrauch von Glyphosat ist aber zu diesem Zeitpunkt nicht angestiegen.

Es fällt aber auf, dass das Insektensterben parallel mit dem Ausbau der Windenergieanlagen verläuft. Um festzustellen, ob da überhaupt ein Zusammenhang sein kann, sollte man zuerst eine grobe Abschätzung der Mengen machen.

Dankeswerterweise hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Literaturstudie durchgeführt (www.dlr.de/tt/fluginsekten).

Es ist bekannt, dass tote Insekten auf den Rotorblättern zu bis zu 50% Leistungseinbuße führen können. Man war bisher der Meinung, dass Insekten nur bis 30 m fliegen und das auch nur wenn kein Wind weht.

Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Insekten, wenn sie sich neue Brutplätze suchen, sehr hoch fliegen können und starke Winde bevorzugen. In der Studie wird eine konservative Abschätzung über die Menge der getöteten Insekten gemacht. Das Ergebnis ist 1200 t pro Jahr. Dies könnte einen signifikanten Einfluss auf die Insektenpopulation haben.

So eine Studie kann eigentlich nur der Anfang sein. Man müsste sich die Sache doch detaillierter ansehen. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit lehnt aber eine Förderung weiterer Forschung ab.

Nur mal als Gedankenspiel: es stellt sich heraus, dass die Windenergieanlagen für das Insektensterben verantwortlich sind. Wir haben also die Wahl zwischen Zusammenbruch das Ökosystems (Insektensterben) oder Aussterben der Menschheit (Klimawandel). Früher sagte man, Pest oder Cholera.

Da ja üblicherweise auf das überlegene deutsche Vorsorgeprinzip verwiesen wird, müssten wir eigentlich alle Windenergieanlagen abschalten, bis wissenschaftlicher Konsens herrscht, dass es nicht an den Windturbinen liegt. Das kann aber dauern.

Vielleicht hat das Ministerium doch recht, dass man da nicht forschen muss, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Wende in der Wende?

Die Bundesnetzagentur vergibt die Berechtigung Wind- und Solaranlagen zu bauen und die dazugehörigen Förderzusagen mit Hilfe von Auktionen.

Die Ergebnisse der neuesten Auktion wurden gerade veröffentlicht. Die Presse interessiert sich im Allgemeinen nicht dafür, obwohl die Zahlen interessant sind.

Einer der Glaubenssätze ist heute, dass alles immer billiger wird. Gerade Solarfans sind davon häufig überzeugt. Wenn man die Auktionsergebnisse anschaut, gerät in Zweifel. Im folgenden Diagramm sind die mittleren, gewichteten Zuschlagswerte über der Zeit aufgetragen. Es scheint so, dass die Kosten sich einem Grenzwert nähern.

Bei den Windanlagen sieht es kritischer aus. Bereits zum dritten Mal sind die Auktionen unterzeichnet. Obwohl 700 MW ausgeschrieben wurden, wurden nur knapp 500 MW angeboten.

Die Anzahl der Gebote geht zurück.

Die Gebotsmenge, also die angebotenen MWs, gehen zurück.

Nur der Strompreis geht nicht zurück. Auch hier scheint man sich einem Grenzwert zu nähern.

Bei der Windausschreibung war das maximal zulässige Gebot 6,2 ct/kWh. Es hat aber auch jemand mit 5,2 ct/kWh angeboten. Da die Auktion aber um 30% unterzeichnet war, hätte dieser Bieter auch mit 6,2 ct/kWh einen Zuschlag erhalten. Viel Geld verschenkt.

Mit diesem Zubau sind natürlich die Ziele für die Erneuerbaren Energien nicht erreichbar.

Man kann viel spekulieren, warum es bei den Windanlagen Probleme gibt.

Windanlagen haben höhere Risiken als Solaranlagen. Vielleicht gibt es nicht mehr genug Risikokapital.

Anwohner haben in der Regel gegen Solaranlagen keine Einwände. Bei jedem neuen Windpark bildet sich jedoch sofort eine Bürgerinitiative, die das Projekt mit oft jahrelangen Klagen verhindern will. Das ist eine Erfahrung, die die Erbauer konventioneller Anlagen schon lange kennen.

Immer billiger?

Einige Produzenten haben angekündigt, dass sie bei den Ausschreibungen für Solaranlagen auf staatliche Förderung verzichten wollen. Von einigen Solar-Fans und Journalisten wird dies als Indiz genommen, dass der Solarstrom noch billiger geworden ist.

Das kann so sein, muss aber nicht.

Bei der letzten Ausschreibung erhielt man noch einen Zuschlag bei einem Gebot von 5.15 ct/kWh.

Die staatliche Förderung, die sogenannte Marktprämie, früher EEG-Zulage genannt, kompensiert die Differenz zwischen dem Strompreis an der Börse und dem Zuschlagswert. Ist der Preis an der Börse niedriger als 5,15 ct/kWh, dann erhält der Betreiber eine staatliche Förderung, die Marktprämie.

Ist der Preis an der Börse höher als 5,15 ct/kWh erhält der Betreiber nur den Börsenpreis.

Im letzten halben Jahr lag der Preis an der Börse etwa 5,2 ct/kWh. Die staatliche Förderung kann sich auf zwei Arten verringern. Der Zuschlagswert bei den Ausschreibungen sinkt (zuletzt stiegen sie eher an) oder der Strompreis an der Börse steigt.

Der Preis an der Börse hängt vom teuersten Stromproduzenten ab, der noch einspeisen darf. Dies führt dazu, dass bei viel Wind der Preis sinkt, weil die teuren Produzenten wie Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt werden.

Durch den Kernenergie- und Kohleausstieg werden aber die billigen Produzenten aus dem Markt genommen, so dass ausser Wind und Solar nur noch die teuren Gaskraftwerke übrigbleiben.

Man muss daher damit rechnen, dass die Börsenpreise weiter steigen werden.

Wind- und Solarkraftwerke brauchen dann keine staatliche Förderung mehr, weil der Strompreis bereits so hoch ist, dass sie ausreichend Gewinn machen.

Exportmeister

In den letzten Jahren hat Deutschland praktisch jedes Jahr ca. 45 TWh (ca. 8% des produzierten Stroms) exportiert.
Anhänger der Erneuerbaren Energien (EE) behaupten immer wieder, dass dies nichts mit dem zeitweiligen Überangebot an EE zu tun hat.
Die Betreiber der Übertragungsnetzwerke haben gerade einen neuen Netzentwicklungsplan 2030 (Version 2019) erstellt. Dort (Seite 6) heißt es: «Die zahlreichen Stunden mit einem Überschuss an erneuerbarer Stromerzeugung führen jeweils zu einem deutlichen Nettoexport Deutschlands. In den Szenarien für 2030 beträgt dieser zwischen 44,6 und 75,7 TWh.»
In diesem Szenario exportiert also Deutschland bis zu einem Siebtel seines Stroms.
Jetzt soll die deutsche Energiewende ja ein Vorbild für andere Länder sein. Nur es stellt sich dann die Frage, wohin dann der überflüssige Strom exportiert werden soll.
Es bleibt natürlich die Möglichkeit die Windturbinen einfach abzuregeln. Dann müsste man aber diesen nicht produzierten Strom trotzdem bezahlen. Bei den jetzigen Preisen für Windstrom wären das 4,7 Mrd. Euro.

Wende zum russischen Gas

Der Kernenergie- und Kohleausstieg führt sicher dazu, dass mehr Erdgas verbraucht wird. Brauchen wir dazu die Pipeline Nordstream 2?

Der Erdgasverbrauch in Deutschland betrug im Jahr 2018 ca. 840 Mrd kWh (bezogen auf den unteren Heizwert). Davon kamen 37% aus Russland, was 310 Mrd KWh entspricht. Die Kapazität der Nordstream-Pipeline beträgt allein 550 Mrd KWh. Deutschland exportiert die Hälfte des importierten Gases wieder.

Wenn der jetzt durch Kernenergie, Braun- und Steinkohle erzeugte Strom durch neue, moderne Gaskraftwerke erzeugt werden soll, werden zusätzliche 460 Mrd kWh gebraucht. Das würde bedeuten, dass der Erdgasverbrauch um 55% ansteigt.

Aber die Erzeugung aus Wind und Solar soll ja gesteigert werden, so dass künftig 65% des Stroms davon geliefert werden soll. Damit reduziert sich der nötige zusätzliche Import auf etwa die Hälfte.

Grob würde gerechnet würde der Erdgasverbrauch um 30% ansteigen. Mit den bestehenden Leitungen ist dieser Zusatzbedarf vermutlich kaum zu decken, weil ja die deutsche und niederländische Gasproduktion sinkt. Mit Nordstream 2 kann der Bedarf ohne Probleme gedeckt werden.

Man kann den Zusatzbedarf natürlich auch dadurch decken, dass man den Verbrauch anderswo einspart, z.B. bei der Raumheizung. Vielleicht passiert dies durch den Klimawandel ja automatisch.

Fehlschluss verhindert

Die NASA veröffentlicht auf ihrer Webseite die globale Temperatur (siehe Diagramm weiter unten). Gerade ist der Wert für 2018 erschienen (+0.83°C). Damit ist die Temperatur jetzt das zweite Jahr hintereinander gesunken. Wenn das noch 8 Jahre so weiter geht, ist der ganze Klimawandel weg. Ein Horrorszenario, dass natürlich nicht eintreten wird.

Eigentlich wäre die Kurve ja das ideale Argument für jeden Klimaforscher und Klimajournalisten, um zu zeigen, wie viel noch über den Klimawandel zu erforschen und zu berichten ist, z. B. wie der Knick zu erklären ist.

Aber das Sinken der Temperatur wird in keiner Meldung thematisiert (zu mindestens habe ich nichts gesehen), weil befürchtet wird, dass die Leser zu blöd sind und die falschen Schlüsse ziehen. Deshalb bewahren verantwortliche Journalisten die blöden Leser vor Fehlschlüssen. Nur die bei der NASA haben das noch nicht kapiert.  

Globale Temperaturerhöhung relative zu 1951-1980 Durchschnitt

Kohleausstieg verschoben

Zu mindestens in München ist der Kohleausstieg erstmal verschoben worden. Die Bundesnetzagentur hat das Kohlekraftwerk für systemrelevant erklärt. Frühestens im Jahr 2028 kann mit dem Ausstieg gerechnet werden.

Es wird darüber gesprochen, dass der Ausstieg durch Ausschreibungen geregelt werden soll. Wer am wenigsten Entschädigung verlangt, darf als erster aussteigen. Da wird das Münchener Kohlekraftwerk sicherlich die Braunkohlekraftwerke unterbieten.