Archiv für den Monat: Dezember 2018

Vom Aussterben bedroht

Wer «Das Boot» gesehen hat, der weiß, dass Filzläuse bevorzugt in der Schambehaarung leben.

Dieses Habitat ist aber von der Vernichtung bedroht, da immer mehr Menschen ihre Schamhaare rasieren. Für die Filzlaus ist das die ökologische Katastrophe. Sie ist vom Aussterben bedroht.

Der NDR hat dankenswerterweise auf diese erschreckende Tatsache in seinem Regionalprogramm hingewiesen und wegen der Wichtigkeit im Jahresrückblick noch mal wiederholt. 😊

Gelbe Westen an die Macht

Im französichen Fernsehen sieht man fast täglich die „Gelben Westen“. Dabei fallen einem immer zwei Dinge auf.

Es gibt immer eine Art Lagerfeuer, um die sich die Aktivisten versammeln. Das gibt der Aktion ein romantisches Flair.

Die Aktivisten blockieren die Straßen und entscheiden wer, wann durchfahren darf. Das gibt einem natürlich das Gefühl, endlich mal Macht ausüben zu dürfen. Gerade für Menschen, die sonst eher Anweisungen ausführen als sie zu geben, ist das sehr attraktiv.

Bäcker für die Verhütung des Atomkriegs

Wenn es eine Organisation gäbe mit dem Namen Bäcker für die Verhütung des Atomkriegs, würde man sich sicherlich wundern.

Es gibt aber eine Organisation, die aus Ärzten besteht, die sich Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges nennt und 1985 sogar den Friedensnobelpreis bekommen hat für ihre Information über die kastastrophalen Auswirkungen eines Atomkriegs.

Warum gerade Ärzte? Warum bilden Bäcker oder Philosophen oder Automechaniker oder Krankenschwestern nicht eine solche Organisation? Was unterscheidet sie von den Ärzten? Wissen sie weniger über die kastastrophalen Auswirkungen eines Atomkriegs?

Kerosinsteuer

Die „Gelben Westen“ fordern eine Steuer auf Flugbenzin (Kerosin).

Die Kerosinsteuer ist ein beliebtes Thema. Für inländische Flüge könnte es in der EU jederzeit eingeführt werden. In den Niederlanden wurde es für Inlandsflüge (gibt es die in den Niederlanden?) eingeführt.

Interessanter sind aber die transnationalen Flüge. Die Steuerfreiheit ist in dem Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt geregelt. Ein Austritt aus diesem Abkommen ist wohl nicht angebracht.

Mitgliedsländer können aber von einzelnen Regelungen des Vertrags abweichen. Es besteht nur eine Mitteilungspflicht.

Was würde passieren, wenn ein Land wie Frankreich eine Kerosinsteuer einführen würde. Wenn die Steuer sehr gering wäre, natürlich nichts. Aber die Steuer soll natürlich eine Lenkungswirkung haben.

Wer in einer großen Stadt wie Paris (82 Minuten mit dem TGV nach Brüssel)oder in der Nähe der Grenze lebt, fährt zum nächsten ausländischen Flughafen und fliegt ohne Kerosinsteuer. Wer sind die Gelackmeierten? Die Menschen, die auf dem Lande und im Zentrum des Landes leben. Was machen die dann? Sie legen eine gelbe Weste an und …

Deichen oder Weichen

Es gib wohl kaum ein Land, dass bei steigendem Meeresspiegel betroffen ist wie, nein nicht Bangla-Desh, die Niederlande. Über 50% der Bewohner (9 Millionen) wohnen unterhalb des Meeresspiegels. Auf der anderen Seite haben die Niederländer jahrhundertlange Erfahrungen mit Deichbau.

Der niedrigliegende Teil der Niederlande ist aufgeteilt in 53 Deichringe. Die Ringe um die großen Städte sind so hoch, dass nur alle 10’000 Jahre mit einer Überschwemmung gerechnet werden muss. Steigt der Meeresspeigel um 70 cm, muss alle 100 Jahre mit einer Überschwemmung gerechnet werden.

Die niederländische Regierung hat bereits 2008 die Kosten berechnen lassen, wenn der Meeresspiegel steigt und die Deiche erhöht werden müssen. Das Ergebnis ist 0.1% bis 0.2% des Bruttosozialprodukts. Ein bezahlbarer Betrag.

Mehr dazu hier.

Was kostet der Deich?

Ich habe im Internet eine Aufzeichnung von der letzten Klimakonferenz in Kattowice gefunden.

Ein englischer Forscher hat die Ergebnisse seiner Studien präsentiert. Es ging unter anderem darum, welcher Effekte ein Wirbelsturm in Bangladesh hat unter der Berücksichtigung des Meeresspiegelanstiegs. Es wurde gezeigt, dass es immer schlimmer wird, wenn der Meeresspiegel steigt. Das ist natürlich zu erwarten, aber interessant waren natürlich die Zahlen, wie viel Land und wie viele Menschen es betrifft.

Ein Punkt wird aber nie erwähnt. Welchen Effekt hätte der Bau eines Deiches? Wie viel würde ein solcher Deich kosten und wie lange würde es dauern ihn zu bauen. Irgendwo habe ich von Baukosten von 4 Mrd. Euro gelesen.

Wahrheit, nichts als die Wahrheit

Ein Reporter des Spiegels hat Reportagen einfach erfunden. Ich habe keine der Reportagen gelesen. Eine handelt davon, dass eine alte Frau in den USA Hinrichtungen besucht. Man muss das nicht unbedingt wissen und wenn die Geschichte erfunden ist, ist eigentlich auch niemand gross zu Schaden gekommen.

Warum also die grosse Aufregung? Weil der Spiegel (und vermutlich auch andere Presseorgane) den Anspruch haben, immer die Wahrheit zu berichten. Sozusagen wie der Papst ex cathedra schreiben.

Das Motto des Spiegels lautet: «Sagen, was ist.»

Wer sagen will, was ist, muss wissen, was ist. Kann man wissen, was ist? Gibt es die absolute Wahrheit überhaupt und ist sie dem Menschen zugänglich? (Filmempfehlung: Rashomon von Akira Kurosawa)

Man kann einwenden, dass offensichtlich lügen, doch etwas anderes sei. Für den Leser ist es aber egal, ob er etwas Falsches liest, weil der Reporter lügt, es nicht besser weiß oder falsch informiert wurde.

Wenn ich lese, dass das Grönlandeis schmilzt und daher der Meeresspiegel um X m steigt, aber weggelassen wird, dass dies ca. 10’000 Jahre dauern wird, habe ich dann die Wahrheit gelesen?

Ein weites Feld.

Meine erste eigene Erfahrung mit der Presse hatte ich etwa 1987. Auf einer Geschäftsreise fand ich im Flugzeug eine Ausgabe der Zeitschrift «Capital», indem das Projekt, an dem ich von 1982 bis 1986 in Berlin gearbeitet hatte, beschrieben wurde. Leider enthielt der Artikel sechs sachliche, zum Teil gravierende Fehler. Ich daraufhin einen Leserbrief geschrieben, der auch zum Teil veröffentlicht wurde. Einige Zeit später erhielt ich einen Brief des Journalisten. Er schrieb, dass er zwei Professoren interviewt hatte und er diesen nicht vorwerfen wolle, dass sie ihn belogen hätten. Aber sie hätten die Dinge so dargestellt, dass er daraus Schlüsse gezogen hätte, die ihm offensichtlich erschienen. Alle von mir bemängelten Aussagen seien leider im Artikel falsch dargestellt.

Ich erwarte seitdem nicht mehr, in der Presse immer die Wahrheit zu lesen. Bereits meine Grossmutter hatte mir geraten, nicht alles zu glauben, was in der Zeitung steht. Sie bezog sich allerdings auf die Mondlandung.

Eine nützliche Frage, die man sich immer stellen sollte, ist die Frage, ob der Schreiber das überhaupt wissen kann. Wenn die Presse schreibt, dass etwas immer häufiger passiere, dann sollte man sich fragen, ob überhaupt jemand die Daten sammelt. Eine andere Überlegung ist die Messgenauigkeit. Vor kurzem fand ich die jährliche CO2-Emissionen Deutschland auf 6 Stellen genau. So genau kann man die gar nicht messen. Wenn der Meeresstiegel um 3 mm pro Jahr steigt, wie stellt man dann fest, dass er sich beschleunigt. Dann müsste man Änderungen von unter 1 mm pro Jahr messen. Verdammt nochmal, jetzt halt doch endlich mal still, sagte der Vermesser zum Ozean.

Stillstand

Wenn man mal die Extremisten beider Seiten weglässt, dann ging der Streit der Klimaforscher darum, wie groß der menschengemachte Anteil am Klimawandel ist. Bisher war man der Meinung, dass nur ein Teil des Klimawandel natürlichen Ursprungs ist und der andere Teil menschengemacht.

Im neuen Regelwerk sind Entschädigungszahlungen für Klimaschäden vorgesehen. Dazu müsste man eigentlich wissen, wie groß der jeweilige Anteil ist, denn für den natürlichen Klimawandel gibt es keine Entschädigungen. Da ist natürlich ewiger Streit vorprogrammiert.

Da hat der Weltklimarat aber vorgesorgt. Zur großen Überraschung hat er im letzten Bericht festgestellt, dass der Klimawandel ganz menschengemacht ist.

Wenn man das weiterdenkt, dann bedeutet das, dass der ewige Klimawandel am Beginn der industriellen Revolution zum Stillstand gekommen ist. Wenn wir kein CO2 mehr emittieren, dann bleibt das Klima auf ewig wie es ist.

Eiterbeule


In einem Leserbrief an die Frankfurter Rundschau (FR) fand ich folgenden Satz:

„Endlich ist mal wieder eine rassistische Eiterbeule der Frankfurter Polizei geplatzt.“

Mit der Eiterbeule sind hier Polizeibeamte gemeint, die rechtsextremistischer Umtriebe verdächtigt werden. Man hätte auch schreiben können, dass diese Polizisten aus dem Dienst entfernt werden sollten.

Stattdessen wird die Metapher Eiterbeule bemüht, als etwas, das entfernt werden muss, damit der Körper wieder gesund und rein ist.

Rechtsextremen geht es auch immer darum, etwas Unreines zu entfernen und wegzuhalten. Das Volk soll rein bleiben. Alles Fremde, dass eindringt, ist gefährlich und muss entfernt werden. Die deutsche Sprache soll rein bleiben, von ausländischen Worten. Die Nazis wollten das deutsche Volk von den unreinen Juden säubern. Deshalb benutzen sie das Bild der Ratten.

Wenn jemand Menschen als Eiterbeulen bezeichnet, assoziiere ich rechtsextremes Gedankengut.

Methode

«Jetzt ist herausgekommen, dass ein Spiegel-Reporter Reportagen erfunden hat. Ich will ja nicht behaupten, dass alle Reporter ihre Geschichten erfinden. Manche Geschichten kommen einem schon komisch vor, aber man darf das nicht verallgemeinern, obwohl es ist ja nicht das erste Mal ist.»

Der Absatz ist von mir und soll eine Methode demonstrieren.

Man möchte eine Behauptung aufstellen, aber man hat keine Belege. Also behauptet man einfach, dass man die Behauptung nicht aufstellt. Dazu muss sie natürlich aufgestellt werden. Dann fügt man einen Einzelfall hinzu und warnt vor der Verallgemeinerung, um dies gleich wieder abzuschwächen.

Beim Leser bleibt hängen, dass da doch etwas dran sein könnte.

Es gibt viele Aussagen, die sich dieser Methode, bedienen.

Beispiele: «Wir wollen nicht behaupten, dass die GRÜNEN ein Pädophilie-Problem haben, aber in den 80er Jahren,…»

«Ich will behaupten, dass alle Moslems Terroristen sind, aber…»

«Von daher muss man sich fragen, inwieweit dieser Fall nicht doch typisch für die Polizei ist, ohne deshalb pauschal Alle unter Generalverdacht zu stellen.“ (Aus einem Leserbrief an die FR)