Rente statt Rauch

Mancher Raucher raucht eine Schachtel pro Tag. Die meistverkaufte Schachtel kostet zurzeit 6.70 Euro.

Wenn der Raucher stattdessen dieses Geld für die Rente spart und die Zinsen im Mittel 1% höher als die Inflation liegen, so kann der Nichtraucher eine Zusatzrente aus dem gesparten Geld von 737 Euro im Monat erzielen. Damit liesse sich manche Altersarmut verhindern.

Natürlich funktioniert das nicht freiwillig.

Deshalb kam mir die Idee zwangsweise bei niedrigen Einkommen die Beiträge zur Rentenversicherung zu erhöhen. Wenn die Erhöhung des Mindestlohnes in den letzten Jahren von 8.50 auf 9.35 Euro nicht ausbezahlt würde, sondern in die Rentenversicherung fließt, erhöht sich die Rente bereits um ca. 520 Euro. Dass Personen mit niedrigerem Einkommen dann einen prozentual höheren Beitrag zahlen, ließe sich durch höhere Lohnsteigerungen bei niedrigerem Einkommen schnell ausgleichen.

Der gute Zweck heiligt allen Unsinn.

Vor kurzem haben zwei amerikanische Wissenschaftler aus Princeton eine Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass u. a. große Teile der norddeutschen Küste 2050 häufig unter Wasser stehen werden.

Jetzt haben sich Verantwortliche für den Küstenschutz in der Regionalpresse zu Wort gemeldet. Die Daten der Studie sind schlecht. Sebst 20m hohe Dünen sollen angeblich durch den Anstieg des Meeresspielgels um weniger als 1 m überspült werden. Dass wir an der Nordseeküste seit mehr als 1000 Jahren Deiche bauen, wurde in der Studie auch nicht berücksichtigt.

Erstaunt bin ich über eine Stellungnahme, dass solche Studien trotzdem gut sind, weil sie vor dem Klimawandel warnen. Wenn es also einem guten Zweck dient, darf man auch den größten Unsinn schreiben. Ich befürchte aber, dass der Schuss nach hinten losgeht. Wer einmal die Unwahrheit sagt, …

Spielcasino

In der Uni-Bibliothek ist mir eine Neuanschaffung mit dem Titel «Der Energiehandel» in die Hände gefallen.

In Deutschland wird der Strom auf zwei Arten gehandelt. Die Versorger können den Strom langfristig im Voraus bei den Erzeugern kaufen. Sie haben aber auch die Möglichkeit sich an der Strombörse in Leipzig EEX zeitnah einzudecken.

Wie funktioniert die EEX auf der Erzeugerseite? Bis 14.30 Uhr müssen sie bei der EEX ihre Angebote für die Stromerzeugung am nächsten Tag stundenweise einreichen. Die Versorger melden ihre Nachfrage.

EEX entscheidet nach dem gebotenen Preis, wer am nächsten Tag produzieren bzw. liefern darf. Dabei werden Wind- und Solarstrom mit einem Preis von 0 Euro/ MWh betrachtet, d.h. sie dürfen immer liefern (sog. Einspeisevorrang). Da die EEX ein fast vollkommener, transparenter Markt ist, bieten die Erzeuger mit ihren Grenzkosten. Grenzkosten bedeutet hier, dass die laufenden Kosten gedeckt werden, aber die Investitionskosten oder Rücklagen für Investitionen nicht erwirtschaftet werden.

Darf man an nächsten Tag liefern, so erhält man nicht den Preis, zu dem man geboten hat, sondern den höchsten Preis, zu dem noch geliefert werden darf.

Jetzt haben die verschiedenen Erzeugungsarten unterschiedliche Grenzkosten, und zwar aufsteigend: Wind- und Solar, Nuklear, Braunkohle, Steinkohle, Gas und Dampf (GuD) und Gasturbinen.

Die Grenzkosten der nächsten teureren Erzeugung liegen dabei meisten über den Vollkosten der Erzeugung. Ist der Preis gegeben durch die Grenzkosten der Gasturbinenkraftwerke, so kann ein Kernkraftwerk mit diesem Preis einen hohen Gewinn erzielen.

Die erneuerbaren Energien erhalten im Prinzip den gleichen Preis, aber falls dieser geringer ist, als was ihnen garantiert wurde, dann wird der Preis aufgefüllt durch die sogenannte EEG-Zulage.

Aber wann erzielen in diesem System die Gasturbinenkraftwerke Gewinn? Im Prinzip, nie! Dies nennt man in der Literatur das «Missing Money Problem». Für einen Erzeuger ist es daher besser, Kernkraftwerke und Braunkohlekraftwerke (siehe RWE) als Gasturbinenkraftwerke in seinem Portfolio zu haben.

Was passiert nun, wenn Kernkraft- und Kohlekraftwerke vom Markt verschwinden? Der Preis wird von den Grenzkosten der GuD bzw. Gaskraftwerke bestimmt.

Nur erwirtschaften die Gaskraftwerke keine Rücklagen für Investitionen. Das Modell funktioniert irgendwann nicht mehr. Eine Lösung sind Kapazitätsmärkte. Dann werden die Gaskraftwerke bezahlt, weil sie liefern können. Wir bezahlen die Feuerwehr auch nicht nur fürs Löschen.

Der Strompreis wird ansteigen. Dies hat aber für den Verbraucher wenig Konsequenzen. Der neue Strompreis liegt viel höher und dadurch muss der Preis für die erneuerbaren Energien weniger aufgefüllt werden d.h. die EEG-Zulage sinkt.

Was passiert, wenn es nur noch erneuerbare Energien gibt? Der Börsenpreis fällt in den Keller. Wenn die Erneuerbaren dem Markt ausgesetzt wären, würden sie sich gegenseitig in die Pleite treiben. Aber da sie ja garantierte Einspeisevergütungen bekommen, ist der Strompreis praktisch konstant. Es findet kein Markt mehr statt und die Börse kann geschlossen werden. Da aber an der Börse auch Derivate gehandelt werden, hätte man ein zusätzliches Spielcasino.

Haben Sie das berücksichtigt?

Man hört häufig, dass Deutschland Exportweltmeister sei.

Das ist falsch oder zu mindestens nicht ganz richtig. Wenn man eine Liste der Länder mit den meisten Exporten aufstellt, liegt Deutschland auf Platz 3 hinter China und den USA.

Nimmt man die Exporte pro Einwohner, dann liegt Deutschland auf Platz 16.

Deutschland ist aber das Land, das den größten Exportüberschuss hat. Wenn man ihn auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezieht, steht Deutschland auf Platz 19.

Deutschlands Überschuss beträgt 260 Mrd. Euro = 7.4% des BIP. Alles über 6% gilt in der EU als stabilitätsgefährend. Deutschland sollte also mehr im Ausland kaufen, und zwar für mindestens 50 Mrd. Euro.

Das Forschungszentrum Jülich hat gerade eine Studie veröffentlicht, dass man Deutschland bis 2050 um 80% dekabonieren könnte. Die Kosten seien akzeptabel, da wir dann nicht mehr für mehr als 60 Mrd. Euro fossile Brennstoffe im Ausland kaufen müssen. Damit wird Deutschlands Exportüberschuss aber noch weiter steigern.

Deutschlands Strombedarf wäre dann ca. 1000 TWh. Bei einem Strompreis von 6 ct/kWh könnte man diesen Strom für 60 Mrd. Euro im Ausland einkaufen. Mit dieser Lösung wäre das Problem des Exportüberschusses zwar nicht gelöst, aber immerhin nicht verschlimmert.

Moderne rückwärts?

Auf Zeit online findet man heute einen interessanten Artikel des Soziologen Armin Nassehi (https://www.zeit.de/2019/44/klimakrise-bekaempfung-moderne-gesellschaft-armin-nassehi) 1.

Im Folgenden ein kurzes Zitat:

Modernität bedeutet letztlich so etwas wie das, was man im politischen Bereich Gewaltenteilung nennt. Es ist ein evolutionärer Prozess, dessen Gesamtrichtung dahin geht, dass es Instanzen, die alles zusammenführen und in einem Prinzip aufheben, nicht mehr geben kann. Alles ist auf Wechselseitigkeit angewiesen und erfährt an sich selbst, dass sich das Gesamtsystem nicht allein ökonomisch, nicht allein rechtlich, nicht allein wissenschaftlich, nicht einmal allein religiös bestimmen, führen, verändern, gestalten lässt.»

Damit begründet er, dass die Forderung, dass alles sofort geändert werden müsse, (um den Klimawandel zu verhindern) in einer modernen Gesellschaft nicht realisierbar sei.

Für mich bedeutet das, dass die Forderung nach dem „alles und zwar sofort“ nur erfüllbar ist durch die Rückabwicklung der Moderne.

Ich empfinde es als fahrlässig, wenn Wissenschaftler jungen Menschen den Eindruck vermitteln, dass dies in einer modernen Demokratie möglich ist. Wenn die jungen Menschen irgendwann (wahrscheinlich sehr bald) merken, dass dies nicht geht, was wird ihre Schlussfolgerung sein?

In einigen Befragungen, die im Fernsehen zu sehen waren, äußerten sich junge Demonstranten bereits negativ über die Demokratie.

1 Kaum hatte ich den Artikel gelesen, verschwand er hinter der Bezahlschranke.

Das zunehmende Nichtsein…

Ich bin Gasthörer in Philosophie. In der letzten Woche haben wir für die ersten drei Sätze aus David Humes «Traktat über die menschliche Natur» 90 Minuten gebraucht. Man lernt wirklich Sätze sehr genau zu lesen.

Heute lese ich im Spiegel etwas von «zunehmenden Überflutungen unserer Städte». Grund für die zunehmenden Überflutungen ist der kommende Klimawandel.

Wenn etwas zunehmen soll, muss es zuerst existieren. Etwas das nicht existiert, kann nicht zunehmen.

Werden unsere Küstenstädte denn bereits regelmässig vom Meerwasser überflutet? Mir ist das nicht bekannt. Manchmal gibt es schwere Gewitter mit Starkregen, so dass das Wasser erstmal auf der Straße stehen bleibt. Aber das gab es auch zu meiner Jugend schon.

Abgeregelt…

Die Bundesregierung hat in ihrem Klimaschutzprogramm angegeben, welche Beiträge die erneuerbaren Energien 2030 zur Stromerzeugung erbringen sollen. Wenn man die erzeugte Strommenge mit der Menge von 2018 vergleicht, könnte man die neuen installierten Leistungen berechnen.

Wind an Land soll um den Faktor 1.62, Wind auf See um den Faktor 4.40 und Solarenergie um den Faktor 2.20 erhöht werden. Biomasse und Wasserkraft sollen etwa gleichbleiben.

Wenn man die Stromerzeugung von 2018 stundenweise mit diesen Faktoren erhöht und noch dazu annimmt, dass aus Stabilitätsgründen 7 GW konventionelle Anlagen nötig sind, so stellt man fest, dass in 2800 Stunden (= 32%) die Erzeugung aus erneuerbaren Quellen die Last überschreitet. Es muss ca. 10% der erzeugten Strommenge abgeregelt werden. Man könnte auf die Idee kommen, einfach 10% mehr zu installieren. Mit mehr installierter Leistung steigt aber auch die abgeregelte Menge. Um die im Klimaschutzprogramm vorgesehene Energie zu erreichen, muss die installierte Leistung um weitere 35% erhöht werden. Damit müssen erhöht werden gegenüber heute: Wind an Land um den Faktor 2.15, Wind auf See um den Faktor 5.85 und Solarenergie um den Faktor 2.93.

Für Wind an Land bedeutet das einen Zubau von 6000 MW pro Jahr. Bisher wurden maximal 5000 MW in einem Jahr (2017) installiert. Für Wind auf See sind es 3500 MW pro Jahr und es wurden bisher maximal 1270 installiert. Die Solarenergie müsste jedes Jahr um 9300 MW wachsen. Bisher war der maximale Wert 7900 MW im Jahr 2011. Nichts ist unmöglich, aber vieles ist nicht wahrscheinlich.

Wird es so ausgeführt, dann wird Deutschland in über 50% der Zeit, abgesehen von den 7 GW, nur von den erneuerbaren Energien versorgt. Leider müssen 23% der Energie abgeregelt oder ins Ausland verschenkt werden. Es handelt sich um 112 TWh, die bei einem Strompreis von 6.2 ct/kWh (Wind an Land), einen Wert von ca. 7 Mrd. Euro haben.

Diese 7 Mrd. Euro müssen auf jeden Fall bezahlt werden. Sollte man das EEG ändern, dass der Überschussstrom nicht mehr bezahlt wird, müssen die Betreiber der Anlagen notgedrungen das Geld auf die bezahlten Stunden umlegen.

Diese Überlegungen berücksichtigen keine Speicher (da ich nicht daran glaube, dass bis 2030 diese zur Verfügung stehen). Ausserdem wird davon ausgegangen, dass der Stromverbrauch nicht zunimmt. Ich glaube nicht daran, aber es macht die Rechnung einfacher und die Bundesregierung glaubt daran.

Die Erde ist flach! :)

Ob ich das behaupten wolle, hat mich ein Philosophie-Professor im letzten Semester gefragt, als ich bemerkte, dass man in der Naturwissenschaft nichts beweisen kann.

Durch Zufall bin ich darauf gestossen, dass in den Klimamodellen die Erde als eine flache Scheibe modelliert wird.

Im Vergleich zum Erdradius ist unsere Atmosphäre aber sehr dünn, so dass der Rechenfehler vermutlich nicht sehr groß ist. Im Vergleich zur unvermeidlichen Ungenauigkeit der Modelle fällt er wohl kaum ins Gewicht.

Dramatisch, dramatischer, Klimawandel

Bis vor kurzem konnte man auf SPON Artikel zum Klimawandel vom Diplom-Geologen Axel Bojanowsky lesen. Jetzt schreibt die Artikel eine promovierte Historikerin.

Heute war es mal wieder sehr dramatisch.

Zitat:» Der Meeresspiegel steigt noch schneller, die Eismassen schmelzen dramatisch ab»

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/sonderbericht-des-weltklimarats-land-unter-a-1288496.html

Dazu das Bild eines Jungen, der bis zum Hals im Wasser steht.

Das dramatische Ansteigen des Meeresspiegels kann man z. B. hier sehen.

Im Artikel wird erwähnt, um wie viel das Eis in der Antarktis jedes Jahr abnimmt (3mal der Bodensee).

Es wird nicht erwähnt, wie viel Eis es in der Antarktis gibt.

Laut Wikipedia nimmt das Eisvolumen in der Antarktis jedes Jahr um 1 Hunderttausendstel ab. Wenn der Prozess also linear verläuft (was sicherlich nicht der Fall ist), dauert es etwa 100’000 Jahre bis die Antarktis abgeschmolzen ist.

Als Physiker frage ich mich, wie man etwas so genau messen kann. Das Eis in der Antarktis ist etwa 2000 m dick. Es schmelzen im Jahr daher etwa 2 cm ab. Laut Artikel haben sich diese 2 cm um etwa 5% erhöht. Es sind jetzt 2.1 cm, also 1 mm mehr. Damit das Messergebnis signifikant ist, muss die Messgenauigkeit noch geringer sein. Man kann also die mittlere Eisdicke in der Antarktis auf weniger als einen 1mm genau bestimmen. Hört sich formidabel an, nur mir fehlt der Glaube.

Meiner Meinung nach ist das Dramatisieren in der Klimawandelproblematik kontraproduktiv. Es verhindert jede sachliche Diskussion. Am Ende stehen sich alle mit geschlossenem Visier gegenüber und nichts passiert.

Sitzen zwei Touristen («Landratten») bei auflaufendem Wasser auf einer Bank auf dem Deich. «Schau mal wie der Meeresspiegel steigt! So dramatisch hatte ich mir das gar nicht vorgestellt!»